Berufsschulen werden neu geordnet

Der Kanton St. Gallen reorganisiert seine Berufsfachschulen – einerseits wegen der neuen KV-Grundausbildung, andererseits aufgrund der Sparvorgaben des Kantonsrats. Die Klassenaufhebungen, Konzentrationen und Verlegungen verärgern vor allem die Sarganserländer.

Sarah Schmalz
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Das Amt für Berufsbildung des Kantons St. Gallen plant umfassende Änderungen bei der Zuweisung von Berufen an die zehn kantonalen Berufsfachschulen. Nötig wurden die Massnahmen durch die Revision der kaufmännischen Grundbildung, die auf Beginn des Jahres in Kraft getreten ist. Diese verlangt von den Kantonen die Bildung von KV-Kompetenzzentren mit allen drei KV-Profilen und rund fünf Klassen pro Jahrgang.

Im Kanton St. Gallen werden solche Zentren an den Standorten St. Gallen (KBZS), Altstätten (BZR), Buchs (BZB), Rapperswil (BWZR) und Wil (BWZ) eingeführt. Aufgegeben werden die KV-Standorte Rorschach (BZR), Walenstadt (BZSL), Lichtensteig (BWZT) und Uzwil (BZU). «Diese Revision macht Sinn», ist Ruedi Giezendanner, Leiter des Amtes für Berufsbildung, überzeugt. So werde in Zukunft garantiert, dass KV-Schüler auch bei einem Wechsel in ein anderes Profil auf der gleichen Berufsschule bleiben könnten.

Auch Marco Frauchiger, Rektor des Berufsbildungszentrums Flawil-Uzwil (BZU), begrüsst die Änderungen: «Durch die Kompetenzenbündelung wird die Qualität der KV-Schulen steigen.»

Den Sparauftrag erfüllt

Eine weitere Massnahme trifft die Lehrberufe, welche in den letzten Jahren einen demographischen Rückgang zu verzeichnen hatten: Automobilberufe, Ingenieurbau, Zeichner, medizinische Praxisassistentin, Elektroinstallateur und Coiffeuse. Auch soll das Hauswirtschaftslehrjahr in die übrigen Brückenangebote (10. Schuljahr) integriert werden.

Sieben Klassen will das Amt für Berufsbildung wegrationalisieren und dadurch jährlich 700 000 Franken Lohnkosten einsparen. «Wir haben vom Kantonsrat einen Sparauftrag erhalten», sagt Ruedi Giezendanner. Und spricht damit die im Rahmen des Sparpaketes 2 vom Parlament abgesegnete Konzentration der Schulorte an. Dennoch will Giezendanner die Zusammenlegung in erster Linie als Optimierungsmassnahme verstanden wissen: «Bei den betroffenen Berufen gab es immer wieder <Wackelklassen>, das hat eine grosse Planungsunsicherheit bewirkt», sagt er. Die Regierung habe dem Parlament deshalb bereits im Jahr 2009 einen Bericht zur strategischen Investitionsplanung für st. gallische Bildungseinrichtungen vorgelegt. Mit den später getroffenen Sparmassnahmen habe dieser nichts zu tun gehabt.

Entrüstung im Sarganserland

Von den Umstrukturierungen am meisten betroffen ist das Berufs- und Weiterbildungszentrum Sarganserland (BZSL), mit Standorten in Walenstadt und Sargans. War vom Kanton noch im vergangenen Mai die Verlegung des KV-Standortes Walenstadt nach Sargans verlangt worden, sieht mit dem neuen KV-Kompetenzzentrum in Buchs nun alles ganz anders aus. «Der Standort Sargans wird gerade ausgebaut», sagt Franz Anrig, Rektor des BZSL. «Und zwar in erster Linie, um die Aufnahme der KV-Schüler aus Walenstadt zu ermöglichen.»

Neben dem Verlust der KV-Schüler schmerzt das BZSL die Integration seiner Brückenangebote ins BZ Buchs. Als «Ersatz» erhält man von dort die Coiffeusen. «Einzelne Massnahmen sind für uns ja nachvollziehbar», sagt Anrig. Doch alles zusammen ist schon sehr happig.» Am BZSL sind laut Anrig vierzig Prozent aller Lehrer von den Änderungen betroffen. Entsprechend gross sei bei diesen das Unverständnis.

Das BZSL prüft deshalb, gemeinsam mit den Präsidenten und Rektoren des Berufsbildungszentrums Buchs, das Schreiben einer Stellungnahme. Bereits heute wandten sich einige Sarganser Kantonsräte mit einer Interpellation an die Regierung. Die erste Frage der Interpellation ist wohl die entscheidende: «Was hat die Regierung dazu bewogen, die gemachten Zusagen nach nur vier Monaten wieder zu revidieren?» – Die Antwort ist noch ausstehend.

Definitiv wird über die Massnahmen im Dezember entschieden, nach einer Anhörung der Berufsverbände.