Katastrophen-Vorsorge
«Hoffen wir, dass wir sie nie brauchen»: Kreuzlingen stellt seine vier Notfalltreffpunkte vor

Die Stadt bereitet sich auf den Katastrophenfall vor und definiert, wohin sich die Einwohnerinnen und Einwohner dann wenden können. Etwa bei einem grossflächigen und lange andauernden Stromausfall gibt es in den vier Kreuzlinger Quartieren je eine Anlaufstelle für Informationen und die Möglichkeit, Rettungskräfte zu alarmieren.

Urs Brüschweiler
Drucken
Roger Reinhart, Thomas Niederberger, Jethro Fehlmann, Jamin Emini und Thomas Beringer proben den Einsatz am Notfalltreffpunkt im Dreispitz-Foyer.

Roger Reinhart, Thomas Niederberger, Jethro Fehlmann, Jamin Emini und Thomas Beringer proben den Einsatz am Notfalltreffpunkt im Dreispitz-Foyer.

Bild: Marius Eckert

Die Faltzettel zu den Notfalltreffpunkten, welche vor einigen Wochen in alle Haushalte im Thurgau verschickt wurden, machten viele etwas nervös. Gilt es nun etwa doch ernst mit der Strommangellage im Winter? Eine Antwort darauf lieferten die Verantwortlichen von Stadt und Region Kreuzlingen am Montag zwar nicht. Aber sie konnten insofern beruhigen, dass die Einrichtung der Notfalltreffpunkte schon deutlich länger geplant sei, als man über drohende Energieengpässe diskutiert. Insofern ist der Zeitpunkt ein Zufall und es handle sich um eine reine Vorsorgemassnahme.

Nichtsdestotrotz sei ein grossflächiger und lange andauernder Stromausfall das wahrscheinlichste Szenario, dass besagte Notfalltreffpunkte in Betrieb genommen werden müssten. «Wir wollen sie sichtbar machen und den Menschen ins Bewusstsein holen, dass es sie gibt», sagt Stadtpräsident Thomas Niederberger, als er den Medienvertretern eine solche Anlaufstelle im Kultur- und Sportzentrum Dreispitz vorstellt. «Aber wir hoffen natürlich, dass wir sie nie brauchen.»

Ausgerüstet für den Krisenfall

Wahnsinnig spektakulär sieht der gesamte Aufbau nicht aus. Auf der Esplanade stehen zwei Wegweiser, draussen vor der Tür ist ein Notstromaggregat platziert, im Foyer steht ein Tisch mit einigen Utensilien wie Laptop, Polycom-Funkgerät, Radio oder Megafon. Zwei Scheinwerfer stehen ebenso bereit, wie ein Erste-Hilfe-Kit zur Versorgung von kleineren Verletzungen, führt Jethro Fehlmann aus. Er ist Sachbearbeiter Sicherheit bei der Stadt. Das Material werde jeweils vor Ort eingelagert.

Roger Reinhart, stellvertretender Stabschef des Regionalen Führungsstabs, erklärt einen möglichen Ablauf: Sollte beispielsweise der Strom ausfallen, gehe man davon aus, dass innert einer Stunde auch kein Mobiltelefon mehr funktioniere. Die modernen Kommunikationsmittel seien nicht sehr resilient. «Die Alarmierung ist dann ein grosses Problem.» Die Menschen könnten dann zu einem der Notfalltreffpunkte kommen und von dort einen Notruf an Polizei, Sanität oder Feuerwehr absetzen. Denn in den Notfalltreffpunkten sei der Kontakt mit dem Regionalen Führungsstab und zur kantonalen Notrufzentrale sichergestellt.

Mitarbeiter der Stadt werden rekrutiert

Jede Gemeinde im Thurgau hat einen solchen Notfalltreffpunkt definiert. Kreuzlingen hat sich dazu entschieden, deren vier vorzusehen, wie Stadtrat Thomas Beringer erklärt. Einen in jedem Quartier: in der Mehrzweckhalle beim Schulhaus Seetal für Kurzrickenbach, im Torggel Rosenegg für Egelshofen, im Saubachsaal beim Schulhaus Bernegg für Emmishofen und eben im Dreispitz für das Bodan-Quartier. Das Personal für den Betrieb der Notfalltreffpunkte im Ereignisfall wird derzeit unter den Mitarbeitern der Stadtverwaltung rekrutiert. Etwa 30 an der Zahl sollen es werden, damit auch eine längerfristige Aufrechterhaltung rund um die Uhr möglich sein wird. Sie erhalten eine entsprechende Ausbildung. Man wolle zusätzlich auch Mitglieder der Quartiervereine mit ins Boot holen für allfällige Betreuungs- und Hilfsdienste.

Wann die Notfalltreffpunkte tatsächlich zu einem Einsatz gelangen, lasse sich nicht so einfach sagen. Die Ereignisse sind sehr individuell, sagt Jethro Fehlmann. Die wichtigste Funktion sei aber sicher, für die Bevölkerung eine Anlaufstelle und Unterstützung zu gewährleisten, den Informationsfluss zu gewährleisten oder als Koordinationsort, wenn eine Evakuation nötig werden sollte.

Weitere Informationen: www.notfalltreffpunkt.ch.