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BEIL-ATTACKE: Maximal vier Jahre für Angreifer von Flums: Sonderfall Schweiz auch beim Jugendstrafrecht

Der mutmassliche Beil-Angreifer von Flums ist 17 Jahre alt. Die Maximalstrafe, die ihm für den Angriff auf sieben Menschen blüht, ist im internationalen Vergleich kurz.
Adrian Lemmenmeier
Martin Killias, Strafrechtsprofessor an der Universität St.Gallen. (Bild: CHRISTIAN BEUTLER (KEYSTONE))

Martin Killias, Strafrechtsprofessor an der Universität St.Gallen. (Bild: CHRISTIAN BEUTLER (KEYSTONE))

In Flums hat ein junger Mann am Sonntagabend sieben Menschen mit einem Beil verletzt, teilweise schwer. Am Montag wurde der lettische Staatsbürger, der im Rahmen eines Familiennachzugs in die Schweiz gekommen war, ein erstes Mal von der Polizei vernommen. Irgendwann wird die Anklage stehen, irgendwann wird sich der junge Mann vor einem Gericht verantworten müssen. Die Strafe dürfte allerdings vergleichsweise milde ausfallen. Denn der Beschuldigte war zum Tatzeitpunkt 17 Jahre alt – er fällt deshalb unter das Jugendstrafrecht.

Das schweizerische Jugendstrafrecht basiert auf dem Gedanken, dass die Persönlichkeitsentwicklung der Jugendlichen nicht abgeschlossen ist. Deshalb wird der Fokus weniger auf die Strafe gelegt als darauf, was getan werden muss, damit ein jugendlicher Straftäter nicht rückfällig wird. Dies bedeutet: Mehr erzieherische Massnahmen statt Freiheitsstrafen. An erzieherischen Massnahmen gibt es einen ganzen Katalog. Haftstrafen für Jugendliche zwischen 16 und 18 dauern maximal vier Jahre.

«Die Schweiz ist ein Sonderfall»

Zu welcher Strafe der junge Mann aus Lettland verurteilt wird, entscheidet letztlich das Gericht. Fest steht, dass er in der Schweiz mit einer weniger langen Freiheitsstrafe zu rechnen hat als etwa in den Nachbarländern. So beträgt der maximale Freiheitsentzug für Jugendliche zwischen 16 und 18 in Deutschland zehn, in Österreich 15, in Italien 30 Jahre und in Frankreich gar lebenslänglich. «Die Schweiz ist ein Sonderfall», sagt Martin Killias, Strafrechtsprofessor an der Universität St. Gallen. «Der Unterschied zwischen Jugend- und Erwachsenenstrafrecht in der Schweiz ist im internationalen Vergleich gigantisch – nicht nur in der Theorie, sondern auch in der Praxis.» Für Killias ist dieser Unterschied stossend. «Wenn jemand an seinem 18. Geburtstag einen Mord begeht, erwartet ihn ein völlig anderes Strafmass, als wenn er die Tat einen Tag früher begangen hätte.» Andere Staaten würden die Altersgrenze flexibel handhaben. So könne etwa in den Niederlanden auf Jugendliche, die zwischen 16 und 18 Jahren alt sind, auch das Erwachsenenstrafrecht angewendet werden, wenn sie eine besonders schwere Tat begangen hätten.

Abschreckende Wirkung lässt sich nicht belegen

Das Ziel von Strafen ist immer auch eine abschreckende Wirkung. Wo aber liegt die Abschreckung bei einer Tat, wie sie in Flums begangen wurde? Rechnet ein Täter, der scheinbar wahllos mit einem Beil auf Menschen einschlägt, nicht ohnehin mit dem Äussersten – seinem eigenen Tod? «Aus Sicht der Forschung lässt sich diese Frage nicht beantworten», sagt Killias. Ein Strafmass müsse aber auch immer mit gesellschaftlichen Gerechtigkeitsvorstellungen übereinstimmen. «Beim schweizerischen Jugendstrafrecht ist das problematisch. Deshalb gibt es auch immer wieder Diskussionen.»

Nach schweren Delikten von Jugendlichen werden stets Stimmen laut, die einen härteren Umgang mit den Straftätern fordern. Das Schweizer Jugendstrafrecht mag im internationalen Vergleich eher kurze Freiheitsstrafen festlegen. Allerdings sind junge Menschen hierzulande verhältnismässig früh strafmündig. Kinder fallen bereits mit zehn Jahren unter das Jugendstrafrecht.

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