Berufsfachschulen
Regierung schiebt Umzug der Gesundheitsberufe nach Rorschach auf +++ Bildungsdirektor Kölliker weist Kritik der St.Galler Stadtpräsidentin zurück

Die St.Galler Regierung geht noch einmal über die Bücher und legt dem Parlament einen Bericht vor. Bildungsdirektor Stefan Kölliker bestreitet, dass eine Verlegung der Gesundheitsberufe die Hauptstadt schwächen würde.

Janina Gehrig
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Ob das Kompetenzzentrum für Gesundheitsberufe in der Stadt St.Gallen bleibt oder nach Rorschach verlegt wird, steht noch in den Sternen.

Ob das Kompetenzzentrum für Gesundheitsberufe in der Stadt St.Gallen bleibt oder nach Rorschach verlegt wird, steht noch in den Sternen.

Bild: Arthur Gamsa

Das Berufs- und Weiterbildungszentrum für Gesundheits- und Sozialberufe (BZGS) zieht von St.Gallen nach Rorschach, die Schule an der Lindenstrasse im Osten der Stadt wird geschlossen. Dafür werden die Berufe, die heute am Berufs- und Weiterbildungszentrum in Rorschach (BZR) gelehrt werden, auf andere Standorte verteilt, womit jährlich zwei Millionen Mietkosten gespart werden können. Diese Pläne der St.Galler Regierung lösten im vergangenen Oktober unter Kantonsräten, Schulpräsidenten und Berufsschullehrern einen Aufschrei aus. Dabei wurden nicht nur die Umzugspläne, sondern auch die Kommunikationsweise der Regierung scharf kritisiert. Der Entscheid sei ohne die relevanten Bildungspartner getroffen worden, hiess es. Grundlegende Informationen hätten gefehlt, der Schritt habe zu Unverständnis und grosser Verunsicherung geführt.

Die Fraktionen von CVP-EVP, SP und Grünen reichten in der Novembersession eine Motion ein. Darin forderten sie, massgebliche Standortentscheide im Bereich der Berufsbildung dürften erst dann getroffen werden, wenn ein Postulatsbericht mit einem Gesamtkonzept vorliege, das vom Kantonsrat diskutiert worden sei.

Nun hat die Regierung darauf reagiert. Sie schiebt «den Vollzug des geplanten Umzugs der Berufsfachschule für Gesundheitsberufe von St.Gallen nach Rorschach» auf, wie es in einer Mitteilung vom Donnerstag heisst. Gegen den Umzug des BZGS nach Rorschach und die Verlagerung der Berufe des BZR auf andere Schulstandorte habe sich Opposition aus der Region St.Gallen-Rorschach formiert. Die Regierung nehme den Vorstoss als regionalpolitisches Signal entgegen und trage ihm Rechnung.

Ziel bleibt, die Auslastung der Schulgebäude zu optimieren

Den Vorwurf, im Oktober einen «Schnellschuss» getätigt zu haben, weist Bildungschef Stefan Kölliker zurück.

«Die Argumente für den Umzug waren überzeugend. Wir gehen auf den Wunsch des Parlamentes aber ein, so schnell wie möglich einen Bericht über die Situation zu verfassen.»

Aufgrund der verkürzten Bearbeitungszeit hat die Regierung die Projektziele angepasst. Die ursprünglich geplanten Abklärungen könnten nicht mehr in der vorgesehenen Tiefe erfolgen.

«Der Fokus wird nun auf die regionalpolitische Standortfrage gelegt», sagt Kölliker. Ziel bleibe weiterhin, die Auslastung der Schulgebäude zu optimieren und wo möglich Mietkosten einzusparen. Der Umzug der Schule für Gesundheitsberufe von St.Gallen nach Rorschach werde nun als eine von mehreren Varianten geprüft. «Wir stellen vorerst nur die konkrete Umsetzung des Entscheids zurück», sagt Kölliker.

Bereits im November hatte der Bildungschef das «Top-down-Vorgehen» der Regierung verteidigt. Die Lösung sei so überzeugend gewesen, dass sie von der Regierung direkt beschlossen worden sei. Im Kanton gebe es eine Berufsfachschule zu viel. «Wir würden wohl wieder so entscheiden», sagt Kölliker auch am Donnerstag. Ob die schnellere Ausarbeitung des Berichts zu einem besseren Resultat führen werde, «werden wir sehen».

Kein Kommentar zur Kritik der Stadtpräsidentin

Der Entscheid der Regierung war nicht nur vom Kantons-, sondern auch vom St.Galler Stadtrat heftig kritisiert worden. Der Kanton berücksichtige die strategische Rolle der Hauptstadt bei seinen Entscheiden zu wenig, hatte Stadtpräsidentin Maria Pappa gegenüber dieser Zeitung gesagt. Wenn der Kanton das BZGS nach Rorschach verlege, untergrabe er die Bemühungen, St.Gallen als Gesundheitscluster zu stärken. Zur generellen Kritik von Pappa an der Regierung möchte sich Kölliker nicht äussern. Zu ihrer Aussage, man hätte mit einem Gespräch im Vorfeld in der Stadt eine günstigere Lösung finden können, sagt er: «Ich verstehe diese Aussage nicht so ganz.» Und fragt zurück: «Will uns die Stadt denn gratis ein Gebäude zur Verfügung stellen?»

Die Regierung begrenze in dieser Frage die «Stadt St.Gallen» nicht nur auf das Stadtgebiet, sondern fokussiert auf den Grossraum St.Gallen. «Und dieser Grossraum würde durch eine Verlegung dieser Schule nicht geschwächt, sondern im Gegenteil gestärkt.»

Zuerst sollen nun im ganzen Kantonsgebiet Varianten für Kompetenzzentren in der Berufsbildung geprüft werden. Anschliessend ist eine Vernehmlassung, allenfalls mit Anhörungen, geplant. Der fertige Bericht wird dem Kantonsrat auf die Februarsession 2022 zugeleitet.