Bessere Zugverbindungen ab Mitte Dezember: In drei Stunden von St.Gallen nach München

Mit dem Fahrplanwechsel rückt die Ostschweiz näher an die Metropolen München und Mailand.

Christoph Zweili
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Der ETR 610 «Astoro» wird neu zwischen Zürich und München verkehren.

Der ETR 610 «Astoro» wird neu zwischen Zürich und München verkehren.

Bild: SBB

Mit dem Ceneri-Basistunnel wird die Vollendung der Neat, der Flachbahn durch die Alpen, Realität. Ab Mitte Dezember wird die Fahrt in den Süden kürzer, für die Ostschweiz wird sie das auch Richtung Nordosten: Die SBB bauen das Angebot zwischen Zürich, St.Gallen sowie Mailand und München aus. Auf der Strecke Zürich–St.Gallen–München wird es täglich neu sechs Züge pro Richtung geben, an Spitzentagen – etwa zum Oktoberfest – wird ein siebtes Zugpaar geführt. Die SBB sprechen von einer Verdoppelung der Direktverbindungen und Sitzplätze zwischen Zürich und St.Gallen, allerdings sind während der Bauarbeiten auf deutscher Seite etliche Zugsverbindungen ausgefallen.

Daria Martinoni, Regionenleiterin Ost bei den SBB.

Daria Martinoni, Regionenleiterin Ost bei den SBB.

Bild: PD

Mit den neuen Zügen des Typs ETR 610 «Astoro» mit Neigetechnik verkürzt sich die Fahrzeit der EC-Verbindung Zürich–München von heute rund vier Stunden 45 Minuten auf rund vier Stunden. Versprochen war allerdings eine Fahrzeit von drei Stunden 30 Minuten, beziehungsweise zweieinhalb Stunden ab St.Gallen. Diese wird nun erst im Dezember 2021 erreicht. Daria Martinoni, Regionenleiterin Ost bei den SBB, sagte am Mittwoch in St.Gallen:

«Das wird möglich, wenn wir die Züge an der Grenze auf das österreichische System umschalten können.»

Ausbau Richtung München jahrelang verzögert

Martinoni tönte damit an, dass die Alstom-Triebzüge in St.Margrethen eine sogenannte dynamische Transition durchführen müssen, einen technischen Systemwechsel während der Fahrt statt im Stillstand, um den vorgesehenen Fahrplan einhalten zu können. Bis Ende 2021 muss die Umstellung des «Münchners» also statisch erfolgen – während eines längeren Halts in St.Margrethen verliert er so den zuvor herausgefahrenen Vorsprung zwischen Zürich und der Grenze. Dieser zusätzliche Zeitaufwand sprengt quasi den EC-Fahrplan, während dieser auf deutscher Seite mit Neigetechnik bereits ab diesem Dezember gefahren wird.

Der jahrelang verzögerte Ausbau der Allgäustrecke ist eine Zangengeburt. Und die Schweiz, die die Elektrifizierung mit einem rückzahlbaren 75-Millionen-Darlehen angestossen hat, sieht sich in einer paradoxen Situation. Gerade sie ist es nun, die den Fahrplan nicht rechtzeitig fahren kann. Allerdings wird auch der Ausbau der ÖBB-Strecke erst Ende 2021 fertiggestellt sein, die ÖBB müssen dafür die S-Bahn St.Margrethen–Bregenz anpassen.

Patrick Ruggli, Leiter Amt für öffentlichen Verkehr im Kanton St.Gallen.

Patrick Ruggli, Leiter Amt für öffentlichen Verkehr im Kanton St.Gallen.

Bild: PD

Die Ostschweizer Kantone wollen die S7 Romanshorn–Rorschach über St.Margrethen–Lindau Insel in der EC-Trasse durchbinden: Damit würden S7 und der EC zusammen einen Stundentakt bilden. «Mit der Idee sind wir auf gutem Weg», sagt Patrick Ruggli, Leiter Amt für öffentlichen Verkehr im Kanton St.Gallen. «Das wird aber wohl nicht vor 2023 möglich sein.» Das Fernziel auf Schweizer Seite bleiben stündliche EC-Verbindungen.

Schneller und öfter nach Zürich

Im nationalen Verkehr ist es der IC5, der neu ohne Halt zwischen Winterthur und St.Gallen verkehren wird – dank Neigezugtechnik ist eine Fahrzeit von 59 Minuten möglich, das sind drei Minuten weniger als bisher. Insgesamt gibt es inskünftig vier Verbindungen mehr pro Tag, was am Morgen und am Abend jeweils einen schnellen Halbstundentakt ergibt. Die schnellen Fernverkehrszüge von St.Gallen nach Zürich fahren neu ab St.Gallen zur Minute 58 (xx.58, bisher xx.25).

Der IC1, mehrheitlich mit 400 Meter langen Fernverkehrsdosto geführt, verkehrt neu in der Trasse des heutigen IC5: Er hält daher in Gossau, Flawil, Uzwil, Wil und Zürich Oerlikon. Die Direktverbindung mit dem IC1 von St.Gallen nach Bern dauert künftig 18 Minuten länger, für eine schnelle Direktverbindung St.Gallen–Bern (zwei Stunden) ist neu ein Umsteigen am gleichen Perron im Tiefenbahnhof Löwenstrasse nötig. Ab dem Fahrplanwechsel gibt es von Montag bis Freitag 24 statt wie bisher 14 schnelle Verbindungen nach Bern.

Mit dem Fahrplanwechsel tritt auch die Kooperation mit der Südostbahn (SOB) in Kraft. Die SOB fährt im Auftrag und unter der Fernverkehrskonzession der SBB stündlich alternierend von Basel und Zürich via Arth-Goldau über die Gotthard-Panoramastrecke nach Locarno. Für den «Treno Gottardo» werden die modernen kupferfarbenen Niederflurtriebzüge vom Typ Traverso eingesetzt. Aufgrund der Auswirkungen der Coronapandemie erfolgt die vollständige Umsetzung bis Locarno erst ab 5. April 2021. Bis dahin verkehrt die SOB zwischen Basel/Zürich und Bellinzona.

Die übrigen Änderungen im Überblick

Zürich-Sargans-Chur

  • Auf dem IC3 wird das tägliche Angebot zwischen Zürich und Chur am Abend in beide Richtungen um eine Stunde ausgedehnt.
  • An den Wochenenden im Winter werden für die Anfahrt am Samstagmorgen zwei zusätzliche IC-Züge von Zürich nach Chur und am Sonntagabend für den Rückreiseverkehr zwei zusätzliche IC-Züge von Chur nach Zürich fahren. Mit den Angeboten der Rhätischen Bahn und von Postauto ergeben sich somit mehr Verbindungen in die Bündner Ferienregionen. 

RegioExpress Herisau–St.Gallen–Konstanz

  • Das Angebot zwischen St.Gallen und Konstanz wird am Abend um je einen Kurs pro Richtung ausgebaut.

S1 Wil–St.Gallen

  • Die S1 hält neu am Bahnhof St.Gallen Bruggen. Damit verbessert sich die Anbindung ins Fürstenland, nach St.Gallen sowie Richtung St.Fiden–Wittenbach–Romanshorn. Mit der S1 erhält der Bahnhof St.Gallen Bruggen einen durchgehenden Halbstundentakt.

S15 Frauenfeld–Wil

  • Das Angebot wird um einen Spätkurs pro Richtung ausgebaut.
Die Südostbahn fährt mit dem «Traverso» (hier in St.Gallen) neu über die Panorama-Gotthardstrecke.

Die Südostbahn fährt mit dem «Traverso» (hier in St.Gallen) neu über die Panorama-Gotthardstrecke.

Bild: Ralph Ribi