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BERGBAHN: «Ich war die naheliegende Lösung»

Diesen Frühling entscheidet sich, ob die Pizolbahnen von der öffentlichen Hand eine Finanzspritze erhalten. VR-Präsident Markus Oppliger ist zuversichtlich, dass die Gelder gesprochen werden. Das langfristige Überleben sei damit aber nicht gesichert.
Melanie Steiger
Seit Oktober 2017 ist Markus Oppliger Verwaltungsratspräsident der Pizolbahnen. (Bild: Tatjana Schnalzger)

Seit Oktober 2017 ist Markus Oppliger Verwaltungsratspräsident der Pizolbahnen. (Bild: Tatjana Schnalzger)

Interview: Melanie Steiger

Markus Oppliger, Sturm Burglind hat am Mittwoch den Betrieb der Pizolbahnen zum Erliegen gebracht. Was ging Ihnen durch den Kopf, als Sie erfuhren, dass 25 Personen in den Gondeln festsitzen?

Der erste Gedanke war natürlich, ob es Verletzte gegeben hat. Ich bin sofort zur Talstation in Wangs, CEO Klaus Nussbaumer war in Bad Ragaz. Wir erhielten dann relativ schnell Bescheid, dass keine Personen zu Schaden gekommen sind. Das war eine riesige Erleichterung.

Wird das Sicherheitskonzept nach diesem Vorfall nun angepasst?

Nein, das ist nicht nötig. Es gibt klare Vorgaben, bis zu welcher Windstärke die Bahnen fahren dürfen. Diese haben wir strikt eingehalten. Auch die Evakuierung der Gondeln verlief reibungslos, das zeigten uns die positiven Reaktionen der betroffenen Gäste. Ein Ehepaar kam tags darauf nochmals extra zur Talstation in Bad Ragaz und hat sich bedankt.

Diese Rettungsaktion ist glimpflich verlaufen. Eine weitere steht den Pizolbahnen selber noch bevor: Die Bürger der umliegenden Gemeinden stimmen demnächst über einen finanziellen Beitrag an das Unternehmen ab. Wie wird es ausgehen?

Die positive Stimmung unter den Leuten am Berg und die zahlreichen Gespräche mit den Gemeinden sowie der Bevölkerung stimmen mich zuversichtlich. Selbstverständlich gibt es aber auch kritische Stimmen. Denn es ist nicht üblich, dass Steuergelder in ein Privatunternehmen fliessen. Obwohl die Pizolbahnen nicht eins zu eins mit einem privatwirtschaftlichen Unternehmen vergleichbar sind.

Weshalb nicht?

Als vor zehn Jahren die Errichtung der beiden Zubringer Wangs und Bad Ragaz zur Diskussion stand, war das kein rein privatwirtschaftlicher Entscheid. Öffentlichkeit, Gemeinden, Politik und nicht zuletzt auch die Regierung des Kantons haben ihre klaren Erwartungen geäussert. Man wollte die beiden Zubringer unter allen Umständen realisieren. Die Mitwirkung dieser vielen Parteien lassen den Charakter des Unternehmens gemischtwirtschaftlich erscheinen. Damals wollte eine Mehrheit die Zubringer. Jetzt wäre es sehr wünschenswert, wenn diese auch einen Beitrag an den Betrieb leistet.

Genau der Bau der zwei Zubringer steht heute in der Kritik.

Heute würde man die zwei Zubringer wohl nicht mehr so errichten wie damals. Aber im Nachhinein und in voller Kenntnis der Entwicklungen zu sagen, das war ein Fehler, ist relativ einfach. Damals gab es sehr wohl warnende Stimmen. Aber so klar, wie es gewisse Leute nun schildern, war es damals nicht. So wie sich die Situation entwickelt hat, war sie vor zehn Jahren nicht 100-prozentig absehbar.

Wie sieht denn die nahe Zukunft der Pizolbahnen aus?

Diese Saison können wir den Betrieb aus eigener Kraft aufrechterhalten. Für alle Darlehensamortisationen dürfte das Geld jedoch ohne Beitrag von Gemeinden und Kanton nicht reichen. Mit deren Zusage bekämen wir ein Zeitfenster von sechs Jahren. Diese Zeit werden wir nutzen, um unsere Ertragslage zu verbessern. Signifikant reduzieren können wir das strukturelle Defizit jedoch nur mit einer Veränderung der Struktur. Daneben müssen wir zusätzliche Einnahmequellen erschliessen, indem wir neue Geschäftsfelder hinzufügen und die Wertschöpfungskette am Berg verlängern. Aktuell fliesst aus den Einnahmen von Gastronomie und Beherbergung, Vermietungswesen sowie aus sämtlichen Dienstleistungen nichts in die Kasse der Pizolbahnen.

Wo sehen Sie Potenzial?

Das sehe ich sowohl im Sommer- als auch im Wintergeschäft. Das Geld für wirklich grosse Investitionen – beispielsweise Hotels oder neue Anlagen – haben wir nicht, das ist klar. Deshalb müssen wir in kleinen Schritten vorangehen. Beim Sommergeschäft bauen wir auf dem auf, was wir in den vergangenen Jahren realisiert haben. Da gibt es noch sehr viele Ideen. Beim Wintergeschäft müssen wir prioritär die technische Beschneiung weiter ausbauen. Langfristig betrachtet sind ebenfalls grobe Ideen vorhanden, wie die Struktur verändert werden könnte. Heute gelangen die Gäste stufenweise auf den Berg. Effizienter wäre es, wenn wir sie direkt vom Tal auf 2200 Meter bringen könnten und sie sich dann von dort verteilen. Das ist jedoch Zukunftsmusik und nur mit einem grosszügigen Sponsor und Investor denkbar.

Mit dem Geld bekommen Sie auch neue Auflagen?

Ja, diese wurden uns kürzlich eröffnet. Dabei handelt es sich um für solche Situa­tionen übliche Bedingungen, die teils materieller, teils formeller Natur sind. Kanton und Gemeinden wollen so sicherstellen, dass keine weiteren ungedeckten Verluste entstehen.

Wie sind die Pizolbahnen überhaupt in diese Lage geraten?

Es ist eine Kombination von mehreren Faktoren. Zunächst ist da die ungünstige Struktur mit den zwei Zubringern. Sie ist teuer, personalintensiv und aufwendig. Im Gegensatz zu Beschäftigungsanlagen benötigen wir diese Bahnen ausschliesslich dafür, um die Gäste ins Skigebiet zu bringen. Dann sind die Eintritte in Schweizer Skigebiete seit dem Winter 2008/09 um 27 Prozent zurückgegangen – auch bei uns, aber deutlich weniger stark. Und schliesslich hatten wir drei katastrophale Winter hintereinander. Die Umsätze im Dezember 2014, 2015 und 2016 waren stark rückläufig und 2016 auf einem absoluten Tiefststand. Mit dem tollen Winterstart konnte 2017 wieder einmal ein ansprechender Dezemberumsatz erzielt werden. Hinzu kommt die im Vergleich zu anderen Skigebieten wenig ausgebaute technische Beschneiung, mit welcher wir keine Schneesicherheit bieten konnten.

Sie haben als VR-Präsident im Oktober eine grosse Heraus- forderung angenommen.

Nicht nur ich, sondern das ganze Team. Als Joe Keller beschlossen hat, aus Altersgründen zurückzutreten, habe ich mich zur Verfügung gestellt. In einer solchen Situation reisst sich kein Externer um dieses Amt. Da war ich die naheliegende Lösung, weil ich ein totaler ­Pizol-Fan bin und überzeugt, einen Beitrag leisten zu können.

Wie lange wird es dauern, bis sich die Bahnen erholt haben?

Das ist schwierig zu sagen. Der Kanton und die Gemeinden geben uns Geld, damit wir nun mal in Ruhe arbeiten können. Welches aber die konkreten Lösungen und die detaillierten Massnahmen sind, kann ich heute noch nicht sagen. Das wird nun Aufgabe des neu zusammengesetzten Verwaltungsrates sein.

Kann das Sommergeschäft als Alternative mit dem Winter mithalten?

Für uns sind beide Saisons sehr wichtig. Momentan machen wir rund einen Viertel des Geschäfts im Sommer und drei Viertel im Winter. Das Sommergeschäft konnten wir über die vergangenen Jahre verdoppeln. Die Betriebstage sind von 240 auf 296 erhöht worden, und das bei vergleichbaren Kosten. Unsere Gäste haben somit viel mehr Möglichkeiten, unser Sommer- und Winterangebot zu geniessen. Auch für die Gastronomie ist das gut, weil eben Gäste an insgesamt fast 300 Tagen auf den Berg können.

Am Flumserberg entsteht die Heidi-Welt. Ist das für Sie ein Ansporn, um ein ähnliches Erlebnis zu bieten?

Konkurrenz belebt das Geschäft. Wir versuchen aber nicht, ein anderes Gebiet zu kopieren. Das bringt nichts, und dafür fehlen uns die Mittel. Wir fokussieren uns auf unsere Stärken und Vorteile. Bei uns steht die fantastische Natur im Vordergrund. Und unsere tolle Lage mit einfacher, staufreier An- und Rückreise.

Sie haben wetterabhängige Preise eingeführt. Haben Sie sich auch Gedanken über eine Crowdfunding-Aktion gemacht?

Selbstverständlich. Man muss jedoch akzeptieren, dass die Anzahl Skifahrer mit solchen Aktionen kaum erhöht werden kann. Nur weil Saas-Fee und andere Gebiete Saisonkarten sehr günstig anbieten, wird der Kuchen nicht grösser. Das geht alles zu Lasten anderer Ski­gebiete. Und: Wenn wir den Preis um 30 Prozent senken, müssen wir auch 30 Prozent mehr Kunden haben, nur um gleich viel in der Tasche zu haben. Damit sich die Rechnung lohnt, müssten wir deutlich über 30 Prozent Kunden gewinnen. Spezialisten, die sich mit dem Thema befasst haben, sind – so wie wir – zum Schluss gekommen: Sich über den Preis besser zu stellen, ist eine kurzfristige Sichtweise. Aber man muss kreativ und innovativ sein, wie mit der wetterabhängigen Tageskarte am Pizol – die ist neu.

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