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Beschuldigter vor dem Bezirksgericht Frauenfeld: «Ich will nichts sagen, ich habe jetzt Stress.»

Zwei Flüchtlinge aus Eritrea sollen eine 44-jährige Frauenfelderin insgesamt sechsmal vergewaltigt haben. Vor Gericht streiten sie die Tat ab. Ihnen drohen Freiheitsstrafen und Landesverweise.
Ida Sandl
Verhandlung am Bezirksgericht Frauenfeld. (Archivbild: Reto Martin)

Verhandlung am Bezirksgericht Frauenfeld. (Archivbild: Reto Martin)

Der eine gähnt laut, der andere wippt mit dem Stuhl. Von Reue ist nichts zu spüren bei den beiden Männern, die am Montag vor dem Bezirksgericht Frauenfeld gestanden sind. 23 und 19 Jahre alt sind die Eritreer, anerkannte Flüchtlinge, seit fünf und vier Jahren in der Schweiz. Das könnte sich bald ändern, denn die Staatsanwältin beantragt Landesverweise. Das Maximum, also 15 Jahre für den Älteren, 12 Jahre für den Jüngeren.

Eine lange Liste an Straftaten

Es sind harte Strafen, dazu gehört aber auch eine lange Liste an Straftaten. Am schwersten wiegt die mehrfache Vergewaltigung. Anfang Mai 2018 sollen die Beschuldigten eine 44-Jährige aus Frauenfeld insgesamt sechsmal zum Sex gezwungen haben. Die Männer beteuern vor Gericht ihre Unschuld. Alles sei total freiwillig passiert. Der Ältere sagt:

«Es war freiwillig.
Sie wollte Sex,
sie hat sich
selber die Kleider ausgezogen.»

Was genau im Zimmer des Älteren an jenem Abend abgelaufen ist, wird wohl nie völlig geklärt werden. Fest steht gemäss Anklage, dass die Eritreer die Frau auf einer Parkbank in Frauenfeld angesprochen haben. Miteinander haben sie dann Alkohol getrunken und Cannabis geraucht. Vielleicht sei auch noch Kokain im Spiel gewesen, sagt die Staatsanwältin.

Dann folgte die Frau den Männern aufs Zimmer in einer Wohngemeinschaft. Ein schwerer Fehler, denn dort begann ihr Martyrium. Gegen ihren Willen hätten die zwei sie entkleidet, und sie dann abwechselnd vergewaltigt. Zuerst habe sie sich gewehrt, dann nur noch geweint. Nicht einmal auf die Toilette habe sie alleine gehen dürfen. Erst als sie vor Verzweiflung ins Bett gepinkelt habe, hätten die Männer von ihr gelassen.

Neue Version: Sex gegen Kokain

Während der Ermittlungen hätten die Beschuldigten immer wieder neue Versionen der Geschichte präsentiert, erklärt die Staatsanwältin. Einmal soll es ein Tauschgeschäft gewesen sein: Sex gegen Kokain. Dann will der Ältere erst später dazugekommen sein, oder gesehen haben, dass die Frau schon auf dem Weg zu seinem Zimmer mit dem Jüngeren Zärtlichkeiten ausgetauscht habe.

«Sie war glücklich an diesem Abend, sie hat mich angelächelt», sagt der Jüngere vor Gericht aus. Auch der Ältere betont seine Unschuld. Wenn ihm die Fragen der Richterin unangenehm sind, antwortet er: «Ich will nicht sprechen, ich habe jetzt Stress.»

Das Opfer wurde schon einmal vergewaltigt

Die Frau, um die es geht, ist ein gebranntes Kind. Sie hat als Jugendliche auf dem Drogenstrich angeschafft und wurde damals schon einmal vergewaltigt. Bei ihrer Befragung dürfen weder die Beschuldigten noch Journalisten anwesend sein. Ein kurzes, ungeplantes Zusammentreffen mit dem Älteren gibt es dann doch, als er auf die Toilette geführt wird und sie vor dem Gerichtssaal wartet. Es reicht, damit sie in Tränen ausbricht.

Dem Älteren wird zudem noch sexuelle Nötigung vorgeworfen. Er soll Mitte Dezember 2017 einen 18-Jährigen am Bahnhof in Weinfelden angesprochen und ihm eine Zigarette angeboten haben.

Unter dem Vorwand mehr Zigaretten zu holen, lief er mit dem Jungen Richtung Haffterpark, dort habe er ihn ins Gebüsch gedrückt, sich auf ihn gelegt und versucht, ihn zu vergewaltigen. Der junge Mann konnte sich befreien und kam völlig verstört und am ganzen Körper zitternd in seiner Wohngruppe an. Nachdem die Betreuerin erfahren hatte, was passiert war, erstattete sie Anzeige bei der Polizei.

Beschuldigte fallen negativ auf

Auch diese Straftat streitet der Ältere ab, obschon die Beweise erdrückend sind. Seine DNA wurde am Körper des jungen Mannes nachgewiesen. In der Haft gibt es immer wieder Probleme Seit einigen Monaten sitzen die Männer im vorzeitigen Strafvollzug.

Auch da fallen sie immer wieder negativ auf. Sie sind renitent, greifen Wärter an, schlagen Fenster ein oder zünden die Matratze an. Diese Taten geben die Beschuldigten auch zu. Ihr Standardsatz dazu lautet: «Ja, das war ein Fehler, Entschuldigung.» Die Staatsanwältin stellt den Männern keine gute Prognose aus:

«Seit sie in der Schweiz sind,
begehen sie ständig Straftaten,
sie haben keinen
Respekt vor den
Gesetzen hier.»

Sie hätten sich negativ entwickelt. «Sie sind rücksichtslos und wählen ihre Opfer eher zufällig aus.» Neben dem Landesverweis beantragt sie für den Älteren eine Freiheitsstrafe von drei Jahren und sechs Monaten und für den Jüngeren zwei Jahre und zwei Monate.

Der Prozess gegen die Eritreer wird am 22. Mai vor dem Bezirksgericht Frauenfeld fortgesetzt. Das Wort haben dann die Verteidiger, dazu wird die Vertreterin der Frau ihr Plädoyer halten. Am Freitag, 24. Mai, soll das Urteil verkündet werden.

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