Betrüger hat 108 Anleger mit hohen Renditen gelockt: St.Galler Kantonsgericht spricht hartes Urteil

Das Kantonsgericht St.Gallen verurteilt den Angeklagten zu einer unbedingten Freiheitsstrafe von fast vier Jahren und verhängt ein Berufsverbot. Die Deliktsumme beträgt über drei Millionen Franken mit 108 Geschädigten.

Claudia Schmid
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Ein Betrüger zockt Anleger ab und wird vor Gericht unter anderem wegen Urkundenfälschung und Geldwäscherei schuldig gesprochen.

Ein Betrüger zockt Anleger ab und wird vor Gericht unter anderem wegen Urkundenfälschung und Geldwäscherei schuldig gesprochen.

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Bereits das Kreisgericht Wil hatte den 56-jährigen Schweizer Mitte 2018 zu einer unbedingten Freiheitsstrafe von 4,5 Jahren verurteilt. Der Beschuldigte zog das Urteil aber weiter und beantragte an der Berufungsverhandlung eine mildere Strafe von höchstens drei Jahren, die teilbedingt auszusprechen sei. Die Staatsanwaltschaft verlangte zusätzliche Schuldsprüche und eine Erhöhung des Strafmasses auf fünf Jahre Haft.

Dem Beschuldigten wird vorgeworfen, sich während mehreren Jahren betrügerischen Anlageprojekte gewidmet zu haben. Den anlagewilligen Geldgebern sicherte er zu, dass mit relativ geringen Beteiligungen eine sehr hohe Rendite erzielt werden kann. Viele Anleger liessen ihm Geldbeträge zur Investition zukommen. Tatsächlich aber waren die angepriesenen Kreditkartensysteme vorgetäuscht. Der Mann habe die eingenommenen Gelder zur Finanzierung seines Lebensunterhaltes und zur Aufrechterhaltung seiner vorgetäuschten Systeme verwendet, betonte die Staatsanwaltschaft in der Anklage.

Sich von Betrügern beeinflussen lassen

An der Berufungsverhandlung beteuerte der Beschuldigte, nicht er habe die betrügerischen Kreditkartensysteme erfunden. Auch habe er anfänglich nicht gewusst, dass die Anlageprojekte nicht funktionierten. Er habe sie von anderen übernommen und sei selber Opfer von Betrügern geworden. Es tue ihm alles sehr leid, zumal er gleich zweimal denselben Fehler gemacht habe.

Der Mann war bereits im Jahre 2002 in Deutschland wegen gewerbsmässigen Betrugs zu einer Freiheitsstrafe von vier Jahren und zehn Monaten verurteilt worden. Nachdem er erfolgreich einen Antrag auf Strafversetzung in die Schweiz eingereicht hatte, kam er in die Strafanstalt Saxerriet. Dort floh er in einem Hafturlaub nach Tschechien. Nach seiner erneuten Verhaftung musste er den Rest der Strafe verbüssen. Bald nach seiner Entlassung begann er erneut, Anlegern vorgetäuschte Investment-Projekte unterzujubeln.

Nach dem Gefängnis habe er versucht, einen Job zu finden, erklärte er. Als Vorbestrafter sei es aber nicht einfach gewesen. Er habe dann erneut die falschen Leute kennengelernt und sich zum zweiten Mal hinreissen lassen.

Kantonsgericht ordnet Berufsverbot an

Das Kantonsgericht St. Gallen gab das Urteil schliesslich schriftlich bekannt. Es erklärte ihn des gewerbsmässigen Betrugs, der mehrfachen Urkundenfälschung, der qualifizierten Geldwäscherei und der unbefugten Entgegennahme von Publikumseinlagen schuldig. Es verurteilte ihn zu einer unbedingten Freiheitsstrafe von drei Jahren und neun Monaten sowie einer Geldstrafe von 20 Tagessätzen à 30 Franken. Zudem auferlegte es dem Beschuldigten nach der Haftentlassung ein Berufsverbot für die Dauer von fünf Jahren.

Die Kosten der Untersuchungs- und Gerichtsverfahren belaufen sich auf knapp 120'000 Franken. Die überwiegende Mehrheit davon hat der Beschuldigte zu bezahlen.