Bergbahnen streiten um Geldtopf

WILDHAUS. Im Obertoggenburg herrscht zwischen den Bergbahnunternehmen ein Verteilkampf um die Tarifverbundeinnahmen. Tourismusverbände befürchten Umsatzeinbussen, wenn sich die Parteien nicht rasch einigen.

Roman Hertler
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Im Toggenburg sind volle Gondeln erwünscht – doch der Streit der Bergbahnen schadet dem Image. (Bild: Urs Bucher)

Im Toggenburg sind volle Gondeln erwünscht – doch der Streit der Bergbahnen schadet dem Image. (Bild: Urs Bucher)

Die Talstationen der beiden grossen Bergbahnunternehmen im Obertoggenburg liegen nur einige hundert Meter voneinander entfernt. Doch in betriebswirtschaftlicher Hinsicht hat sich seit diesem Sommer ein Graben aufgetan. Die Toggenburg Bergbahnen AG (TBB), welche den grösseren Teil der Lifte der Region betreibt, möchte sich einen grösseren Anteil aus dem Einnahmenpool des Tarifverbundes Bergbahnen Toggenburg sichern. Dagegen wehrt sich die Bergbahnen Wildhaus AG (BBW), die auf die einseitigen Forderungen der TBB nicht eingehen will.

«Zu hohe Forderung»

Angefangen hat der Streit in diesem Frühjahr. Im Mai nahm die TBB die regionale Wandertageskarte und das Saisonabo – Billette mit Gültigkeit auf allen Toggenburger Bergbahnen – aus ihrem Sommerangebot. Aus Rentabilitätsgründen, wie es heisst. Hinzu kam die Forderung nach einem «faireren Verteilschlüssel» aus dem Einnahmentopf des Tarifverbundes.

Dagegen hat die BBW grundsätzlich nichts einzuwenden. «Dadurch, dass die TBB mit der neuen Gondelbahn auf den Chäserrugg ihren Anlagewert erhöht, stehen ihr nach dem jetzigen Verteilschlüssel 300 000 bis 500 000 Franken mehr zu», räumt Urs Gantenbein, Geschäftsleiter der BBW, ein. Die Forderungen der TBB übersteigen diesen Betrag jedoch um mehrere hunderttausend Franken. «Das können wir so nicht hinnehmen», sagt Gantenbein. «Da bliebe für die anderen Bergbahnen fast nichts mehr übrig.»

Erste Angebote ausgeschlagen

Im Verteilschlüssel sind momentan der Wert der einzelnen Anlagen und deren Frequentierung enthalten. Neu könnten etwa Pistenkilometer oder die Art der Pisten berücksichtigt werden. Über den Verteilschlüssel und die Ticketangebote befindet der als Verein organisierte Tarifverbund. «Wir müssen nun das zuständige Gremium arbeiten lassen», sagt Mélanie Eppenberger, Verwaltungsratspräsidentin der TBB. «Der Fortbestand des Tarifverbunds hängt nicht alleine von der TBB ab.»

Die BBW hat bereits im Juni angeboten, einen externen Experten beizuziehen, um gemeinsam einen neuen Verteilschlüssel auszuarbeiten, den man rückwirkend auf die laufende Saison anwenden könnte. Auf dieses Angebot ist die TBB offenbar nicht eingegangen. «Auch wir haben bereits einige Angebote gemacht», erklärt hingegen Eppenberger. Genaueres ist allerdings nicht zu erfahren.

Dass die verschiedenen Bergbahnen mit ihren Angeboten ein unterschiedliches Zielpublikum ansprechen möchten, liegt auf der Hand. «Heutzutage sind Zielgruppen nicht mehr unbedingt nach Altersklassen zu definieren, sondern eher über Werte», sagt Mélanie Eppenberger. «Wir möchten Gäste, die nicht unbedingt nur Ski fahren, sondern Erholung in der unberührten Natur und das Wintererlebnis in der schönen Landschaft suchen, etwa bei Winterwanderungen.» Wichtig seien letztlich Produkte, die eine Wertschöpfung mit sich bringen, damit die Region attraktiv bleibt und die Arbeitsplätze gehalten werden können.

Sowohl die TBB als auch die BBW bekunden ihr Interesse daran, dass der Tarifverbund fortbesteht, auch wenn zum traditionellen Familientourismus nun ein etwas finanzkräftigeres Publikum hinzukommen soll. «Für die Region ist ein gemeinsames Angebot wie der Skipass, der für das gesamte Gebiet gültig ist, entscheidend», sagt Urs Gantenbein von der BBW. «Nun ist es wichtig, dass diese Angebote rasch koordiniert werden.»

Der Region droht Schaden

Auf ein rasches Vorankommen hofft auch der Verband Toggenburg Tourismus. «Die aktuellen Negativschlagzeilen sind schlecht», sagt Verbandspräsident Max Nadig. «Ich erwarte von den Bergbahnen, dass sie sich schnell einigen. Das aktuelle Pokerspiel um die Einnahmengelder schadet der Region.»

Der Verbandsvorstand, in dem auch Mélanie Eppenberger und BBW-Verwaltungsratspräsident Jack Rhyner sitzen, hat einen Masterplan für die Entwicklung des Tourismus im Toggenburg ausgearbeitet. Es sind Investitionen über 100 Millionen Franken geplant, 40 Millionen davon alleine in diesem Jahr. «Die Bergbahnen sind ein wichtiger Bestandteil dieses Masterplans», sagt Nadig. «Die Hoteliers und wir brauchen also einen schnellen Entscheid, damit wir mit dem Marketing für die Winterangebote beginnen können.»

Politik schaltet sich ein

Die Tarifverhandlungen haben mittlerweile auch die Politik auf den Plan gerufen. Der St. Galler Regierungspräsident Beni Würth ärgert sich über den Zwist: «Können sich die Bergbahnen nicht einigen, verstehen das die Gäste nicht.» Bund und Kanton unterstützen die Toggenburger Bergbahnen mit Darlehen und Zinskostenbeiträgen. «Weitere Investitionshilfen stehen erst zur Diskussion, wenn die Konflikte gelöst und eine gemeinsame Strategie entwickelt ist», hält Würth fest. Mehr als vermitteln kann aber auch die Politik nicht. Die Zukunft der Tourismusregion Toggenburg liegt ganz in den Händen der Bergbahnen.