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Wechsel an der HSG-Spitze: Bernhard Ehrenzeller soll neuer Rektor werden

Anfang 2020 gibt HSG-Rektor Thomas Bieger sein Amt ab. Die Nachfolge soll laut gut unterrichteten Quellen der 65-jährige Staatsrechtsprofessor Bernhard Ehrenzeller antreten.
Adrian Vögele
Bernhard Ehrenzeller, Professor für Öffentliches Recht an der HSG. (Bild: Eveline Beerkircher)

Bernhard Ehrenzeller, Professor für Öffentliches Recht an der HSG. (Bild: Eveline Beerkircher)

Die Universität St.Gallen braucht einen neuen Rektor. Bereits im März – noch bevor die Hochschule wegen Nebenbeschäftigungen und überhöhter Spesen in die Schlagzeilen geriet – hatte Thomas Bieger angekündigt, sein Amt per Anfang Februar 2020 abzugeben. Nun dürfte sein Nachfolger feststehen: Laut gut unterrichteten Quellen hat der Senat den Staatsrechtsprofessor Bernhard Ehrenzeller Anfang dieser Woche mit grosser Mehrheit zum Nachfolger bestimmt. Auch das Studentenmagazin Prisma berichtete am Mittwochnachmittag über die Wahl.

Die Kommunikationsstelle der Universität äussert sich auf Anfrage nicht zu dieser Personalie. Nach dem Antrag des Senats stehe die Wahl des Rektors oder der Rektorin durch den Universitätsrat, das staatlichen Aufsichtsgremium der HSG, bevor. Dann schliesslich müsse die St.Galler Regierung den neuen Rektor oder die neue Rektorin noch bestätigen. «Wir gehen derzeit davon aus, dass dieser Prozess bis Anfang Februar 2019 abgeschlossen sein wird», schreibt Kommunikationschef Marius Hasenböhler. Erst dann könne man zu Thomas Biegers Nachfolge Näheres sagen. Gemäss Insidern wäre es jedoch eine grosse Überraschung, wenn der Universitätsrat und die St. Galler Regierung den Vorschlag des Senats nicht akzeptieren würden.

Amtsantritt mit 66 Jahren?

Dem Vernehmen nach verlief die Kandidatensuche harzig. Mehrere Bewerber sprangen während des Auswahlprozesses ab. Ob die neue Regelung, wonach Rektorinnen und Rektoren der HSG künftig auf Nebentätigkeiten verzichten müssen, einen Einfluss hatte, ist offen – die Uni äussert sich nicht zu entsprechenden Fragen. Dass Bernhard Ehrenzeller sich zur Verfügung stellt, deutet aber ebenfalls auf einen schwierigen Prozess hin: Ehrenzeller gehörte nämlich selber zur Findungskommission, im Oktober trat er in den Ausstand. Ausserdem ist er 65-jährig, beim Amtsantritt wäre er bereits 66 Jahre alt. Allzu lange bliebe er damit nicht in der neuen Funktion, denn für Rektorinnen und Rektoren gilt an der Universität die Alterslimite 70, genauso wie für Dozenten und Mitglieder des Universitätsrats.

Zwar waren für HSG-Rektoren bislang eher kurze Amtszeiten von vier bis sechs Jahren die Regel. Das ändere sich aber zunehmend, hatte die HSG im Frühling festgestellt: die Anforderungen an das Amt seien gestiegen. Thomas Bieger ist seit 2011 Rektor. Dass er noch bis Anfang 2020 bleibt, begründete er damit, dass er die aktuellen Grossprojekte – etwa die Campus-Erweiterung und die Einführung des Medical Master – noch begleiten wolle.

Beliebter Professor und gefragter Experte

Ehrenzeller gilt in der Studentenschaft als beliebt und ist in der Öffentlichkeit als profilierter Experte für staatspolitische Themen bekannt. Jüngst äusserte er sich zum Beispiel kritisch zum Verhüllungsverbot im Kanton St.Gallen und zur Selbstbestimmungs-Initiative der SVP. Ehrenzeller stammt aus dem Kanton Solothurn und war nach dem Jus-Studium unter anderem als persönlicher Mitarbeiter von Bundesrat Arnold Koller tätig, bevor er 1997 als ordentlicher Professor für Staats‐ und Verwaltungsrecht an die Universität St.Gallen wechselte. Ein Jahr später wurde er Direktor des HSG-Instituts für Rechtswissenschaft und Rechtspraxis.

Prorektor vor der Ära Bieger

Für Ehrenzeller ist die Führungsetage der HSG kein Neuland: Von 2003 bis 2011 – in der Rektorats-Ära vor Thomas Bieger – war er Prorektor für Forschung. In dieser Position erlebte er auch die Turbulenzen um HSG-Wirtschaftsethiker Ulrich Thielemann und dessen Aussagen zum Schweizer Bankgeheimnis mit. Die Universitätsleitung rügte Thielemann und musste ihrerseits massiv Kritik einstecken. An einem öffentlichen Podium im April 2009 äusserte sich Ehrenzeller als Vertreter der Universitätsleitung zum Thema: Zwar könne jeder Dozent selber entscheiden, wo und wann er als Experte auftrete. Doch man müsse die Wirkung eines Auftritts bedenken – hier habe Thielemann Augenmass vermissen lassen. Ehrenzeller sah sich damals auch mit grundsätzlichen Vorwürfen gegen die HSG konfrontiert: Die Universität sei zu sehr einem kleinen Teil der Wirtschaft verpflichtet, wurde bemängelt. Ehrenzeller zeigte sich offen gegenüber dieser Kritik und plädierte für eine integrierende Sicht auf die Wirtschaft.

Fachlich befasst sich Ehrenzeller unter anderem mit Verfassungsfragen in Bund und Kantonen – er ist Mitherausgeber des St.Galler Kommentars zur Bundesverfassung. Nebst seiner Professur an der HSG amtet Ehrenzeller als Richter am Staatsgerichtshof des Fürstentums Liechtenstein.

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