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BERGBAHNENSTREIT: «Wir wurden praktisch erpresst»

Mélanie Eppenberger, Verwaltungsratspräsidentin der Toggenburg Bergbahnen, über Gerüchte im Tal, falsche «Frequenzenbolzerei» und die steife Brise, die ihr von Wildhaus entgegen bläst.
Regula Weik, Christoph Zweili
Mélanie Eppenberger: «Ich will nicht diejenige sein, die etwas verspricht – und es dann nicht hält.» (Bild: Hanspeter Schiess)

Mélanie Eppenberger: «Ich will nicht diejenige sein, die etwas verspricht – und es dann nicht hält.» (Bild: Hanspeter Schiess)

Mélanie Eppenberger, rechnen Sie anders als die Wildhauser?
Wie soll ich die Frage verstehen? Sie sprechen das Aktienkauf-, respektive Aktientauschangebot der Toggenburg Bergbahnen AG an?

Genau. Sie bieten den Wildhausern 25 Franken für deren Aktien. In Tat und Wahrheit sind die Aktien der Bergbahnen Wildhaus AG aber 200 Franken wert?
Die 25 Franken sind nicht einfach so vom Himmel gefallen. Es sind zwei Faktoren, die dabei berücksichtigt werden müssen. 95 Prozent der Verkehrsumsätze in Wildhaus werden über den Tarifverbund erwirtschaftet. 95 Prozent! Die Toggenburg Bergbahnen AG hat in der Vergangenheit Jahr für Jahr diese Quersubventionierung finanziert. Das muss man bei der Bewertung eines Unternehmens berücksichtigen.

Wildhaus generiert nur fünf Prozent des Bahnumsatzes eigenständig?
Genau.

Und der zweite Faktor?
Das Geschäftsmodell von Wildhaus beruht auf dem Tarifverbund: Es geht darum, in Wildhaus möglichst hohe Frequenzen zu erreichen und möglichst viel Geld aus dem Pool abzusaugen. Dieser Verbund ist für uns in seiner heutigen Form nicht mehr tragbar, da er falsche Anreize setzt. Ein mögliches Ende des Tarifverbundes müsste in einer Bewertung mitberücksichtigt werden.

Ein Gutachten der Wildhauser kommt zum Schluss: Die Wildhauser Aktien sind nicht nur mehr wert, als Ihr Angebot vermuten lässt, sie sind auch deutlich wertvoller als die Aktien der Toggenburg Bergbahnen.
Es entzieht sich meiner Kenntnis, wie dieses Gutachten zu Stande kam. Ich weiss nicht, wie man ein Unternehmen bewerten kann, ohne jemals mit den Verantwortlichen gesprochen zu haben. Ich kann mich daher dazu nicht äussern.

Wie erklären Sie sich, dass die Wildhauser Ihr Angebot als unfreundliches Übernahmeangebot erleben?
Es gibt verschiedene Arten von Fusionen. Das ist eine Art, wie man es machen kann. Die Tatsache, dass man unseren Schritt gerne als «unfriendly takeover» darstellt, hat vielleicht damit zu tun, dass wir nicht über den Verwaltungsrat gingen.

Sie haben ihn bewusst ausgelassen?
Wir haben unsere Erfahrungen gemacht. Wir suchten 2015 das Gespräch mit dem Wildhauser Verwaltungsrat. Vergeblich. Wir mussten feststellen, dass da eine absolute Unbeweglichkeit vorherrscht. Wir waren bereit für eine Mediation und wurden dabei praktisch erpresst.

Erpresst?
Die Gemeinde Grabs hat uns die Ostabfahrt gekündigt, das Durchfahrtsrecht gestrichen. So kam es, dass wir damals dem Tarifverbund für weitere vier Jahre zustimmten. Nach dieser Erfahrung haben wir einen Ansatz bevorzugt, in dem diejenigen, die das Kapital bringen und das finanzielle Risiko tragen, entscheiden sollen und dürfen – und das sind die Aktionäre. Sie sollen in der Hand haben, was mit dem gemeinsamen Winterticket passiert.

Haben Sie einen Plan B für den Fall, dass der Tarifverbund Ende 2019/20 aufgelöst wird?
Alle betonen, dass es eine Fusion braucht. Das wäre tatsächlich die beste Variante – eine Konsolidierung der Strukturen ist notwendig, damit die Region stärker wird und sich auf dem nicht einfachen Markt gut positionieren kann. Unsere Lösung würde darüber hinaus den Steuerzahler nichts kosten.

Wie setzt sich das Aktionariat der Toggenburg Bergbahnen zusammen?
Früher war es schwierig, dazu Aussagen zu machen, da wir Inhaberaktien hatten. Seit 2015 haben wir Namenaktien. Wir sind heute eine breit abgestützte Gesellschaft; es sind über tausend Aktionäre. Die Person, die am meisten Interesse weckt, ist natürlich Simon Ammann.

Wie stark ist er finanziell engagiert?
Das gehört nicht in die Öffentlichkeit.

Simon Ammann ist ein Aushängeschild des Toggenburgs. Wie stark ist Ihr Bergbahnunternehmen darüber hinaus im Tal verankert?
In unserem Verwaltungsrat sitzen Einheimische, unsere Mitarbeitenden wohnen im Tal, wir bauen mit Materialien aus der Region und mit lokalen Handwerkern, wir kaufen für unsere Gastronomie lokale Produkte ein. Es ist falsch, wenn behauptet wird, unser Unternehmen sei nicht im Toggenburg verankert, nur weil die Präsidentin ihre Wurzeln im Ausland hat. Ich habe über mein Engagement eine echte Verbundenheit zur Region entwickelt.

Und Sie sind überzeugt, dass sie eine touristische Zukunft hat?
Sicher. Wir setzen auf die Stärken des Toggenburgs – auf die Landschaft, die Kultur, die Nähe zu den Agglomerationen. Wir bauen nicht die billigste Bahn mit Plastikstationen. Wir bemühen uns, eine Architektur zu haben, die dieser wunderbaren Landschaft gerecht wird.

Auch das Toggenburg kämpft mit der Schneesicherheit. Sie verzichten darauf, die Pisten zu beschneien, und riskieren so, einige Skitage pro Saison zu verlieren?
Wir verzichten nicht auf Beschneiung, die ganze Achse Alt St. Johann ist beschneit und Unterwasser an den neuralgischen Punkten. Wir hatten letztes Jahr über Weihnachten und Neujahr mehr Gäste in Unterwasser als in Wildhaus.

Aber nicht Skifahrer.
Nicht Skifahrer, aber Ausflügler. Ich mache da keinen Unterschied. Bei uns sind Skifahrer wie Ausflugsgäste willkommen. Ein guter Mix ist wichtig. Wir müssen uns den Herausforderungen stellen: Wetterabhängigkeit, Schneeabhängigkeit. Das sind Faktoren, die uns bewogen haben, eine Strategie für die schneefreien Monate zu entwickeln.

Die Wildhauser behaupten, die Anlagen in Unterwasser hätten ein Auslastungsproblem.
Die Auslastung ist nur dann derart relevant, wenn man ausschliesslich auf Frequenzen setzt. Wir setzen aber auf das Gesamterlebnis. Falls Sie mit Ihrer Frage die neue Gondelbahn Espel–Stöfeli–Chäserrugg ansprechen: Sie hat unsere Erwartungen übertroffen.

Sie steht aber acht Monate still: Können Sie sich das leisten?
Ja, der erste Schritt war die zweite Erschliessung des Chäserruggs, die Beseitigung des Kapazitätsengpasses am Iltios. Die Bahn ist im Sommer nicht tagtäglich in Betrieb. Was künftig sein wird, wird sich zeigen. Wir wollen verschiedene Varianten ausprobieren.

Sie haben im Frühjahr das Restaurant auf dem Iltios gekauft. Was planen Sie damit?
Diese Integration war eine sehr gute und harmonische Sache. Wir gehen in Etappen vor, und wir lassen uns nicht drängen. Diesen Winter eröffnen wir den Espel-Pavillon. Um weitere Schritte zu kommunizieren, ist es noch zu früh.

Wie sieht es mit dem Umbau der Talstation in Unterwasser aus?
Da sind die Voraussetzungen für das Projekt oder die Umgebung noch nicht so, wie wir es uns wünschen würden.

Werden Ihnen Steine in den Weg gelegt?
Wir nehmen die Herausforderungen an, die sich uns stellen. Was unser Team in den vergangenen fünf Jahren geleistet hat, ist aussergewöhnlich. Dahinter steckt viel Arbeit und viel Geld – aber kein öffentliches.

Es ist kein Geheimnis: Sie streben die Aktienmehrheit der Bergbahnen Wildhaus AG an. Weniger klar ist die Strategie für Wildhaus.
Ich habe Verständnis für die Frage. Wenn ich Ihnen nun aber eine detaillierte Antwort gebe, kann das so oder anders interpretiert werden. Das will ich vermeiden. Wir haben uns in allem, was wir bisher gemacht haben, von der Topografie der Landschaft inspirieren lassen. So betrachtet ist das Gelände in Wildhaus geradezu prädestiniert für Anfänger und Familien. Diese Stossrichtung der Wildhauser stimmt. So viel kann ich sagen.

Ihre Antwort ist sehr vorsichtig.
In vielen Gebieten werden Projekte präsentiert, die grosse Erwartungen auslösen, und dann passiert nichts. Ich will aber nicht diejenige sein, die etwas verspricht – und es dann nicht hält.

Die Meinungen über Sie im Tal sind gemacht. Es fallen wenig schmeichelhafte Adjektive. Wie kommen Sie damit klar?
Ich bin Unternehmerin und diese Herausforderung gehört dazu.

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