Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

BEILATTACKE: St.Galler Jugendstaatsanwalt: "Ich kenne keinen ähnlichen Fall"

Der 17-jährige Angreifer von Flums ist erstmals befragt worden. Der Leitende St. Galler Jugendanwalt, Stephan Ramseyer, spricht von einem "Ausnahmefall". Vergleichbares habe er noch nie erlebt.
Regula Weik
Die Agrola-Tankstelle in Flums: Hier konnte die Polizei den 17-jährigen Angreifer festnehmen. (Bild: Eddy Risch/KEY)

Die Agrola-Tankstelle in Flums: Hier konnte die Polizei den 17-jährigen Angreifer festnehmen. (Bild: Eddy Risch/KEY)

Regula Weik

regula.weik

@tagblatt.ch

«Schwer verletzt, wird im Spital überwacht und bewacht.» So lautete am Montagmorgen die medizinische Diagnose für den Angreifer von Flums – verbunden mit der Ansage der Kantonspolizei St. Gallen: Der 17-jährige Lette soll in den nächsten Stunden erstmals einvernommen werden. So kam es dann auch. «Die Einvernahme wurde durchgeführt», sagt Regula Stöckli, Stellvertretende Mediensprecherin der Staatsanwaltschaft St. Gallen. Der Beschuldigte sei am Montagnachmittag erstmals befragt worden. Zu den Aussagen des Jugendlichen macht die Staatsanwaltschaft keine Angaben. Auf die Frage nach dem weiteren Vorgehen antwortet Regula Stöckli: Es würden nun sämtliche Beweismittel ausgewertet und dann eine Gesamtschau gemacht. Dazu gehörten auch Einvernahmen und Befragungen von Personen aus dem Umfeld des Lehrlings. Dieser hatte am Sonntagabend sieben Personen mit einem Beil verletzt.

Zwei Tage nach der Gewalttat befänden sich vier Personen weiterhin im Spital, darunter der Beschuldigte. Dies teilte die Kantonspolizei St. Gallen am Dienstag mit. Weitere Details zum Fall und zur Befragung des Jugendlichen gibt auch sie nicht bekannt. «Das Strafverfahren ist grundsätzlich geheim. Aus diesem Grund werden auch Aussagen von Beteiligten nicht veröffentlicht», sagt Hanspeter Krüsi, Leiter Kommunikation und Mediensprecher der Kantonspolizei. Klar sei, dass die Aussagen des Beschuldigten «ein sehr wichtiger Bestandteil» im Strafverfahren seien. Der junge Mann ist nicht vorbestraft. Es liegt auch keine Anzeige gegen ihn vor. Am Montag war bekannt geworden, dass er den Behörden wegen seiner Gewaltfantasien bekannt gewesen war. Erstmals auffällig verhalten hatte er sich im Juni.

Das Wohnhaus in Flums, in dem der Lehrling mit seiner Mutter und deren Partner lebt, wurde durchsucht. «Der Beschuldigte und sein Umfeld werden in einem laufenden Strafverfahren sehr genau angeschaut», sagt Krüsi. Dabei würden auch Handys und andere elektronische Geräte überprüft. Der «Blick» hatte publik gemacht, dass der Jugendliche in einem russischen sozialen Netzwerk mit einem eigenen Profil aktiv war. Auf Fragen danach sagt Kapo-Mediensprecher Krüsi: «Recherchen und Spekulationen von Medien werden weder dementiert noch bestätigt.»

Vorsätzliche Tötung oder Mord?

Der minderjährige Flumser Angreifer dürfte wegen mehrfacher versuchter vorsätzlicher Tötung angeklagt werden. Allenfalls wegen versuchten Mordes oder Totschlags. Und er werde sich wegen mehrfacher Widerhandlung gegen das Strassenverkehrsgesetz verantworten müssen, sagte Stephan Ramseyer, Leiter Jugendanwaltschaft St. Gallen, am Montag vor den Medien. Auf Anfrage sagte er am Dienstag: Er habe «noch nie so einen Fall» erlebt.

Ramseyer, Jahrgang 1978 und Absolvent der HSG, ist seit sieben Jahren Leitender Jugendanwalt und damit für die vier Jugendanwaltschaften im Kanton verantwortlich. «Ein vergleichbarer Fall ist mir noch nie begegnet.» Ein Täter, der ohne frühere Vorfälle und damit ohne Steigerung einfach «von null auf hundert» durchstartet. Selbst wenn er an erwachsene Straftäter denke, bleibe das Geschehen vom Sonntagabend in Flums ein «Ausnahmefall».

Dies zeigte auch das gewaltige Medieninteresse am Tag nach der Tat. Aus der ganzen Schweiz waren Fernseh-, Radio-, Online- und Printjournalisten nach St. Gallen angereist. Die offizielle Medienkonferenz dauerte keine halbe Stunde; danach ging der Interviewparcours für die Vertreter von Polizei und Jugendanwaltschaft erst richtig los. Zwei Stunden stand Ramseyer Red und Antwort. Unermüdlich wiederholte er die möglichen Aussagen. «Was wir sagen konnten, sagten wir.» Sie hätten bis dahin auch noch nicht mit dem Täter geredet. «Mutmasslichen Täter», korrigiert er sich.

«Das Jugendstrafrecht ist dafür nicht gemacht»

Die Jugendanwaltschaften sind für alle strafbaren Handlungen von Kindern und Jugendlichen im Alter zwischen 10 und 18 Jahren zuständig, von typischen «Jugendsünden» wie einem frisierten Mofa, Kiffen oder Sprayen bis zu schwerwiegenden Straftaten wie Sexual- oder Gewaltdelikten. Oberstes Ziel des Jugendstrafrechts ist es, zu verhindern, dass Täter rückfällig werden. Die Maximalstrafe für Jugendliche zwischen 16 und 18 Jahren sind vier Jahre Freiheitsentzug. Hinzu können Massnahmen wie fachliche Begleitung der Familie, Therapie, Unterbringung in einem Jugendheim kommen; diese können bis zum 25. Altersjahr dauern. Maximal vier Jahre Freiheitsentzug für einen Jugendlichen, der sieben Menschen mit einem Beil verletzt – das Unverständnis darüber ist in der Öffentlichkeit gross, der Vorwurf einer laschen Justiz unüberhörbar. Wie reagiert Ramseyer auf solche Äusserungen? «Das Jugendstrafrecht ist für einen Fall, wie er sich in Flums zutrug, nicht gemacht – weder die Strafen noch die Massnahmen.» Die Gesetze würden auf Bundesebene gemacht; er arbeite damit. Auf die Frage, wie er die heutige Gesetzgebung beurteilt, antwortet er: Seine persönliche Meinung dazu sei nicht gefragt. Er sei nicht Politiker.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.