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Bericht zur St.Galler Medienlandschaft hat Lücken

Weil die Umbrüche in der St.Galler Medienlandschaft gross sind, hat die Regierung dazu einen wissenschaftlichen Bericht in Auftrag gegeben. Obwohl dieser fast 35000 Franken kostete, steht nicht viel Neues darin.
Sina Bühler
Die Zusammenführung von NZZ-Regionalmedien und AZ-Medien veranlasste die Regierung zu einer ­Analyse der St.Galler Medienlandschaft. (Bild: Keystone/Christian Beutler)

Die Zusammenführung von NZZ-Regionalmedien und AZ-Medien veranlasste die Regierung zu einer ­Analyse der St.Galler Medienlandschaft. (Bild: Keystone/Christian Beutler)

Als die AZ-Medien und die NZZ vor einem Jahr ankündigten, ihr regionales Mediengeschäft zusammenzuführen, zeigte sich die St. Galler Regierung «besorgt über diese weitere Konzentration der Medienlandschaft». Sie befürchte, «dass die regionalen Bedürfnisse durch die Zentralisierung nicht mehr genügend abgedeckt werden». Jüngst kündigte das aus der Fusion entstandene Unternehmen CH Media die Einsparung von 200 Vollzeitstellen an.

Die Regierung teilte vor einem Jahr mit, sie werde Massnahmen im Bereich der kantonalen Medien- und Kommunikationspolitik prüfen, um den ­regionalen Service public im Medienbereich sicherzustellen. Professor Otfried Jarren vom Institut für Medienforschung an der Uni Zürich erhielt den Auftrag für «eine Analyse der Mediensituation im Kanton St. Gallen» und darauf basierend «mögliche Handlungsoptionen zur Stärkung der Medienlandschaft». Zudem erwarte man Vorschläge, wie in der digitalisierten Medienlandschaft die Behördenkommunikation verbessert werden könnte. Das Papier ist fertig. Fast 35 000 Franken hat es gekostet.

Der Bericht wirft Fragen auf. Der Überblick zur Mediensituation basiert hauptsächlich auf den Auflagezahlen, welche die WEMF AG für Werbemedien­forschung jährlich publiziert. Die «Zürichsee-Zeitung» fehlt. Als das Institut den Bericht erstellte, hatte die St. Galler Lokalausgabe «Obersee» eine mehrköpfige ­Redaktion und eine Auflage von 5000 Exemplaren. Erst im Oktober fusionierte sie mit der «Gaster & See»-Ausgabe der «Südostschweiz» zur «Linth-Zeitung». Doch die Forschenden stützten sich auf das Regionalmedien­inventar des Bundesamtes für Kommunikation Bakom von 2014, in dem die Obersee-Aus­gabe bereits fehlte. Auch das Ostschweizer Magazin «Saiten» wird nicht aufgeführt. Die Online-Plattform dieostschweiz.ch, die im April 2018 startete, wird genannt, die Autoren beschränken sich aber auf eine Erwähnung der Ziele gemäss der Betreiber.

Ein Klick auf die Internetseite hätte genügt

Zuletzt fehlen die Auflagezahlen vieler Gratiszeitungen. Ein Klick auf deren Webseite hätte genügt, um von mehreren eine notariell beglaubigte Auflage herauszufinden. Die Frage an die Autoren, warum die «Zürichsee-Zeitung» fehlt, wird auch auf mehrmaliges Nachfragen ignoriert. Co-Autor Stephan Rösli schreibt: «Ein Teil der Problemanalyse stellt ein summarischer Überblick zur derzeitigen Mediensituation im Kanton St. Gallen dar, um aktuelle Entwicklungstendenzen und damit die Ausgangslage grob nachzuzeichnen. Analysen des Inhaltes ­von Zeitungen, Rundfunk­angeboten oder auch Platt­formen waren diesbezüglich zu keinem Zeitpunkt vorgesehen.»

Jarren und Rösli liessen auch die übrigen Fragen, etwa ob für die Handlungsvorschläge eine St.Galler Studie notwendig war, unbeantwortet. Denn dort, wo der Medienbericht etwas konkreter wird, sind die Ideen meist alt und minim auf kantonale Bedürfnisse angepasst. So schlagen die Autoren einen Leistungsauftrag an die Ostschweizer Redaktion der Nachrichtenagentur SDA vor. Weiter könnte man in eine digitale Medienplattform und die Aus- und Weiterbildung Medienschaffender investieren oder Journalismus über eine unabhängige Stiftung fördern. Massnahmen, die einem vier Jahre alten Positionspapier der Eidgenössischen Medienkommission EMEK entsprechen, deren Präsident Jarren ist. Die Vorschläge stehen – bis auf den der Stiftung – im Entwurf des neuen eidgenössischen elektronischen Mediengesetzes, das vom Bakom im Austausch mit Jarrens EMEK erstellt und im Juni publiziert wurde.

Behördenkommunikation in einem News Room

Die wichtigste Aufgabe der Medien, die Kontrolle des Staates als vierte Gewalt, ist im Bericht kein Thema. Drei Mal taucht das Wort «Kontrolle» auf – im Bezug darauf, wie der Staat seine Informationen kontrollieren kann. Der zweite Teil des Auftrags an die Forscher betraf die Behördenkommunikation. Ausführlich wird der mögliche Ausbau eines kantonalen Kommunikations- und Informationssystems geschildert. Überraschend ist auch daran wenig: So könnte die Behördenkommunikation in einem News Room konzentriert werden, bei einer Aufteilung der thematischen Zuständigkeit. Man könnte eine Medienbeobachtung einrichten, um Themen aufzugreifen, die der Bevölkerung unter den Nägeln brennen, und es brauche mehr zielgruppen­spezifische Kommunikation, etwa über Social Media.

Was macht der Kanton mit dem Bericht? Der Hauptfokus des Kantons sei auf der Frage gelegen, wie in der heutigen Medienlage die Behördenkommunikation verbessert werden könne: «Und da werden die Ergebnisse des Berichts in das Kommunikationskonzept der Regierung einfliessen», sagt Staatssekretär Canisius Braun. Was die indirekte Medienförderung angehe, so müssten die Massnahmen kantonsübergreifend angegangen werden. «Die Medienräume orientieren sich nicht an den ­Kantonsgrenzen.» Entsprechend seien die Ergebnisse von Jarrens Analyse in die kantonale Vernehmlassungsantwort zum zukünftigen Mediengesetz eingeflossen.

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