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BETREUUNG: Wellness für die verwahrlosten Tiere

Den 93 Pferden, die dem Hefenhofer Tierquäler vergangene Woche weggenommen wurden, geht es besser – dank umfassender Pflege im Kompetenzzentrum für Armeetiere. Noch diese Woche sollen viele von ihnen neue Besitzer erhalten.
Richard Clavadetscher, Schönbühl Be
Pflege, gutes Futter und viel Bewegung: Rekruten der Schweizer Armee kümmern sich um die 93 Pferde. (Bild: Pascal Bloch/KEY (Sand-Schönbühl, 10. August 2017))

Pflege, gutes Futter und viel Bewegung: Rekruten der Schweizer Armee kümmern sich um die 93 Pferde. (Bild: Pascal Bloch/KEY (Sand-Schönbühl, 10. August 2017))

Richard Clavadetscher, Schönbühl BE

«Ich habe mich zusammen mit anderen Kameraden freiwillig für die Betreuung und die Pflege dieser Pferde aus dem Thurgau gemeldet», sagt Train-Rekrut Thomas Schiess aus Oberhelfenschwil. Er absolviert gegenwärtig die siebte Woche der Rekrutenschule im Kompetenzzentrum Veterinärdienst und Armeetiere in Schönbühl bei Bern und ist gerade dabei, ein Pferd zu striegeln, als wir ihn ansprechen. «Das ist eine traurige Sache, und es wird meinen Kameraden und mir eine grosse Freude sein, wenn einmal jedes dieser Tiere einen guten Platz haben wird», sagt er knapp und kümmert sich wieder um das Tier.

Für viele Fohlen ist die Pflege etwas Ungewohntes

Der junge Mann aus der Ostschweiz nimmt zusammen mit seinen Kameraden einiges auf sich, um die Pferde optimal zu betreuen, nachdem sie Tierquäler Ulrich K. in verwahrlostem Zustand weggenommen worden waren. So ist Schiess zum Beispiel übers Wochenende in der Kaserne geblieben und hat die Betreuung durchgezogen – statt nach Hause zu gehen. Es habe ihm nichts ausgemacht, sagt er. Man tue hier schliesslich etwas Sinnvolles, etwas, das dem Tier zugutekomme. Neu ist für Schiess der Umgang mit Pferden nicht, er hat das Auge dafür, denn auf dem elterlichen Hof habe man selber zwei Freiberger.

Als vor einer Woche 93 Pferde vom Mini-Pony bis zum ausgewachsenen Kaltblüter im Kompetenzzentrum eintrafen, habe man sie erst einmal eingestallt und gleich am nächsten Morgen damit begonnen, die Tiere zu pflegen, sagt Jürg Liechti, Kommandant des Kompetenzzentrums und von Haus aus Veterinär. Putzen, Huf- und Mähnenpflege, Schweife schneiden, diese Aufgaben seien angestanden. «Etliche Mähnen und Schweife waren so verklebt, dass wir sie schneiden mussten», so Liechti. All diese Arbeiten seien noch im Gang, sollten aber Ende Woche abgeschlossen sein. «Das hat länger gedauert als ich dachte», sagt Liechti. Die Tiere seien eben «nicht alle kooperativ» gewesen. Gerade für die Fohlen sei diese Pflege etwas Ungewohntes, zum Teil noch nie Erlebtes gewesen. Entsprechend behutsam und mit Respekt habe man vorgehen müssen. «Das Pferd ist ja ein Fluchttier.»

Kantonstierarzt Witzig hält die Pferdegant ab

Neben Körperpflege und behutsamer Fütterung der abgemagerten Tiere waren die Pferde jeden Tag auf der Weide und konnten sich bewegen, was ein wichtiger Teil der Massnahmen für deren Gesundung sei, so Liechti. Nach einer knappen Woche kann er nun Positives vermelden: 89 der 93 Pferde gehe es den Umständen entsprechend gut, sie würden fressen und seien munter. Eine Stute habe am Morgen leichtes Fieber gehabt, drei Fohlen seien etwas beeinträchtigt: Das eine durch einen Schlag, den es von seiner Mutter abbekommen habe, die anderen beiden wegen Entzündungen. Alle drei Tiere würden aber wieder genesen.

Wie es nun weitergeht? Laut Oberst Liechti hat der Kanton Thurgau «den Lead» in dieser ganzen Angelegenheit, die Armee unterstütze lediglich. Ziel des Thurgaus sei es nun, bis Ende Woche das Gros der 93 Pferde definitiv zu platzieren. Gestern waren deshalb zwei zivile Experten in Schönbühl, um die Tiere zu schätzen, am Mittwochmorgen können jene Leute vorsprechen, die Besitzansprüche auf eines der Tiere geltend machen und dies auch belegen können. Der Thurgauer Kantonstierarzt Paul Witzig persönlich wird am Donnerstag auf dem Areal des Kompetenzzentrums eine Pferdegant abhalten. Die Vorbereitungen dafür laufen. Der Schweizer Tierschutz kritisiert den raschen Verkauf als «unverständlich und skandalös». Das zuständige Thurgauer Departement hält dagegen, dass es nicht um einen möglichst hohen Erlös, sondern um gute Plätze gehe, was auch kontrolliert werde.

Was an Tieren am Donnerstag nicht verkauft werden könne, werde vorerst im Kompetenzzentrum bleiben, sagt Liechti. Aber klar sei auch: «Irgendwann in naher Zukunft muss auch für diese Tiere eine Lösung gefunden werden.» Wenn dem schliesslich so ist, können auch Train-Rekrut Thomas Schiess und seine Kameraden zur normalen Rekrutenausbildung zurückkehren. Vorerst aber kümmert er sich noch um die Tiere aus dem Thurgau: Er striegelt, putzt, füttert und bewegt sie weiterhin. Solange er dies tut, darf er mit den anderen Tieren im Kompetenzzentrum keinen Kontakt haben: «Wir haben das getrennt. Eine Vorsichtsmassnahme.»

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