Besorgnis wegen Pflegestress in den Heimen

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Gesundheit Der Schweizer Berufsverband der Pflegefachpersonen (SBK) ist besorgt über den Abbau diplomierter Pflegepersonals in Alters- und Pflegeheimen. Der Verband will in den Kantonen St. Gallen und Thurgau Verbesserungen fordern. «In jedem fünften Heim herrscht Pflegestress», hatte die Sonntagszeitung berichtet. Vielerorts seien diplomierte und zertifizierte Pflegende durch Hilfskräfte ersetzt worden. Die Qualität der Pflege habe bei rund 300 von 1500 Alters- und Pflegeheimen abgenommen.

Diese Entwicklung sei besorgniserregend, schreibt der Berufsverband, Sektion St. Gallen, Thurgau und beide Appenzell, gestern in einer Stellungnahme. Man habe im Kanton St. Gallen bereits in der Vernehmlassung zu den Mindestanforderungen in Alters- und Pflegeheimen vor einem Qualitätsabbau gewarnt. Die Regierung habe stets versichert, die Leistungserbringer seien bestrebt, mehr als das Minimum an Diplompflegepersonal einzusetzen. «Dass ein Abbau statt dem versprochenen Ausbau an diplomiertem Pflegefachpersonal stattgefunden hat, ist betrüblich», so der Verband. Die Politik proklamiere heute klar ambulant vor stationär. Das bedeute, dass nur noch Menschen mit mittlerem bis hohem Pflegebedarf in Pflegeheime einträten, schreibt der Verband. Komplexe Pflegefälle bräuchten aber entsprechend qualifiziertes Personal.

Verband fordert von Regierung Massnahmen

Im Kanton Thurgau habe die Regierung im Geriatriekonzept den Bettenbedarf festgehalten und einen Ausbau der ambulanten Pflegeversorgung unterstützt, hält die Ostschweizer Sektion der Pflegefachpersonen fest. Leider zähle der Thurgau aber auch Personal mit einer deutschen Ausbildung zum Diplompflegepersonal; dies sei nicht Schweizer Standard. Es brauche neue Pflegemodelle, räumt der Berufsverband ein, aber genauso gute Arbeitszeitmodelle, um die Pflegefachpersonen in den Heimen halten zu können. «Die Berufsverweildauer ist viel zu kurz, und volkswirtschaftlich gesehen dürfen wir es uns nicht leisten, so viele gutqualifizierte Personen zu verlieren.» Dafür brauche es gute Rahmenbedingungen, wie die eidgenössische Volksinitiative für eine starke Pflege sie fordere. Die Ostschweizer Sektion des Verbands will jetzt die St. Galler und Thurgauer Regierung kontaktieren und konkrete Verbesserungen einfordern. (sda)