Beil-Attacke von Flums: Angeklagter soll wegen versuchten Mordes drei Jahre ins Gefängnis

Die Jugendanwaltschaft des Kantons St.Gallen hat einen Letten wegen mehrfachen versuchten Mordes angeklagt. Der Beschuldigte steht in Verdacht am 22. Oktober vergangenen Jahres in Flums mehrere Personen verletzt zu haben. Es wird ein Freiheitsentzug von drei Jahren und eine geschlossene Unterbringung beantragt.

Tim Naef
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Einer der Tatorte: Eine Tankstelle in Flums. (Bild: Keystone)

Einer der Tatorte: Eine Tankstelle in Flums. (Bild: Keystone)

Wie die Staatsanwaltschaft St.Gallen in einer Medienmitteilung schreibt, sind die Untersuchungen im Fall Flums nun abgeschlossen. Der Beschuldigte leide gemäss forensisch-psychiatrischem Gutachten an einer schweren psychischen Störung. Die Jugendanwaltschaft des Kantons St.Gallen klagt den Beschuldigten beim Kreisgericht Werdenberg-Sarganserland wegen mehrfachen versuchten Mordes, versuchter Brandstiftung, mehrfacher einfacher Körperverletzung, Sachbeschädigung und mehrfacher Widerhandlung gegen das Strassenverkehrsgesetz an und beantragt einen Freiheitsentzug von drei Jahren sowie eine Busse von 500 Franken. Ferner soll eine geschlossene Unterbringung angeordnet werden.

Der Beschuldigte befand sich nach seiner Verhaftung in Untersuchungshaft. Seit dem 23. März 2018 befindet er sich im Rahmen einer vorsorglichen Unterbringung in einer geschlossenen psychiatrischen Einrichtung.

Rekonstruktion des Tatgeschehens durch die Staatsanwaltschaft

22. Oktober 2017, 20 Uhr - Brandstiftung 

Der heute 18-jährige Lette wird verdächtigt, bei seinem Wohnort einen Holzstapel in Brand gesetzt zu haben. Das Feuer konnte vor Eintreffen der örtlichen Feuerwehr gelöscht werden.

Nach 20 Uhr - Angriff auf Ehepaar mit Kind

Der Angeklagte soll in Tötungsabsicht mit einem Beil ein Ehepaar attackiert zu haben, das mit ihrem Kind im Kinderwagen unterwegs war. Der damals 35-jährige Mann und die damals 30-jährige Frau wurden dabei schwer verletzt und mussten im Spital operiert werden. Während der Attacke stürzte das damals 8-monatige Kleinkind aus dem Kinderwagen und musste ebenfalls hospitalisiert werden.

Ebenfalls kurz nach 20 Uhr - Angriff auf weiteres Paar

Während der Attacke auf das Ehepaar, versuchte ein damals 72-jähriger Mann, welcher mit seiner Ehefrau mit dem Auto beim Postplatz vorbeifuhr, den Beschuldigten dazu zu bringen, von der Frau abzulassen. Der Beschuldigte steht in Verdacht, in der Folge den Mann mit dem Beil angegriffen und dessen Tod in Kauf genommen zu haben. Der Mann erlitt Schnittverletzungen an der Hand.

Zwischen 20 Uhr und 21 Uhr - Angriff auf Frau und Autounfall

Nach den ersten zwei Attacken begab er sich zur Ehefrau des Mannes, deren Auto er entwenden wollte. Nach einem Wortgefecht mit der damals 59-jährigen Frau schlug der Beschuldigte mit dem Beil auf sie ein und fügte ihr am Unterarm eine Rissquetschwunde zu. Danach entwendete der Beschuldigte das Auto und fuhr vom Postplatz in Flums in Richtung Garnischastrasse. Dort verlor er die Kontrolle über das Fahrzeug und prallte in einen Gartenzaun.

Nach 21 Uhr - Angriff auf eine Frau in der Tankstelle

Nachdem der Beschuldigte vergeblich versuchte, sich mit einem unverschlossenen Fahrzeug nach Lettland abzusetzen, begab er sich zu Fuss zur Agrola Tankstelle in Flums. Er attackierte dort mutmasslich in Tötungsabsicht eine damals 44-jährige Frau mit einer Schere und verletzte sie, bevor sie fliehen konnte, im Gesicht. Er tat dies, um ihr Fahrzeug zu entwenden, was ihm aufgrund des fehlenden Fahrzeugschlüssels nicht gelang.

Zwischen 21 Uhr und 21.30 Uhr - Angriff auf schwangere Frau

Der Beschuldigte begab sich nach der Attacke auf eine 44-Jährige zum nächsten parkierten Fahrzeug, in dem eine damals 27-jährige Frau sass, welche im achten Monat schwanger war. Er versuchte, die Fahrertüre ihres Autos zu öffnen. Eine damals 21-jährige Frau eilte zur Hilfe und wurde darauf vom Beschuldigten mit dem Beil attackiert. Dabei nahm der Beschuldigte mutmasslich deren Tod in Kauf. Sie erlitt dabei Verletzungen an der Hand. Zwischenzeitlich konnte die 27-jährige Frau aus ihrem Auto fliehen.

Kurz vor 21.30 Uhr - Zweiter Unfall und Verhaftung durch Kantonspolizei

Der Beschuldigte setzte sich ins Fahrzeug und fuhr in die Fassade des Tankstellenshops, weil er den Rückwärtsgang nicht einlegen konnte. Danach wurde er von der Kantonspolizei St.Gallen verhaftet.