BESCHATTUNG: Sozialdetektive im Einsatz

Thurgauer Gemeinden setzen professionelle Beobachter ein, um Sozialhilfebetrügern auf die Schliche zu kommen. Doch damit alleine ist es oft nicht getan.

Anna Miller
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«Schau genau!» ist die Devise von Sozialämtern, die auch Sozialdetektive einsetzen. (Bild: Fotolia)

«Schau genau!» ist die Devise von Sozialämtern, die auch Sozialdetektive einsetzen. (Bild: Fotolia)

Anna Miller

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@thurgauerzeitung.ch

Da steht er, vor dem Haus eines Freundes, und lädt Schachteln in den Lieferwagen. Die Umzugsszene, beobachtet von einem Sozialdetektiv, eingesetzt von einem Sozialamt. Er prüft: Liegt Sozialhilfebetrug vor? Ist dieser Mann, der da Kisten schleppt, also arbeitsfähig? Nimmt er für seine Dienste Geld? Oder hilft er nur einem Freund, ohne Gegenleistungen? Die Frage, ob ein Sozialhilfeempfänger auch ein Sozialhilfebetrüger ist, ist keine einfache. Die Thurgauer Gemeinden benutzen verschiedene Taktiken, um ihre Klienten zu überprüfen: Steuerauszüge, Befragungen – und vermehrt auch den Einsatz von Sozialdetektiven.

In Frauenfeld beispielsweise werden Detektive seit rund zehn Jahren eingesetzt, bei Bedarf. Man komme so auf rund zwei Einsätze pro Jahr, sagt Turi Schallenberg vom städtischen Amt für Soziale Dienste. «Von wochenlanger Beschattung bis kurzen Einsätzen ist alles dabei.» Man ziehe grundsätzlich eine positive Bilanz. «Wir konnten durch den Einsatz von Sozialdetektiven bereits Klienten überführen», sagt er. Aber auch das Umgekehrte sei nützlich: einen Verdächtigen entlasten zu können.

Die Zahl der Überführten ist zwar im niedrigen einstelligen Bereich und könnte vernachlässigt werden. Aber ein weiterer, positiver Effekt eines Detektiveinsatzes ist seine abschreckende Wirkung: «Das ist Prävention. Man kann davon ausgehen, dass wir bei begründetem Verdacht einen Detektiv beauftragen. Das zeigt der Bevölkerung auch, dass wir ihre Sorgen ernst nehmen», sagt Schallenberg.

Kosten von bis zu 10000 Franken

Ein Detektiv-Einsatz kostet je nach Fall zwischen 2000 und 10000 Franken. Die doch nicht ganz kleine Investitionssumme schreckt einige Gemeinden ab, bei kleineren Verdachtsfällen gleich auf einen Detektiv zu setzen. «Erfahrungsgemäss kann man mit den bereits vorhandenen Mitteln und genauem Zuhören schon ziemlich viel erreichen», sagt Lukas Feierabend vom Sozialamt Arbon. Die Gemeinde hat seit längerem keine Detektive mehr eingesetzt. Die Zahl der Verdachtsfälle in Arbon sei seit Jahren konstant. Man habe eine Hand voll Missbräuche pro Jahr. Diese liessen sich mit konsequenter Unterlagenprüfung von Kontoauszügen, mit der Abklärung der Wohnsituation, der Zuweisung in Integrationsprogramme zur Verhinderung von Schwarzarbeit und einer insgesamt engen Begleitung in der Regel aufdecken, sagt Feierabend.

In Kreuzlingen sind die Erfahrungen mit Sozialdetektiven gemischt: «Bis anhin ist der Einsatz von Detektiven kein Erfolg», sagt Mirco Bassetto vom Sozialamt. «In einem Fall kamen wir weiter, in einem anderen nicht.» Man habe Ausgaben gehabt, aber keine verwertbaren Resultate – auch, weil nicht alle Informationen vor Gericht als Beweise gelten, wie auch Tamara Sulzberger vom Sozialamt Amriswil sagt.

Reines Beobachten ist noch lange kein Beweismittel, um jemanden des Betrugs überführen zu können. «Können wir nichts nachweisen, können wir auch keine Konsequenzen ziehen», sagt Sulzberger. Detektive könnten aber nützlich sein, wenn man an seine Grenzen stosse. Wie Kreuzlingen setzt auch Amriswil die Detektive gezielt und nur sporadisch ein – dies aber mit Erfolg. «Was wir herausfinden wollten, das lieferten uns die Detektive auch», sagt Sulzberger. In den letzten zwei Jahren habe man sich zwei bis drei Fälle mit Detektiv-Hilfe genauer angeschaut. «Wir würden es wieder tun.»

In Weinfelden setzt man noch auf persönlichen Kontakt: «Das Gebiet ist überschaubar, wir laufen einander fast täglich über den Weg», sagt Jürg Bruggmann vom Sozialamt Weinfelden. Ersetzt die soziale Kontrolle die Detektivarbeit? «Wir hatten in den letzten Jahren vielleicht einfach Glück.» In Weinfelden sei die Sozialhilfequote nicht so hoch wie in anderen Gemeinden. «Aber das kann sich morgen schon ändern. Und dann sind wir bereit.»