Bergführer nach tödlichem Unfall vor Gericht

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Feldkirch Es ist der 16. Januar, als zwei Niederländer mit einem Tiroler Berg- und Skiführer in Zürs im Bereich der Gamsmulde im freien Gelände unterwegs sind. Um die Mittagszeit löst sich eine Lawine und begräbt einen der Niederländer. Der 33-Jährige wird rund eineinhalb Meter tief verschüttet und nach fünf bis zehn Minuten vom Guide ausgegraben. Doch für das Lawinen­opfer kommt jede Hilfe zu spät. Der Niederländer starb vermutlich an einem Genickbruch. Der zweite Gast hatte Glück. Bei ihm hat die Staatsanwaltschaft Anklage wegen Gefährdung der körperlichen Sicherheit erhoben, denn auch dieser Gast habe sich in grosser Gefahr befunden.

Wie kompliziert die Beurteilung einer Situation am Berg ist, machte in der Verhandlung vor Landesgericht in Feldkirch der erste Zeuge deutlich. Der 27-Jährige ist für die Lawinensprengungen zuständig. «Ob ein Hang befahren werden kann oder nicht, hängt von vielen Faktoren ab und muss jeden Tag, manchmal sogar mehrmals täglich neu beurteilt werden.» Der angeklagte Skiführer erklärt, dass er Abrisskanten von abgesprengtem Schnee gesehen habe und angenommen habe, dass der Hang sicher sei. Den Lawinenlage­bericht habe er gekannt, die Beurteilung vor Ort sei aber noch einmal anders. Zudem sei die Skiroute unterhalb des Unfallortes freigegeben gewesen. Für ihn damals ein Hinweis, dass keinerlei Gefahr drohe. Der Mann bekennt sich nicht schuldig. Im Gutachten spricht der Lawinenexperte hingegen von «hohem Risiko» und von einem «Tabu», in einen solchen Hang einzufahren. «Das einzig Richtige wäre gewesen, die Einfahrt zu unterlassen.» Er betont, dass er bei den bisherigen Einvernahmen die Stellungnahmen des Skiführers gehört habe, im Prozess aber Neues, zum Alten Widersprüchliches aufgetaucht sei. Diese neuen Angaben in Plänen und Unterlagen müsse er nochmals untersuchen und beurteilen. Deshalb wurde der Prozess vertagt. (ce)