BERUFUNG: 16 Jahre Haft für den Moschee-Täter

Das Kantonsgericht St. Gallen hat den Moschee-Täter wegen Mordes verurteilt. Er habe besonders skrupellos gehandelt, begründet es den Schuldspruch. Die Sanktion der Vorinstanz senkte es aber um zwei Jahre.

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Die Berufungsverhandlung am Kantonsgericht St. Gallen hatte am 31. Oktober unter grosser Medienpräsenz und Sicherheitsvorkehrungen der Polizei stattgefunden (Ausgabe vom 1. November). Am Donnerstag wurde nun das Urteil veröffentlicht. Die Strafkammer des Kantonsgerichtes hat den Entscheid der Vorinstanz im Schuldpunkt bestätigt. Wie das Kreisgericht St. Gallen ist es der Ansicht, dass das Verhalten des Beschuldigten den Tatbestand des Mordes und nicht nur der vorsätzlichen Tötung erfüllt. «Der Beschuldigte hat nach Auffassung des Gerichts besonders skrupellos gehandelt», heisst es in einer Medienmitteilung. Daran ändere bei einer Gesamtwürdigung aller Umstände nichts, dass das Opfer im Jahr 1997 den Bruder des Beschuldigten in Notwehr getötet und dabei auch den Beschuldigten selbst verletzt habe. «Dieser besondere Umstand ist allerdings bei der Dauer der Freiheitsstrafe leicht strafmindernd zu berücksichtigen.»

Mit Blick auf die Rechtsprechung in anderen Fällen sei eine Freiheitsstrafe von 16 Jahren angemessen. Weiter hat der Beschuldige der Ehefrau und den Kindern des Opfers Schadenersatz und Genugtuung in der Höhe von 278000 Franken und dem Staat Verfahrenskosten im Betrag von rund 75000 Franken zu bezahlen. Der Entscheid ist noch nicht rechtskräftig. Die ausführliche Begründung erfolge zu einem späteren Zeitpunkt, schreibt das Kantonsgericht. Weitere Auskünfte würden derzeit nicht erteilt.

Sieben Schüsse in den Rücken

Der Beschuldigte hatte am 22. August 2014 in einer Moschee im Westen St. Gallens siebenmal von hinten auf das am Boden betende Opfer geschossen. Das Kreisgericht war davon ausgegangen, dass Blutrache das Motiv gewesen sei. Es verurteilte den Beschuldigten deshalb mit Entscheid vom 26. Mai 2016 wegen Mordes, Gefährdung des Lebens sowie mehrfachen Vergehens gegen das Waffengesetz zu einer Freiheitsstrafe von 18 Jahren.

Gegen diesen Entscheid erhob der Beschuldigte Berufung. Er beantragte einen Schuldspruch wegen vorsätzlicher Tötung anstatt wegen Mordes sowie eine Reduktion der Freiheitsstrafe auf 10 Jahre. Die Staatsanwaltschaft verlangte mit Anschlussberufung die Erhöhung der Sanktion auf 20 Jahre. Der Verteidiger hatte an der Berufungsverhandlung vom Dienstag erneut ein zweites psychiatrisches Gutachten verlangt. Beim Beschuldigten handle es sich um einen Mann mit eingeschränkter Intelligenz. Es müsse zwingend mit einem neuen Gutachten geklärt werden, ob eine verminderte Zurechnungs- und Schuldfähigkeit vorliege, hatte er seinen Antrag begründet.

Das Kantonsgericht St. Gallen ging auf das Begehren nicht ein. Bereits im Vorfeld der Berufungsverhandlung hatte es das Einholen eines zweiten Gutachtens mangels Relevanz abgewiesen.

Claudia Schmid

ostschweiz@tagblatt.ch