Bei Zahlungen war «Wurm drin»

GRABS. 46mal in 45 Monaten wurde die Schlegel Group von Unternehmer und Politiker Paul Schlegel aus Grabs betrieben. Damit soll nun Schluss sein: «Per heute Donnerstag sind alle Ausstände bezahlt», betonte Schlegel gestern.

Thomas Schwizer
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FDP-Kantonsrat Paul Schlegel (2014 in der Pfalz): «Mit Stand heute Donnerstag ist alles bezahlt.» (Bild: Urs Bucher)

FDP-Kantonsrat Paul Schlegel (2014 in der Pfalz): «Mit Stand heute Donnerstag ist alles bezahlt.» (Bild: Urs Bucher)

«Schlegel Group – für Ihre Werte und Rechte»: So preist sich die von Paul Schlegel geführte Firmengruppe an. Das mit den Werten hat die Schlegel Group, zu der vier Unternehmen mit Sitz in St.Gallen (seit 2015), Grabs und Buchs gehören, seit September 2011 selbst nicht immer so genau genommen, wie die «Weltwoche» unter Berufung auf das Betreibungsregister schreibt. Seither gingen bis Ende Mai dieses Jahres 46 Betreibungen gegen die Gruppe ein. Sie sei permanent bei verschiedenen Gläubigern in der Kreide gestanden, die betreibungsrechtlichen Ausstände hätten zwischen Fr. 2525.75 und 46 209.85 betragen.

Erst unter Druck bezahlt

Die Schlegel Group habe offenbar fast schon systematisch erst unter dem Druck der Betreibungen bezahlt, so die «Weltwoche». Gläubiger waren vor allem Pensions- und Sozialversicherungskassen, die grosse Mehrzahl der Forderungsfälle stammt von der Ausgleichskasse Gewerbe St.Gallen. Paul Schlegel spricht auf Nachfrage unserer Zeitung davon, dass praktisch ausschliesslich solche Forderungen vorlagen. Vom Arbeitgeber nicht eingezahlte Sozialversicherungsbeiträge sind allerdings kein Kavaliersdelikt – und legen die Frage nach Liquiditätsproblemen nahe.

Firmenchef Paul Schlegel betonte gestern, Mitarbeitende seien nicht zu Schaden gekommen. Schwerwiegend sei es, wenn Sozialversicherungsbeiträge gar nicht bezahlt würden, das sei hier nicht der Fall. 90 Prozent der Betreibungen seien auf AHV-Beiträge bis zu 4600 Franken zurückzuführen gewesen. Die Schlegel Group habe keine Liquiditätsprobleme, betonte der Firmenchef entschieden.

«Ich stehe zu Fehlern»

Warum denn die vielen Betreibungen? «Ich stehe zu Fehlern», sagt dazu Paul Schlegel. «Bei den Zahlungen an die Sozialversicherungen war der Wurm drin.» Die Firma sei gewachsen und die Administration letztlich dafür unterdotiert gewesen. Da er sich in den letzten fünf Jahren politisch ausserordentlich stark engagiert habe und sehr oft abwesend gewesen sei, habe er das nicht realisiert.

«Die Fehler der ausstehenden Zahlungen sind jetzt aber korrigiert», betont Schlegel. Er habe «das Dossier nun selbst in die Hand genommen». Zudem habe er in der Administration eine personelle Aufstockung vorgenommen. Er fügt bei: «Heute sind alle Ausstände bezahlt.» Unserer Zeitung liegt eine schriftliche Bestätigung der Ausgleichskasse Gewerbe St. Gallen von gestern vor, in der das betreffend der AHV bestätigt wird. Ausserdem versichert Schlegel, dass auch die Mehrwertsteuerausstände bezahlt seien.

Er betont, die Mitarbeitenden und beauftragte Handwerker hätten immer termingerecht die (Lohn-)Zahlungen erhalten. Unsere Zeitung weiss, dass drei Mitarbeitende in den letzten Monaten Lohnforderungen auf dem Betreibungsweg einforderten. Zwei Ausscheidende hatten ihre Lohnausweise zeitgerecht erhalten. Nach dem Betreibungsbegehren wurde ihnen der Lohn umgehend überwiesen. Paul Schlegel liefert, damit konfrontiert, offen Erklärungen und führt Unstimmigkeiten ins Feld. Die Forderung eines Dritten wurde schliesslich ebenfalls bezahlt – unter Vereinbarung von Stillschweigen. Als Arbeitgeber habe man sich sozial verhalten, ist der Firmenchef überzeugt.

Der Druck wirkte

Der Druck durch die Gläubiger hat, das zeigt die hohe Zahl der Betreibungen, fast vier Jahre lang bewirkt, dass immer wieder die dringendsten Forderungen der Ausgleichskasse bezahlt wurden. Die These, hinter den Zahlungsverzögerungen stecke «ein System», hat auch unsere Zeitung während ihrer Recherche mehrfach gehört. Möglicherweise hat das Ende seines Kantonsratspräsidenten-Jahres Anfang Juni bei Firmenchef Schlegel wieder nötige Kapazitäten freigemacht. Zudem liegt der Schluss nahe, dass die journalistischen Recherchen massiv Druck ausgeübt haben, damit die Schlegel Group offenbar ihre Ausstände nun beglichen hat. Paul Schlegel stellt das in Abrede. Schon einige Tage vor der Anfrage der «Weltwoche» seien alle Forderungen erledigt gewesen.

Auf der Homepage der Schlegel Group steckte gestern aber noch der Wurm drin. Hier stand noch Grabs als Firmensitz der Gruppe und der Swissimmopool – beide sind seit Anfang 2015 in St. Gallen domiziliert. Das werde korrigiert, so Schlegel. Ebenso Vertretungen in Slowenien und Kosovo, der dortige Vermittler sei nicht mehr für die Gruppe tätig.

Weiter gehören zur Schlegel Group die ABA Brokers GmbH (Versicherungsbroker, Buchs), die Alvetia Rechts- und Unternehmensberatung GmbH und die Kommunalberatung GmbH (beide in Grabs).

Restrukturiert und Sitz verlegt

Der Firmenchef bestätigt, dass im Rahmen einer Restrukturierung Arbeitsplätze abgebaut wurden. Heute seien an den Standorten der Schlegel Group inklusive der sieben Aussenstellen 25 Mitarbeiter auf der Lohnliste und mit nochmals so vielen Vermittlern werde abgerechnet.

Paul Schlegel betont, dass er privat und in anderen seiner Tätigkeiten keine Ausstände hatte und habe – mit Ausnahme der Schäfli Immobilien AG in Grabs, wo er Verwaltungsratspräsident ist. Hier sind laut der «Weltwoche» zwei Betreibungen hängig. «Diese Forderungen wurden bezahlt», sagt Schlegel. Leider seien trotz der Zahlung die beiden Betreibungsbegehren noch nicht zurückgezogen worden.

Übrigens: Selbst mit Verweis auf das Öffentlichkeitsprinzip hat unsere Zeitung bei den Recherchen von den Betreibungsämtern Grabs-Gams und Buchs keinen Registerauszug erhalten.