Bewältigung seelischer Krisen

Berichte über Suizide haben häufig zur Folge, dass noch weitere Gefährdete dem Beispiel folgen. Eine Studie hat nun ergeben, dass auch Schilderungen über positiv bewältigte Krisen Auswirkungen haben.

Markus Löliger
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Einsamkeit und Depression gehen häufig dem Suizid voran. (Bild: keystone/Liliane Geraud)

Einsamkeit und Depression gehen häufig dem Suizid voran. (Bild: keystone/Liliane Geraud)

Wenn in den Medien über einen Suizid berichtet wird, ist in den folgenden Tagen oft eine Häufung von Nachahmungstaten zu verzeichnen. Die negativen Auswirkungen öffentlich gemachter Suizide sind als Werther-Effekt bekannt, in Anlehnung an Goethes Werk «Die Leiden des jungen Werthers», nach dessen Erscheinen eine grössere Zahl von Nachahmungstaten festgestellt worden sind. Eine Studie hat nun aber erstaunliche Erkenntnisse zutage gefördert. Demnach hat die Berichterstattung über bewältigte Krisen positive Auswirkungen auf suizidgefährdete Personen. Forscher des Zentrums für Public Health der Medizinischen Universität Wien haben während sechs Monaten alle Berichte in den grossen österreichischen Tageszeitungen gesammelt, in denen die Begriffe «Selbstmord» oder «Suizid» auftauchten. In der Woche nach Erscheinen untersuchten sie die Suizidhäufigkeit. Während Medienberichte oder Expertenmeinungen, die auch negative Botschaften vermittelten, einen eher ungünstigen Effekt hatten, konnten Artikel über die positive Bewältigung von seelischen Krisen die Suizidrate um rund fünf Prozent senken.

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