Bettler mit Bussen abschrecken

Während das Betteln in den Kantonen Thurgau, Appenzell Innerrhoden und Ausserrhoden verboten ist, müssen es Gemeinden im Kanton St. Gallen einzeln verbieten. Zu diesem Mittel greifen immer mehr.

Sebastian Keller
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Hoffen auf ein bisschen Geld: Immer mehr St. Galler Gemeinden verbieten das Betteln. (Bild: ky/Salvatore Di Nolfi)

Hoffen auf ein bisschen Geld: Immer mehr St. Galler Gemeinden verbieten das Betteln. (Bild: ky/Salvatore Di Nolfi)

Als der Kanton St. Gallen 2008 ein kantonales Bettelverbot aufhob, überliess er es den Gemeinden, ein kommunales Verbot einzuführen. Zu dieser Möglichkeit greifen seither immer mehr Gemeinden. Bereits in 17 von 77 Gemeinden gilt ein solches Bettelverbot. Wer bettelt, muss mit einer Busse von 40 Franken rechnen.

Zwei Verbote in Arbeit

Auch Wil, die drittgrösste St. Galler Stadt, will das Betteln auf Stadtgebiet verbieten. Bis auf das linksgrüne Lager befürworten alle Lokalparteien das Verbot. Die Gemeinde Walenstadt arbeitet derzeit ebenfalls ein Verbot aus. Auslöser sind gehäufte Meldungen über Bettler in diesem Jahr. Mit dem Thema Bettler sind viele Städte und grössere Gemeinden in der Schweiz konfrontiert. Das bestätigt Renate Amstutz, Direktorin des Schweizerischen Städteverbandes: «Wir stellen fest, dass in den Städten vermehrt Diskussionen geführt werden, wie mit Bettlern umgegangen werden soll.» Im Kanton Thurgau ist das Betteln im ganzen Kanton verboten. Das schreckt aber nicht alle davon ab. Bettler seien vielfach organisierte Gruppen aus osteuropäischen Ländern, heisst es bei der Kantonspolizei. Diese gingen auf Betteltour. «Die Personen werden gezielt von Ort zu Ort gefahren und wieder abgeholt», sagt ein Sprecher. Bettler würden vor allem Einfamilienhäuser aufsuchen, seltener gut frequentierte Plätze. Die Kantonspolizei gehe aber konsequent gegen Bettler vor. Das zeigt Wirkung. Die Anzahl verteilter Bussen sinkt Jahr für Jahr. 2012 verteilte die Kantonspolizei 123 Bussen; im laufenden Jahr waren es 40.

Appenzellerland und Ausland

Auch in den Kantonen Appenzell Ausserrhoden und Innerrhoden versuchen Bettler – ebenfalls oft organisierte Gruppen – ihr Glück. Die Kantonspolizeien sprechen aber von Einzelfällen. Ein grösseres Problem mit Bettlern kennen die Städte im grenznahen Ausland. Sie dürfen das Betteln nicht generell verbieten, nur an bestimmten Orten. Das wissen auch die Bettler.

Mehr zum Thema in der Ostschweiz am Sonntag vom 30. August.