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BESCHIMPFUNGEN: Böse Post statt Geld

Familie Koller aus Wolfhalden sammelt Spenden für eine künstliche Befruchtung. Der Erfolg hält sich bisher in Grenzen. Anstelle von Spendengeldern erhalten sie vor allem hasserfüllte Rückmeldungen.
Arcangelo Balsamo
«Wir hatten uns mehr erhofft», sagt Familie Koller. (Bild: Urs Bucher)

«Wir hatten uns mehr erhofft», sagt Familie Koller. (Bild: Urs Bucher)

Wer in den vergangenen Tagen versuchte, Emil und Martina Koller telefonisch zu erreichen, biss auf Granit. Das Ehepaar hatte mit einem Spendenaufruf für eine künstliche Befruchtung landesweit Aufsehen erregt. Was folgte, waren zahlreiche Beschimpfungen via Telefon. Deshalb hatten sie beschlossen, ihren Festnetzanschluss auszuschalten. Besonders am Freitag sei es schlimm gewesen, sagt Martina Koller. «Es war eine Katastrophe. Von morgens um sieben bis abends um neun Uhr klingelte das Telefon», so die 45-Jährige. «Als wir keine Lust mehr hatten, beschimpft zu werden, zogen wir den Stecker. Auch weil wir nicht wollten, dass unsere Tochter immer wieder durch den Lärm aufgeweckt wird.» Neben hasserfüllten Telefonaten erhielt das Ehepaar aus Wolfhalden auch zahlreiche Briefe, in denen sie teilweise grob beschimpft wurden. «Viele bezeichnen uns in den Briefen als Saupack und werfen uns vor, dass wir zu faul seien, um zu arbeiten», äussert sie sich zur bösen Post, die ausnahmslos ohne Absender verschickt wurde. Sie räumt ein, dass die Beschimpfungen nicht spurlos an ihrem Mann und ihr vorbeigegangen sind. «Schliesslich ist es nicht alltäglich, im Schnitt sieben bis acht solcher Schreiben pro Tag im Briefkasten vorzufinden.» Schlaflose Nächte habe sie deshalb jedoch nicht gehabt, erklärt die Wolfhäldlerin.

Lediglich ein Brief habe sie besonders getroffen: In diesem wurde dem Paar vorgeworfen, dass es sich nicht gut um ihre Tochter kümmern würde und diese nicht genügend Liebe erhalte. Der Verfasser ging gar so weit, dass er dem Paar mit dem Jugendamt drohte. «Das Schreiben machte mich wütend», sagt die Mutter. «Diese Person kann so etwas von aussen gar nicht beurteilen. Die Leute, die uns kennen, wissen, dass wir gut für Alina sorgen.»

Geld kommt vor allem aus der Romandie

Es gab aber auch positive Rückmeldungen. «Zuspruch erhielten wir sowohl mündlich als auch per Post. Dabei gaben sich die Absender mehrheitlich zu erkennen», sagt Martina Koller. Ausserdem hätten ihnen weitere Personen zu ihrem Mut gratuliert und angefügt, dass sie sich so eine Aktion selber nicht getraut hätten. Schöne Worte und Gratulationen seien zwar gut für die Moral und die Psyche, doch sie brächten das Ehepaar beim Erreichen seines Ziels nicht weiter, so Martina Koller.

«Bisher sind 550 Franken – und 5 Rappen aus einem Hassbrief zusammengekommen», gibt die 45-Jährige Auskunft. Erst gestern hätten sie einen Brief mit hundert Franken erhalten. Der Absender stammte aus der Romandie. «Es ist nicht die einzige Person aus dem Welschland, die uns Geld geschickt hat. Anscheinend kommt die Aktion auf der westlichen Seite des Röstigrabens besser an», sagt Martina Koller. Weitere Spendengelder seien zwar zugesagt worden, erhalten hätten sie davon bisher aber nichts. «Ob wir die versprochenen Spenden noch erhalten, wissen wir nicht. Aber wir hoffen es natürlich. Zwingen, uns Geld zu schicken, können wir ohnehin niemanden.» Das Paar gibt zu, sich mehr erhofft zu haben. «Mit vier- bis fünftausend Franken hatten wir schon gerechnet», sagt Martina Koller. Dennoch wolle das Paar seine Aktion noch nicht aufgeben. «Wir haben weitere hundert Briefumschläge vorbereitet, die wir in den nächsten Tagen verteilen werden. Ob wir danach weitermachen, hängt von den Reaktionen ab. Wenn es weiter kaum Geld und nur böse Post gibt, werden wir den Spendenaufruf beenden.»

Sollte es dazu kommen, würden sie die bisherigen Spender, die sie namentlich kennen, kontaktieren und ihnen anbieten, das Geld zurückzuerstatten. «Es sei denn, sie finden, es solle Alina zugute kommen. Dann behalten wir es natürlich gerne», sagt Martina Koller.

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