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Für besseren Schutz und als Reaktion auf Impfgegner: Kanton St.Gallen lanciert Internetseite rund ums Thema Impfen

Mit einer neuen Homepage will der Kanton St.Gallen die Durchimpfungsrate erhöhen - und Impfgegnern Paroli bieten. Wissenschaftlich korrekte Infos zum Thema seien für die Bevölkerung extrem wichtig, sagt eine Fachärztin.
Katharina Brenner
In kurzen Videos erklärt Infektiologin Anita Niederer-Loher vom Kantonsspital St.Gallen Fragen rund ums Impfen. (Screenshots: www.sg-impft.ch)

In kurzen Videos erklärt Infektiologin Anita Niederer-Loher vom Kantonsspital St.Gallen Fragen rund ums Impfen. (Screenshots: www.sg-impft.ch)

Zwei Sätze voller Tatendrang, verstärkt durch ein Ausrufezeichen: «Wir machen das. St.Gallen impft!» Immer wieder taucht dieser Slogan auf der neuen Homepage des Kantons www.sg-impft.ch auf. Videos, grossformatige Fotos und Illustrationen von Spritzen, Viren und Pflastern sind auf der Seite zu sehen, die eine St.Galler Filmproduktionsfirma und eine Wattwiler Agentur gestaltet haben. Im Zentrum stehen kurze Videos, in denen Anita Niederer-Loher, Fachärztin für Infektiologie und Kinder- und Jugendmedizin sowie Mitglied der eidgenössischen Impfkommission, Fragen beantwortet wie: Gibt es Alternativen zum Impfen? Bekommen Babies nicht schon genug Abwehrstoffe mit der Muttermilch?

Die Homepage wirft die Frage auf: Warum lanciert der Kanton eine ganze Seite ausschliesslich zum Thema Impfen? Die kantonale Präventivmedizinerin Karin Faisst sagt:

«Die Durchimpfungszahlen im Kanton St.Gallen sind noch nicht zufriedenstellend.»

Als Beispiel nennt sie Masern: Damit die Krankheit ausgerottet werden könnte, müssten 95 Prozent der Zweijährigen zwei Mal gegen Masern geimpft sein. Im Kanton liegt die Durchimpfungsrate aktuell bei 86 Prozent, schweizweit bei 87 Prozent. Und das, obwohl Impfungen zu den wirksamsten und kostengünstigsten medizinischen Präventionsmassnahmen gehörten, so Faisst. Die Website sei in erster Linie für Personen gedacht, die sich zu Impfungen umfassend informieren möchten. Ärzte, Apotheker und Hebammen sollen darauf hinweisen können. Mit den kurzen Erklärvideos hofft der Kanton, auch jüngere Menschen anzusprechen.

Jedem Fünften fällt Entscheidung schwer

Gemäss einer Studie des Bundesamts für Gesundheit (BAG) hat jeder Fünfte Schwierigkeiten damit, Entscheidungen im Zusammenhang mit Impfungen zu treffen. «Es ist extrem wichtig, dass Leute Infos zum Thema erhalten, die wissenschaftlich korrekt sind», sagt Anita Niederer-Loher. Eine Frage, die sie beantwortet, greift eine Behauptung von Impfgegnern auf: «Stimmt es, dass Impfen Autismus auslösen kann?» Im Video sagt Niederer-Loher: «Nein, das stimmt ganz klar nicht. Wir wissen das aus ganz grossen Untersuchungen mit Hunderttausenden von Kindern.» Am Telefon ergänzt sie:

«Die Stimmen der Impfgegner sind oft sehr laut.»

Es sei aber wichtig, auch eine andere Stimme zu hören. Impfgegner seien nicht unbedingt zahlreicher geworden in den vergangenen Jahrzehnten, aber durch das Internet könnten sie ihre Meinung prominenter verbreiten.

Die neue Impfwebsite ist breit abgestützt. Partner sind die Ärztegesellschaft des Kantons St.Gallen, der Verband Ostschweizer Hebammen, die Mütter-und-Väter-Beratung, der Apothekerverband St.Gallen-Appenzell, der Berufsverband der Pflegefachfrauen und Pflegefachmänner St.Gallen-Thurgau-Appenzell, das Ostschweizer Kinderspital sowie der Verein Haus- und Kinderärzte Ostschweiz. Was halten Alternativmediziner davon? Beatrice Soldat aus Teufen, Medienverantwortliche des Homöopathieverbands Schweiz, sagt: «Wenn mir etwas Bauchschmerzen bereitet, dann eher die unseriösen Impfgegnerseiten im Internet.»

Impfignoranz ist grösseres Problem

Das grössere Probleme als die Impfskepsis ist laut BAG die Impfignoranz. Das Bundesamt geht davon aus, dass zwei Drittel der Masernansteckungen auf Erwachsene zurückzuführen sind, die vergessen haben, sich impfen zu lassen oder ohne genügenden Schutz reisen – so wie eine Rheintalerin Anfang Jahr. Sie hatte sich in Asien mit Masern infiziert und zurück in der Ostschweiz andere angesteckt. Insgesamt fünf Personen zwischen 20 und 40 Jahren erkrankten an Masern, zwei von ihnen mussten mit einer Lungenentzündung ins Spital.

Die Krankheit kann auch tödlich enden. Im Mai vermeldete das BAG den Tod eines 30- und eines 70-Jährigen durch Masern. Anfang Jahr war die Zahl der Erkrankungen in der Schweiz in die Höhe geschnellt: 138 Fälle bis Mitte April, über sieben Mal mehr als im Vorjahresvergleich. Aktuell gibt es in der Ostschweiz keine Masernfälle.

Saison für Stich gegen Grippe

«Oktober und November ist die ideale Zeit für Grippeimpfungen, da wir im Dezember und Januar mit Erkrankungen rechnen», sagt Karin Faisst, Präventivmedizinerin des Kantons St.Gallen. Eine Grippeimpfung sei aber auch zu einem späteren Zeitpunkt möglich. Grippesymptome sind hohes Fieber, Schüttelfrost, Husten und Halsschmerzen. Influenzaviren können zu Lungen- und Herzmuskelentzündungen oder neurologischen Komplikationen führen. Der Impfstoff wird jeweils Anfang Jahr entwickelt. Welche Viren in der Schweiz grassieren, zeigt sich erst beim Ausbruch im Winter. Im Kanton St.Gallen impfen neben Ärzten 30 Apotheken gegen Grippe, im Thurgau 14.

Das BAG empfiehlt die Grippeimpfung:

- Menschen ab 65 Jahren
- Schwangeren
- frühgeborenen Kindern (ab sechs Monaten bis zwei Jahre)
- Personen, die chronisch erkrankt sind oder deren Abwehrkräfte unterdrückt sind
- Personen mit engem Kontakt zu Immungeschwächten, etwa Gesundheitsfachpersonen oder Angehörige.

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