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Bergbauer, Dorfchef und FDP-Nationalrat

Nachruf
Ruf nach Gleichstellung beim Frauenumzug in St. Gallen anlässlich des Equal Pay Day im März 2012. (Bild: Urs Bucher)

Ruf nach Gleichstellung beim Frauenumzug in St. Gallen anlässlich des Equal Pay Day im März 2012. (Bild: Urs Bucher)

Einen Tag nach seinem 91. Geburtstag, am 22. Februar, ist der bekannte Hemberger Bergbauer und ehemalige freisinnige Nationalrat Georg Nef verstorben. Als bodenständiger, volkstümlicher und humorvoller Mann widmete er einen Grossteil seiner aktiven Zeit der Öffentlichkeit.

Schon als 27-Jähriger war Georg Nef als Schulratspräsident gewählt worden. Gebot der Stunde war damals die notwendige Verschmelzung von katholischer und evangelischer Schulge­meinde. 34-jährig wurde er Ge­meinderat und mit 41 Jahren Ge­meindammann (heute Gemeindepräsident), ein Amt, das er während sechs vollen Amtsdauern ausübte. Hemberg ehrte ihn und seine Frau dafür mit dem Ehrenbürgerrecht.

Es folgte die Wahl in den St. Galler Kantonsrat, und 1970 wählten ihn die Synodalen in den evangelischen Kirchenrat des Kantons St. Gallen, in dem er während 16 Jahren als Finanzchef die Kosten im Griff hatte. Schollenverbunden wie Georg Nef war, betrieb er in all den Jahren seinen Bauernbetrieb in der Mistelegg mit angegliederter Bäckerei, Lädeli und der Wirtschaft Alpstöbli weiter. Zusammen mit seiner Frau Rösli, die ihm stets eine starke Stütze war, zogen sie sieben Kinder gross.

1971 kandidierte er für den Nationalrat. Da die St. Galler FDP ausnahmsweise mit einer Süd- und einer Nordliste antrat, gelang ihm auf der Südliste überraschend der Sprung in den Nationalrat. Die damals gemächliche Kommunikation sorgte dafür, dass er erst am andern Morgen beim Melken von seiner Wahl erfuhr.

Georg Nefs politisches Engagement galt hauptsächlich der Bergbevölkerung. Auch ökolo­gische Anliegen und der Landschaftsschutz beschäftigten ihn sehr. Oft beklagte er lautstark die fortschreitende Zersiedlung des Mittellandes, wenn er von der Session in Bern nach Hause kam. Er war ein vehementer Verfechter der CO2-freien, klimaneutralen Atomenergie. Legendär ist sein Ausspruch, dass man in seinem Garten ein Loch bohren und dort den Atommüll vergraben könne. Für ihn war Atomstrom sauber und sicher.

In der Phase des Kalten Krieges war er, der gerne militärische Hochgebirgskurse absolvierte, Befürworter einer starken Armee. In ein schweres Mediengewitter geriet Nef im Jahr 1980, als ein vertrauliches Papier über den Fall des Nachrichtenoffiziers ­Albert Bachmann dem «Blick» weitergegeben wurde.

Georg Nef nahm nie Mandate in Firmen oder Organisationen an, weil für ihn Unabhängigkeit das Wichtigste war. Er urteilte mit gesundem Menschenverstand und Augenmass und war nie um einen träfen Spruch ver­legen. Mit seiner herzlichen Art nahm er die Menschen für sich ein. Fragte ihn jemand überheblich nach seiner Bildung, so antwortete er verschmitzt, er habe die höheren Schulen besucht – auf dem Hemberg.

Als junger Parteisekretär war für mich Georg Nef nicht nur der Inbegriff eines originellen Politikers, sondern auch ein Aushängeschild der damaligen FDP, die als breite Volkspartei einem Bergbauern ebenso Chancen bot wie einem Direktor.

Johannes Rutz

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