BESCHWERDE
Schweizer Presserat weist Beschwerde gegen «Thurgauer Zeitung» ab

Ein Anwalt wirft der Zeitung mehrere Verstösse vor. Die unabhängige Instanz folgt aber in allen Punkten der Chefredaktion.

David Angst
Drucken
Teilen
Bezirksgericht Arbon.

Bezirksgericht Arbon.

Reto Martin

Der Presserat hat diese Woche eine Beschwerde gegen die «Thurgauer Zeitung» abgewiesen. Am 18. März 2021 erschien dort und auf www.tagblatt.ch ein Artikel über eine Verhandlung am Bezirksgericht Arbon. Es ging um eine Anklage wegen sexuellen Missbrauchs einer Minderjährigen. Der Angeklagte wurde freigesprochen. In der Folge erhob dessen Anwalt beim Presserat Beschwerde. Er machte geltend, sein Mandant sei ungenügend anonymisiert worden. Im Artikel war aber nur von einem «Thurgauer Kanuklub» die Rede. Der Presserat folgte der Argumentation der Chefredaktion, dass dadurch die Anonymität des Angeklagten als Person noch nicht verletzt worden sei.

Ausserdem sah der Anwalt das Unschuldsprinzip verletzt. Der Richter hatte jedoch in seiner Begründung selbst Zweifel an der Unschuld geäussert, aber «in dubio pro reo» entschieden. Dass die Berichterstatterin dies zitiert habe, sei legitim gewesen, befand der Presserat.

Und drittens sah der Verteidiger das Fairnessprinzip verletzt, weil im Bericht wesentliche Argumente aus seinem Plädoyer weggelassen worden seien. Auch in diesem Punkt kam der Presserat zu einem anderen Schluss. Die Journalistin habe alle wesentlichen Argumente, die zur Entlastung des Angeklagten geführt hatten, erwähnt. Alles, was sie weggelassen habe, liege im journalistischen Ermessen. Die Beschwerde ist also in allen Punkten abgewiesen worden.

Aktuelle Nachrichten