BERGWANDERN: Gefährlicher Frühling

Schnee, Wasser und Steinschlag sind nur einige der Tücken, die Wanderer im Frühjahr zu Vorsicht ermahnen.

Christina Klein
Drucken
Teilen

Am vergangenen Samstag ist eine Frau vom Kronberg nach Jakobsbad bei einer Wanderung tödlich verunfallt. Die 47-Jährige stürzte auf einem Schneefeld und rutschte 40 Meter tief in ein Bachbett. Die Frau wurde Opfer einer der nicht wenigen Gefahren, die Wanderungen derzeit bergen können. «Im Frühling gibt es vor allem drei Gefahren», sagt Markus Berger von Schweiz Tourismus und nennt Schnee­rutsche, Steinschlag und Wasser. Darauf solle man besonders Acht geben. Immerhin sei die Lawinengefahr im Frühjahr bereits deutlich kleiner. Eine grosse Gefahr stellt jedoch der Schnee dar: Beginnt er durch die Sonne zu schmelzen, kann er bis weit nach unten rutschen. So werden Wanderer, die sich im Trockenen sicher schätzen, oft in tiefen Lagen vom Schnee überrascht.

Die meisten Steinschläge gibt es im Frühling

Ausserdem gibt es im Frühling die meisten Steinschläge im Jahr. Diese werden meist durch die ­sogenannte Frostsprengung verursacht: Wasser dringt in die Spalten der Steine und gefriert bei tiefen Temperaturen. Da Eis mehr Volumen besitzt als Wasser, zerspringt der Stein. Im Frühling fallen diese Temperaturunterschiede oft stark aus.

Zudem gilt bei Gewässern erhöhte Vorsicht. Durch die Schnee­schmelze haben die Flüsse in Wandergebieten oft deutlich mehr Wasser als im restlichen Jahr. «Oft ist ein Fluss, der im Sommer überquerbar ist, im Frühling unmöglich zu passieren. Trotzdem unterschätzen dies ­viele Wanderer und versuchen es», sagt Berger. Dies könne zu ernsten Unfällen führen.

Die Gefahren könnten aber laut Berger problemlos umgangen werden. Vor einer Wanderung soll man sich vor Ort über den betreffenden Wanderweg informieren. Zudem ist das Unfall-Risiko geringer, wenn die markierten Wanderwege nicht verlassen werden. Gefährliche Wanderwege werden ohnehin gesperrt. «Wer jedoch auf Nummer sicher gehen will, kann sich bei frühjährlichen Wanderungen vorerst im Flachland aufhalten, wo man dem Schnee in der Regel nicht zu nah kommt», so Berger.

Gesteine werden immer instabiler

«Bei den Wanderunfällen ist ebenfalls die globale Erwärmung spürbar, wenn auch nur sehr langsam», sagt Berger. Viele Gesteine würden mit der Zeit leicht instabiler werden. Durch die leicht ­zunehmenden Temperaturen, die der Klimawandel verursacht, kommt es laut dem Bergexperten zu noch mehr Steinschlägen. Ausserdem verschiebt sich die Permafrostschicht der Berge ständig weiter nach oben. Das ist problematisch, da das Eis den Bergen Halt gibt. Schmilzt das «Ewige Eis», verlieren die Berge an Stabilität. Diese Effekte sind laut Berger aber erst im Sommer deutlich erkennbar, wenn die Temperaturen höher sind.

Christina Klein

christina.klein@tagblatt.ch