Bewegung bei den Bergbahnen im oberen Toggenburg — Chäserugg und Gamplüt arbeiten künftig zusammen

Die Toggenburg Bergbahnen haben in Wildhaus eine Partnerin gefunden. Nicht die begehrte, eine kleinere: das Gamplüt-Gebiet. Ein Ende des Bergbahnenstreits ist weiterhin nicht in Sicht.

Regula Weik
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Restaurant auf dem Chäserrugg (Bild: Urs Bucher)

Restaurant auf dem Chäserrugg (Bild: Urs Bucher)

Im oberen Toggenburg gehen zwei Bergbahnunternehmen eine «umfassende Kooperation» ein. Wer sich nun verwundert die Augen reibt, tut dies vergeblich. Denn: Der Toggenburger Bergbahnenstreit ist nicht etwa beigelegt. Die Toggenburg Bergbahnen AG hat zwar eine Partnerin in Wildhaus gefunden – aber nicht die Bergbahnen Wildhaus AG. Sie hat sich vielmehr auf der gegenüberliegenden Talseite umgeschaut und geht nun mit der Gondelbahn Gamplüt eine Zusammenarbeit ein.

Die Gäste profitieren ab der kommenden Wintersaison 2019/2020 von der Kooperation. Sämtliche Abonnemente der Toggenburg Bergbahnen sind künftig auch für das Gamplüt-Gebiet gültig – und zwar winters wie sommers. So gelten im Sommer 2020 auch die 2- und 3-Tages-Wanderkarten auf der Anlage am Sonnenhang von Wildhaus. Das neue Angebot dürfte vor allem für Einheimische und Ferienhausbesitzer spannend sein.

Besitzer von Saisonkarten profitierten künftig von Angeboten «auf beiden Toggenburger Talseiten», sagt Alex Singenberger, zuständig für Marketing und Verkauf bei der Toggenburg Bergbahnen AG. Er spricht denn auch von «interessanten Zukunftsperspektiven», die sich mit der neuen Zusammenarbeit auftäten. Auf die Frage nach neuen, gemeinsamen Angeboten antwortet er: Es gebe einige Ideen, konkret dazu äussern könne und wolle er sich noch nicht.

Gamplüt ist im Sommer rasant unterwegs

Während schlitteln heute bereits auf Schafberg- wie auf Churfristenseite möglich ist, fährt Gamplüt im Sommer der neuen Partnerin um die Ohren: Die 6,5 Kilometer lange Strecke von der Berg- hinunter zur Talstation können unternehmungslustige Gäste auf Monsterbikes oder Trottinetts zurücklegen. Künftig, sagt Gamplüt-Besitzer Peter Koller, könnten die Gäste dann beide Gebiete «in vollen Zügen» geniessen. Koller hatte Bahn und Restaurant 1993 gekauft; der Betrieb war zuvor vier Jahre eingestellt gewesen.

Bergrestaurant Gamplüt am Fusse des Wildhauser Schafbergs (Bild: PD)

Bergrestaurant Gamplüt am Fusse des Wildhauser Schafbergs (Bild: PD)

Reaktion auf Fremdgehen der Wildhauser?

Vor wenigen Wochen hatten bereits die Wildhauser Bergbahnen die Flucht nach vorn ergriffen: Wer bei ihnen ein Saisonabonnement kauft, kann sich nächsten Winter damit frank und frei auch auf den Pisten des Skigebiets Grüsch-Danusa tummeln. Die beiden Familienskigebiete haben eine Zusammenarbeit beschlossen.

Singenbergers Antwort auf die Frage, ob ihre Kooperation mit Gamplüt eine Reaktion auf das Fremdgehen der Wildhauser ist, kommt postwendend: «Unsere Zusammenarbeit ist keine Reaktion auf irgendetwas.» Sie sei vielmehr ein klares Zeichen «der Verbundenheit der beiden Partner mit dem Toggenburg» und deren Absicht, «Wertschöpfung für das Tal zu generieren».

Drängendste Frage noch immer ungelöst

Bleibt die drängende, noch immer ungelöste Frage am Fusse der Churfristen: Werden sich die beiden grossen Bahnbetreiber, die Toggenburg Bergbahnen AG und die Bergbahnen Wildhaus AG, noch zusammenraufen? Mit dem Ende der Wintersaison war im Frühling nämlich auch Schluss mit dem gemeinsamen Ticket für das gesamte Skigebiet zwischen Wildhaus und Alt St. Johann.

«Unser Angebot liegt auf dem Tisch. Wir warten ab», sagt Singenberger. Er spricht damit das Aktientauschangebot der Toggenburg Bergbahnen AG an die Wildhauser an. Diese reden von «feindlicher Übernahme» und betonen: «Unser Vorschlag liegt auf dem Tisch.» Die Wildhauser schlagen ein duales Ticketsystem vor; künftig sollen nebst dem gemeinsamen regionalen Winterticket auch lokale Skipässe angeboten werden. Eine Einigung ist nicht in Sicht. Klarheit dürfte es dennoch im Herbst geben: Dann läuft das Aktientauschangebot aus.