Bereit für die Missenkür: Die sieben wichtigsten Fragen zur Viehschausaison 2019 im Appenzellerland

Herbstzeit ist Viehschauzeit: Rund 5000 Stück Rindvieh werden von Mitte September bis Mitte Oktober an insgesamt 20 Viehschauen in Ausser- und Innerrhoden zu sehen sein. Vieles bleibt beim Alten – etwas ist jedoch in diesem Jahr neu. 

Claudio Weder
Drucken
Teilen
Auf dem Viehschauplatz werden die Kühe in Reih und Glied aufgestellt, bevor sie von den Experten begutachtet werden. (Bild: David Scarano)

Auf dem Viehschauplatz werden die Kühe in Reih und Glied aufgestellt, bevor sie von den Experten begutachtet werden. (Bild: David Scarano)

Wenn Bauern und Sennen mit ihrem geputzten und gestriegelten Vieh durch die Strassen ziehen, wenn sich Dorfplätze zu Jahrmärkten verwandeln, wenn überall gesungen und gejodelt wird, wenn der Schöneuterpreis verliehen und die «Miss Trogen» gekürt werden – dann ist im Appenzellerland wieder Viehschauzeit. Wir klären die wichtigsten Fragen rund um den traditionsreichen Anlass.

Von wann bis wann dauert die Viehschausaison im Appenzellerland?

Vom 17. September bis 12. Oktober werden in 17 Ausserrhoder Gemeinden sowie in Appenzell und Oberegg Viehschauen durchgeführt (genaue Daten siehe unten). Auftakt zur Viehschausaison bildet die Schafschau am 14. September in Teufen.

Wie viele Kühe sind zu erwarten?

An den Ausserrhoder Gemeindeviehschauen werden rund 4700 Stück Rindvieh vorgeführt, davon über 3500 Kühe. Die Viehschau in Schwellbrunn ist mit über 600 Kühen die grösste. Es werden aber nicht nur Kühe präsentiert, parallel zu den Gemeindeviehschauen finden dieses Jahr vier Schafschauen – neben Teufen auch in Wolfhalden (27. September), Wald (28. September), und Urnäsch (2. Oktober) – sowie die kantonale Widderschau (5. Oktober, Teufen) statt. Eine Ziegen- und Ziegenbockschau wird in Urnäsch (28. September) durchgeführt.

Was ist neu im Jahr 2019?

Die kantonale Stierschau, die bis anhin die Viehschausaison einläutete, wird neu den Schlusspunkt bilden. Sie findet nicht wie bis anhin in Herisau, sondern in Teufen auf dem Zeughausplatz statt. Gleichzeitig wird in Teufen anstelle der Juniorenschau neu der Herbstcup für Braunviehkühe durchgeführt. Mit dem Herbstcup bieten die Organisatoren allen Braunviehzuchtgemeinschaften im Kanton Appenzell Ausserrhoden die Möglichkeit, sich der Öffentlichkeit zu präsentieren und untereinander zu messen. Es soll der Trend zu einer leistungsstarken und wirtschaftlichen Braunviehzucht aufgezeigt und die Kameradschaft und der Kontakt zwischen den einzelnen Gemeinschaften gefördert werden.

Gibt es Viehzuchtgemeinschaften, welche 2019 ein Jubiläum feiern?

Die Viehzuchtgenossenschaft Heiden und Grub feiert in diesem Jahr ihr 100-jähriges Bestehen und würdigt dies mit je einer Jubiläumsviehschau. Grund zu feiern gibt es auch in Bühler. Anlässlich des 75-Jahr-Jubiläums ist eine besondere Viehschau mit zahlreichen Attraktionen geplant. Unter anderem soll es auf dem Schaugelände ein nostalgisches Karussell, eine Hüpfburg, ein Bungee- Trampolin, Harassenklettern, eine Bullriding-Anlage sowie eine Tischfussball-Station geben.

Wie unterscheiden sich die Appenzeller Viehschauen voneinander?

Sie unterscheiden sich nicht nur in der Grösse voneinander, sondern auch in der Aufmachung. So gelten die Hinterländer Viehschauen beispielsweise als traditioneller als die Vorderländer, wo die Viehschauen mehr den Charakter von Jahrmärkten haben. Auch im Rahmenprogramm gibt es Unterschiede. In Teufen etwa findet anlässlich der diesjährigen Viehschau eine Ausstellung im Zeughaus statt. In Heiden und Oberegg werden beispielsweise auch Führungen angeboten.

Zu welchem Sinn und Zweck werden Viehschauen veranstaltet?

Die Viehschau gilt als der Höhepunkt des Jahres für alle Bauern und Sennen. Viehschauen sind aber nicht nur für die Landwirtschaft und die Züchter ein beliebter Treffpunkt, sondern auch für die Bevölkerung. Viele Bauern fahren «sennisch zur Schau», das heisst, sie begleiten ihre geputzten und gestriegelten Tiere in der traditionellen Appenzeller Tracht zur Viehschau. Dort betreten sie den Schauplatz durch einen hölzernen und mit Blumen geschmückten Bogen. An vielen Schauen dürfen auch Jungzüchter teilnehmen und ihre Geisslein zur Schau stellen. Auf dem Schaugelände werden die Tiere in Reih und Glied aufgestellt, bevor sie begutachtet werden. Preise gibt es unter anderem für die beste Milchleistung, das schönste Euter oder die höchste Lebensleistung.

Wer bewertet die Kühe und welche Kriterien fliessen in die Bewertung ein?

Die Bewertung der Kühe nimmt ein Preisgericht vor, das aus erfahrenen Landwirten besteht. Die Experten achten dabei auf mehrere Merkmale: den Rahmen (Körper der Kuh), das Fundament (die Beine), die obere Linie, die Breite der Brust, die Breite des Beckens, sowie das Euter. Letzteres sollte gut aufgehängt sein und möglichst weit hinaufreichen, die Zitzen sollten fein und gerade sein.

Die Daten der Viehschausaison 2019

Dienstag, 17.09.2019: Herisau (9.30 Uhr)

Mittwoch, 18.09.2019: Trogen (9.30 Uhr)

Donnerstag, 19.09.2019: Teufen (9.30 Uhr)

Freitag, 20.09.2019: Rehetobel (9.30 Uhr)

Samstag, 21.09.2019: Gais (9.30 Uhr)

Samstag, 21.09.2019: Speicher (9.30 Uhr)

Samstag, 21.09.2019: Grub Jubiläumsschau (9.30 Uhr)

Dienstag, 24.09.2019: Stein (9.30 Uhr)

Dienstag, 24.09.2019: Schönengrund (9.30 Uhr)

Donnerstag, 26.09.2019: Urnäsch (9.15 Uhr)

Freitag, 27.09.2019: Wolfhalden (9.30 Uhr)

Samstag, 28.09.2019: Bühler Jubiläumsschau (9.30 Uhr)

Samstag, 28.09.2019: Oberegg (9 Uhr)

Montag, 30.09.2019: Schwellbrunn (9.15 Uhr)

Mittwoch, 02.10.2019: Waldstatt (9.30 Uhr)

Mittwoch, 02.10.2019: Walzenhausen (9.30 Uhr)

Samstag, 05.10.2019: Heiden Jubiläumsschau (9.30 Uhr)

Dienstag, 08.10.2019: Appenzell (9.30 Uhr)

Samstag, 12.10.2019: Hundwil (9.30 Uhr)

Samstag, 19.10.2019 Teufen, Kantonale Stierschau, Herbstcup (9.00 Uhr)

Der Viehschauexperte begutachtet die Kühe von hinten

Seit bald 20 Jahren ist Sepp Fuster Viehschauexperte. Weil er das Pensionsalter erreicht, bewertet der Wolfhäldler dieses Jahr letztmals die Kühe an Schauen im Appenzellerland und im Kanton St. Gallen. Er sagt, warum der erste Eindruck so viel zählt.
Mea McGhee