BERGRENNEN HEMBERG: «Der Unfall hat mich stärker gemacht»

Er gehört zu den Pionieren am Hemberg — Fredy Lienhard. Als Rennfahrer hatte er bereits im ersten Training einen schweren Unfall. Dennoch blieb er dem Bergrennen bis heute treu und freut sich darüber, dass eine neue Generation am Ruder ist.

Urs M. Hemm
Merken
Drucken
Teilen
Viel blieb an Fredy Lienhards Rennwagen nicht ganz. Er überlebte den Unfall an seinem ersten Rennen in Hemberg schwer verletzt. Zwei Wochen nach dem wilden Ausritt sass er bereits wieder am Steuer. (Bilder: PD)

Viel blieb an Fredy Lienhards Rennwagen nicht ganz. Er überlebte den Unfall an seinem ersten Rennen in Hemberg schwer verletzt. Zwei Wochen nach dem wilden Ausritt sass er bereits wieder am Steuer. (Bilder: PD)

Urs M. Hemm

urs.hemm

@toggenburgmedien.ch

«Es war im Oktober 1971, als ich zum ersten Mal am Bergrennen Hemberg antrat – es war kein gutes Début, erinnert sich Alfred «Fredy» Lienhard. Bereits im ersten Training hatte er einen schweren Unfall, der seine weitere Karriere als Rennfahrer beeinflussen sollte. Ein Jahr zuvor, 1970, musste Fredy nach dem plötzlichen Tod seines Vaters als erst 22-Jähriger die Firma Lista übernehmen, was zunächst eine Belastung war. «Zudem standen die Zwischenprüfungen an der Hochschule St. Gallen an, so dass ich unkonzentriert nach Hemberg kam», sagt Lienhard. Er habe die Strecke zu wenig studiert, wollte aber dennoch bereits im Training der Schnellste sein. Ein Fehler. «Ich habe die Kurve völlig unterschätzt und fuhr einfach geradeaus.» Das Schlimmste sei gewesen, dass ihm vollkommen bewusst war, was passieren würde. «Ich wusste, dass es schlimm kommen würde, hoffte aber gleichzeitig auf die Chance, zu überleben. Um meinen Fehler wieder gutmachen zu können.» Er überlebte – mit schweren Verletzungen. Diagnose: Wirbelsäulenfraktur – dritter bis fünfter Wirbel stark gestaucht. «Ich landete auf dem Kopf, so dass sogar der Helm zu Bruch ging. Der Überrollbügel war wirkungslos, weil er sich in den weichen Boden gegraben hatte.» Dennoch, so resümiert Fredy Lienhard, habe auch dieser Unfall etwas Gutes gehabt. Es sei sicher eine Zäsur in seinem Leben gewesen. Aber er habe überlebt und eine zweite Chance bekommen. «Zwei Wochen nach dem Unfall sass ich bereits wieder im Rennauto, denn was mich nicht umbringt, macht mich stärker, sagte ich mir.» 1975 musste Lienhard doch noch mit den Folgen des Unfalls hadern. Damals verpasste er den Schweizer-Meister-Titel am entscheidenden Rennen in Hemberg um gerade einmal zwei Zehntelssekunden. «Ich war durch die Erfahrung des Unfalls gehemmt und gab nicht Vollgas, wo ich es hätte tun sollen. Diese Zurückhaltung hat mich den Titel gekostet.» Immerhin wurde er noch Vize-Schweizer-Meister.

Auch heute noch ist Fredy Lienhard am Bergrennen Hemberg anzutreffen; nicht mehr als Fahrer, aber als Sponsor und Förderer von Nachwuchsfahrern. «Ich freue mich, dass eine neue Generation die Organisation des Bergrennens in die Hände genommen hat. Wichtig ist zudem, dass das Bergrennen in der Bevölkerung grossen Rückhalt geniesst.» In einen Rennwagen würde er sich zwar nicht mehr setzen, als Zuschauer geniesst er dennoch die Atmosphäre im Toggenburg — trotz des Unfalls.