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Interview

«Die Gäste finden den Streit idiotisch»: Toggenburger Tourismuschef kämpft für gemeinsames Ticket

Max Nadig, Präsident von Toggenburg Tourismus, über Käse, Schneelöcher und seine Idee, wie er das gemeinsame Ticket retten will.
Regula Weik und Christoph Zweili
Max Nadig, der Präsident von Toggenburg Tourismus, will sich noch diese Woche erneut mit den beiden Bergbahnen an einen Tisch setzen. (Bild: Ralph Ribi)

Max Nadig, der Präsident von Toggenburg Tourismus, will sich noch diese Woche erneut mit den beiden Bergbahnen an einen Tisch setzen. (Bild: Ralph Ribi)

Macht Ihnen Ihr Job noch Freude?

Max Nadig: Klar. Das Toggenburg liegt mit seinen Angeboten wie der Klangwelt und seinen Ressourcen wie der unverbauten Natur im Trend. Wir sind gut positioniert. Das macht Spass.

Die halbe Schweiz lacht über das Toggenburg wegen des Bergbahnenstreits. Das macht Spass?

Die Tourismusorganisationen von Inner- und Ausserrhoden haben noch immer keinen gemeinsamen Weg gefunden. Das interessiert den Touristen aus Zürich oder dem Ausland nicht, für ihn gibt es nur das Appenzellerland.

Das Toggenburg leidet also nicht unter dem Streit?

Er hatte bislang keine Konsequenzen für die Region. Die Gäste finden ihn zwar idiotisch, das Gebiet aber dennoch schön.

Bislang gab es auch ein gemeinsames Ticket.

Genau. Entscheidend ist, welches Angebot der Gast am Tag X, wenn die Wintersaison startet, hat. Dann entscheidet er, ob er wieder ins Toggenburg fährt oder dem Tal fernbleibt.

Ihre Prognose?

Wie sich die Situation auswirken wird, weiss niemand. In der Tendenz wird die Situation für beide Bahnen und damit für die Region sicher nicht besser.

Sie rechnen mit wirtschaftlichen Einbussen?

Ja.

Die ersten Hoteliers beklagen bereits Stornierungen.

Das ist so. Damit musste gerechnet werden. Ich kann es nicht ändern. Aber ich gebe auch nicht auf.

Sie wollen nochmals mit den Spitzen der beiden Bahnen an einen Tisch sitzen und sich für ein gemeinsames Ticket einsetzen?

Genau. Ich habe den Verantwortlichen beider Bahnen klar gesagt:

«Das, was sie tun, ist nicht für, sondern gegen den Gast.»

Für den Gast, der im Toggenburg übernachtet, ist es wichtig, dass er ein Billett hat und damit fahren kann, wo er will.

Und wie sieht Ihr Vorschlag konkret aus?

Es gibt mehrere Ideen. Eine davon ist: Toggenburg Tourismus kauft ein Kontingent von Tickets von beiden Bahnen und verknüpft diese zu einem gemeinsamen Ticket, das wir dem übernachtenden Gast oder auch Ferienhausbesitzern anbieten können.

Das wird Toggenburg Tourismus einiges kosten. Wie viel?

Die Bedürfnisse des Hotelgastes, des Skikursbesuchers und der Ferienhausbesitzer sind nicht dieselben. Bei einer Ticketlösung müssen alle berücksichtigt werden.

Nochmals: Wie viel Geld nimmt Ihre Organisation dafür in die Hand?

Wir werden die Preise verhandeln – bis es für uns stimmt. Notfalls bis zum letzten Tag vor dem Saisonstart.

Sie sind schon einmal mit einem Schlichtungsversuch zwischen den Bergbahnen gescheitert.

Das ist so. Das hindert mich aber nicht, einen neuen Versuch zu unternehmen. Als Tourismusorganisation muss man Rückschläge wegstecken und immer wieder neue Weg suchen. Ich gebe die Hoffnung nicht auf, dass sich die beiden Bergbahnen irgendwann wieder zusammenfinden.

Mit den Köpfen, die heute an der Spitze der Unternehmen sind?

Ich weiss nicht, ob es mit den jetzigen Köpfen klappt. Ich kann nur an die Vernunft der beiden Verwaltungsratsspitzen appellieren. Hier geht es um persönliche Befindlichkeiten, die auf das ganze Tal abfärben. Das geht nicht. Für den Tourismus im Toggenburg ist die aktuelle Situation furchtbar. Das Verrückte an der Geschichte ist: Beide Unternehmen sagen, dass es ein Ticket für das ganze Gebiet braucht.

Das müssen Sie erklären.

Die Toggenburg Bergbahnen wollen eine Übernahme, die Bergbahnen Wildhaus haben einen Vorschlag mit zwei lokalen und einem regionalen Ticket auf den Tisch gelegt.

Beim Ziel sind sich die beiden also einig, uneins sind sie sich einzig beim Weg dorthin?

Genau. Es gibt Stimmen im Tal, die den beide wünschen, dass sie den Streit in ihrer Kasse spüren. Ich hätte es lieber anders, denn dadurch geht Wirtschaftskraft fürs Tal verloren. Vielleicht wird aber irgendwann der wirtschaftliche Druck so gross, dass sich die beiden zusammenraufen müssen.

Sie plädieren für eine Fusion?

Ich kämpfe für ein gemeinsames Ticket, für die einzig gästefreundliche Lösung. Nur das interessiert mich.

Wie profitiert der Tagestourist von Ihrer Ticket-Idee?

Vorerst nicht. Als Übergangslösung streben wir ein Angebot für die übernachtenden Gäste an. Langfristig möchten wir auch ein gemeinsames Ticket für die Tagesgäste.

Ist ihnen der Tagesgast nichts wert?

Der übernachtende Gast bringt dem Tal mehr. Seine touristische Wertschöpfung ist viel höher als jene des Tagestouristen. Das belegen Studien und das trifft nicht nur fürs Toggenburg zu. Ein Hotelgast gibt täglich bis zu 150 Franken aus – ohne Übernachtungskosten.

Lohnt es sich überhaupt, sich für den Wintersport im Toggenburg derart einzusetzen? Das Tal liegt nicht allzu hoch, die Schneesicherheit ist keineswegs gegeben.

Da täuschen Sie sich. Das Toggenburg ist ein Schneeloch. Das ist nicht Wunschdenken, das bestätigen Messdaten. Wenn es hier keinen Schnee hat, haben viele andere Skigebiete auch keinen. Wann haben Sie in den letzen zehn Jahren im Toggenburg nicht Skifahren können? Nie.

Der Tourismus im Toggenburg ist heute stark vom Winter abhängig. Ist dies mit Blick auf den Klimawandel nicht riskant?

Die Leistungsträger sollten sich wappnen, ganz klar. Heute verdienen sie das Geld, um Investitionen tätigen und abschreiben zu können, im Winter. Ob dieser Modus in 10 oder 15 Jahren noch funktioniert, ist offen und fraglich.

Andere Gebiete haben längst in den Sommer investiert mit Seilparks oder Bikerstrecken. Hat das Toggenburg dies verschlafen?

Jein. Nehmen wir das Biken: Die Angebote boomen, viele Regionen suchen ihr Glück darin. Für uns ist dies kein Thema mehr, da der Markt gesättigt ist. Das Toggenburg hat grossartige Projekte realisiert, sei es der Baumwipfelpfad, sei es das Gipfelrestaurant auf dem Chäserrugg. Und: Das Klanghaus wird wieder einen Schub auslösen.

Wo sehen Sie künftiges Potenzial für das Toggenburg?

Wir arbeiten an einem Tourismusentwicklungskonzept. Es wird drei Schwerpunkte enthalten. Wir wollen im obersten Toggenburg das Thema Klang erweitern, im mittleren Toggenburg soll das Thema Kulinarik vertieft werden mit den Zentrum Lichtensteig und mit einer Käsestrasse und schliesslich sollen im Gebiet rund um den Baumwipfelpfad und das neue Resorthotel in Mogelsberg Angebote entstehen, die auf das Thema Holz ausgerichtet sind.

Apropos Hotel: Die Übernachtungssituation im Obertoggenburg ist eher desolat.

In der Hotellerie wurde jahrelang nicht mehr investiert. Das ist zutreffend. Das Hotel Hirschen und das Hotel Friedegg in Wildhaus aber zeigen: Wenn ein Hotelier investiert, hat er ein volles Haus. Ich hätte am liebsten noch ein weiteres Rekadorf.

Fände sich dafür eine Mehrheit? Die Wildhauser haben erst kürzlich ein Hotelprojekt verworfen.

Die Ablehnung des von ihnen angesprochenen Jufahotels ist bedauerlich. Das Projekt ging in Richtung Rekadorf. Solche Angebote fehlen. Nach der Abstimmung hörte ich von vielen Leuten: Für Reka hätten wir das Geld gesprochen.

Aber nicht für ausländische Betreiber und Investoren?

Genau. Und es ging den Einheimischen wohl einfach auch zu schnell. Das Projekt kam innert Rekordzeit zu Stande.

Zurück zum Ticket: Andere Regionen haben längst grossräumige Tarifverbunde. Weshalb spannt das Toggenburg nicht mit Pizol und Flumserberg zusammen?

Der betriebswirtschaftliche Druck dazu besteht nicht. Unseren Bergbahnen geht es aktuell gut. Sie stehen besser da, als viele andere Bergbahnunternehmen in der Schweiz.

Also rennen beide sehenden Auges ins Verderben?

Daran glauben beide nicht, auch wenn sie wissen, dass sie das Fehlen des gemeinsamen Tickets zu spüren bekommen könnten. Aber es hoffen wohl beide, dass es dem andern dann noch schlechter geht als ihm selbst.

Touristiker und Politiker

Er hat sich 25 Jahre in der Politik engagiert – als Gemeinderat, Kantonsrat und Präsident der CVP Appenzell Ausserrhoden; als Regierungsrat scheiterte er, auch als Nationalrat. Seit 2007 betreibt Max Nadig (66) ein Beratungsunternehmen in Herisau. Nach seinem Betriebswirtschaftsstudium an der HSG hatte er sich auf den Tourismussektor spezialisiert. Nadig, verheiratet, Vater dreier Kinder, ist seit 2015 Präsident von Toggenburg Tourismus und Präsident des Verbandes Heilbäder und Kurhäuser Schweiz. (cz)

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