«Bei Fremden wird es heikel»

ST.GALLEN. Kürzlich ist in Uznach eine 68-jährige Frau von einer Mutterkuh zu Tode getrampelt worden. Wie kann man solche Tragödien verhindern? Ein St.Galler Bauernpaar erzählt, wie heikle Situationen gar nicht erst entstehen können.

Urs-Peter Zwingli / Adrian Vögele
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Hektik kann gefährlich sein: Eine Mutterkuh mit Kalb nimmt Kontakt mit Bäuerin Christina Falk auf. (Bild: Ralph Ribi)

Hektik kann gefährlich sein: Eine Mutterkuh mit Kalb nimmt Kontakt mit Bäuerin Christina Falk auf. (Bild: Ralph Ribi)

Der Fall der 68-Jährigen, die in Uznach von einer Mutterkuh tödlich verletzt wurde, nachdem die Frau das neugeborene Kalb von dem Tier absonderte, hat Peter und Christina Falk «erschüttert». Seit fünf Jahren halten die beiden auf ihrem Hof in St. Gallen rund 20 Tiere in einer Mutterkuh-Herde. Dabei haben sie einiges über die Tiere gelernt. Wichtig sei vor allem, dass zwischen Mensch und Tier eine enge Beziehung bestehe, sagen die Falks. «Wenn Fremde auf die Weide kommen, wird es heikel.»

Hektik ist gefährlich

Diese Erfahrungen haben Falks etwa schon mit unvorsichtigen Wanderern gemacht, die eine Weide überquerten, auf der sich Mutterkühe mit Kälbern befanden. Ansonsten sei der Umgang mit den Tieren aber nicht gefährlich, solange man diese «ernst nehme» und «keine Hektik aufkommen lässt». Zudem sei für jeden Mutterkuh-Bauern wichtig, einen so genannten «Behandlungsstand» – eine Art Käfig, in dem die Tiere untersucht werden können – auf dem Hof zu haben.

Unterschiede zwischen Rassen?

Die Meinung, dass vor allem der Umgang des Halters mit den Tieren entscheidend ist in der Mutterkuhhaltung, vertritt auch der Verein «Mutterkuh Schweiz». «Bei der Frage, ob eine Mutterkuh aggressiv ist oder nicht, spielt die Rasse überhaupt keine Rolle», ist Regula Schneider, Leiterin Kommunikation des Vereins, überzeugt. Anders sieht dies Rinderzucht-Experte Reto Grünenfelder vom Landwirtschaftlichen Zentrum St. Gallen. «Manche Rassen, wie Galloway- oder Angusrinder, wünschen keine enge Beziehung zum Menschen», sagt er.

Eine solche aufzubauen, brauche bei diesen Rassen deshalb sehr viel Zeit.

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