Bekifft und besoffen

Allein an den letzten zwei Wochenenden hat die Kantonspolizei St. Gallen 35 Lenker wegen Drogen oder Alkohol angehalten. Vor allem Drogendelikte nehmen zu.

Adrian Grzonka
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Ein Atemalkohol-Testgerät zeigt den Promillewert des Lenkers an. (Bild: ky/Jean-Christophe Bott)

Ein Atemalkohol-Testgerät zeigt den Promillewert des Lenkers an. (Bild: ky/Jean-Christophe Bott)

Kurz vor zwei Uhr in der Nacht auf Sonntag: Ein 19jähriger Lenker ist von Erlen in Richtung Andwil unterwegs. In einer Rechtskurve verliert er die Kontrolle über sein Fahrzeug, gerät auf die gegenüberliegende Fahrbahn und prallt in ein parkiertes Auto. Der Atemlufttest der Polizei zeigt: Der junge Schweizer ist alkoholisiert unterwegs gewesen. Ein Promille zeigt das Messgerät an.

Obwohl der junge Mann Glück hatte und trotz starkem Aufprall unverletzt blieb, hat der Unfall unter Alkoholeinfluss für ihn erhebliche Konsequenzen: Der Sachschaden beläuft sich auf rund 40 000 Franken. Dazu kommt eine Anzeige bei der Staatsanwaltschaft mit einer Strafandrohung von maximal drei Jahren Freiheitsentzug.

Zunahme gegenüber Vorjahr

Laut Matthias Graf, Mediensprecher der Kantonspolizei Thurgau, ist das Beispiel in Andwil auf dem Thurgauer Seerücken von vergangenem Wochenende bei weitem kein Einzelfall. Fälle, bei denen Autofahrer alkoholisiert erwischt worden seien, hätten gegenüber dem Vorjahr «deutlich zugenommen», sagt er und belegt dies mit Zahlen: «In den Monaten September und Oktober hat sich die Zahl der Lenker, welche positiv auf Alkohol getestet wurden, gegenüber dem Vorjahr mehr als verdoppelt.» Und dies, ohne dass die Kontrollen verstärkt worden wären, sagt Graf.

Obwohl Hanspeter Krüsi, Mediensprecher der Kantonspolizei St. Gallen, eine Zunahme von alkoholisierten Lenkern gegenüber dem Vorjahr nicht bestätigen kann, spricht er von einer nach wie vor erschreckend hohen Zahl von fahruntüchtigen Lenkern. Während der letzten zwei Wochenenden seien 35 Autofahrer unter Alkohol- oder Drogeneinfluss aus dem Verkehr gezogen worden. Dabei sei die Chance, dass man in eine Polizeikontrolle komme, klein. «Man darf sich gar nicht vorstellen, wie viele Lenker bei einer Kontrolle hängenbleiben würden», sagt er.

Im Gegensatz zum Alkoholkonsum sei bei Drogen allerdings ein Anstieg festzustellen. In den ersten neun Monaten des laufenden Jahres seien gegenüber derselben Zeitspanne im Vorjahr 25 Prozent mehr Lenker unter Drogeneinfluss angehalten worden. Speziell Haschisch, aber auch Kokain sei stark verbreitet, sagt Krüsi.

Folgen sind gravierend

Wichtig sei es, auf die grossen Gefahren hinzuweisen, welche nicht fahrtüchtige Lenker eingehen würden. Das Unfallrisiko sei unter Drogen- oder Alkoholeinfluss um ein Vielfaches höher: Alleine letztes Jahr waren im Kanton St. Gallen 325 der 2076 Unfallbeteiligten nicht fahrtüchtig. Auch die Konsequenzen eines positiven Alkohol- oder Drogentests sei vielen Lenkern nicht bewusst: Den Führerschein abgeben zu müssen oder einen Eintrag im Strafregister zu erhalten, könne speziell für junge Menschen auf dem Arbeitsmarkt ein erheblicher Nachteil sein, sagt Krüsi.