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BETREUUNG: Trotz fehlender Betreuungsplätze will St.Galler Regierung an Bewilligungspraxis festhalten

Die Standards beim Betreuungspersonal von Kindertagesstätten seien zu wenig flexibel und müssten gelockert werden. Das verlangt die CVP/GLP-Fraktion in einer Interpellation. Die St. Galler Regierung verneint.
Laura Widmer
In Kindertagesstätten arbeitet im Durchschnitt 40 bis 50 Prozent ungelerntes Personal. (Bild: Urs Bucher)

In Kindertagesstätten arbeitet im Durchschnitt 40 bis 50 Prozent ungelerntes Personal. (Bild: Urs Bucher)

Laura Widmer

laura.widmer@tagblatt.ch

Der Kanton St.Gallen hinkt bei der Kinderbetreuung hinterher. Für 65000 Kinder im Alter von null bis zwölf Jahren stehen rund 3800 Betreuungsplätze zur Verfügung. Das ist eine Versorgungsquote von sechs Prozent. Obwohl das Angebot an familienergänzenden Betreuungsangeboten in den vergangenen Jahren ausgebaut wurde, ist die Nachfrage noch nicht gedeckt.

In einer Interpellation hat sich die CVP/GLP-Fraktion nach der Bewilligungspraxis erkundigt. Die Fraktion fordert, dass die Standards beim Betreuungspersonal und bei den Infrastrukturen flexibilisiert und gelockert werden. «Wenn der Staat die Kinderbetreuung wirklich fördern will, dann müssen die Rahmenbedingungen angepasst werden», heisst es. Ausserdem solle vermieden werden, dass für die Kinderbetreuung Tertiärabschlüsse nötig sind.

Minimal nötige Standards

«Das Ziel von Standards im Bewilligungsverfahren ist das Wohl des Kindes», schreibt die St.Galler Regierung nun in ihrer Antwort auf die Interpellation. Sie sei sich aber bewusst, dass übertriebene Anforderungen den Ausbau des Angebots erschweren würden. Das zuständige Amt für Soziales wende deshalb nur minimal nötige Standards an. Dem Bewilligungsverfahren des Kantons unterliegen neben den Kindertagesstätten im Vorschulbereich auch die schulergänzende Kinderbetreuung im Schulbereich sowie private Schülerhorte. Keine kantonale Bewilligung wird jedoch für die Betreuung im Schulbereich benötigt, beispielsweise für den Mittagstisch. Der Kanton stellt diesbezüglich keine Forderungen auf, sondern lediglich Empfehlungen.

In ihrer Antwort sagt die Regierung klar: «Von übertriebenen Ausbildungsanforderungen kann nicht gesprochen werden.» In den Kindertagesstätten arbeiteten im Durchschnitt 40 bis 50 Prozent ungelerntes Personal, beispielsweise Praktikantinnen und Praktikanten. Die Regierung hält es deshalb nicht für angebracht, die Quote an ungelerntem Personal zu erhöhen. Frühe Förderung wirke nachgewiesenermassen nur, wenn sie qualitativ gut sei. Auch fachliche Kompetenzen seien bei der Kinderbetreuung wichtig, nicht nur die sozialen. Eine tertiäre Ausbildung sei für die Arbeit in der Kinderbetreuung nicht notwendig. Quereinsteigern stehen verkürzte Ausbildungen von zwei Jahren offen, wenn die notwendigen Bedingungen erfüllt sind. Dazu gehören ein Mindestalter von 22 Jahren oder eine abgeschlossene Ausbildung.

Neue Richtlinien voraussichtlich 2018

Die Regierung verweist auf einen Bericht zur Situation der Kinderbetreuung im Kanton St.Gallen. Der Bericht mit konkreten Handlungsmöglichkeiten wird derzeit erarbeitet und dem Kantonsrat voraussichtlich 2018 vorgelegt. Bereits jetzt würden die Richtlinien flexibilisiert. Angestrebt werde eine individuellere Gestaltung der Gruppengrössen und der altersmässigen Zusammensetzung der Kinder durch die Kita. So soll das Betreuungsangebot in den nächsten Jahren verbessert werden.

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