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Serie

Bei diesem Vitaparcours trifft man auf Wasserbüffel und Unken

Magerwiese statt Bäume, Sägemehl statt Waldboden – der Parcours in Niederbüren ist alles andere als klassisch. Speziell ist auch sein Standort: Er liegt in einem Schutzgebiet für Amphibien.
Text: Ursula Wegstein
Michael Huber, Grundbuchverwalter der Gemeinde Niederbüren, hatte die Idee, auf dem Areal der ehemaligen Kiesgrube einen Vitaparcours mit Finnenbahn einzurichten.(Bild: Michel Canonica)

Michael Huber, Grundbuchverwalter der Gemeinde Niederbüren, hatte die Idee, auf dem Areal der ehemaligen Kiesgrube einen Vitaparcours mit Finnenbahn einzurichten.
(Bild: Michel Canonica)

Dies ist ein Artikel der "Ostschweiz am Sonntag". Die ganze Ausgabe lesen Sie hier

Prächtig blüht der Klee in Rot und Weiss. Schafgarben ragen zwischen den Gräsern hervor. Der Blick schweift in die Weite: Dörfer und Wald schmiegen sich sanft an die Hügel des St. Galler Fürstenlandes. Von seinem Hund begleitet, zupft ein Bauer Unkraut aus der Wiese. Eine Joggerin dreht auf dem Vitaparcours in Niederbüren ihre Runden. Nur Rennen? Geht auch. Auf der 500 Meter langen Rundbahn lassen sich Kilometer machen.

«Stellen Sie Ihr persönliches Programm nach Lust und Laune, Tagesform oder Trainingsziel zusammen», steht auf dem Schild zu Beginn des Parcours. Und: «Bitte aufwärmen, bevor Sie loslaufen. Drei bis fünf Minuten Hüpfen, Gehen oder Laufen». Die Entscheidung fällt fürs Hüpfen. Danach jeweils zehnmal die Füsse nach vorn und hinten kippen, aus der Kauerstellung in den Zehenstand wechseln und hüpfend die Beine grätschen und kreuzen. Für Kinder zeigen Reh, Eichhörnchen und Eule auf eigenen Tafeln des Junior Vitaparcours kindgerechte Übungen an jeder der sechs Stationen. Mit Variationen im Armschwingen wird nun der Oberkörper trainiert und das Herz-Kreislauf-System angekurbelt. Der Vitaparcours verläuft auf einer dreissig Zentimeter dicken Sägemehlbahn, die zum Barfusslaufen gemacht ist. Es rennt sich fast wie auf Wolken.

Von der Kiesgrube zum Sportareal

«Unser Vitaparcours ist sicher speziell», sagt Michael Huber. Der Grundbuchverwalter der Gemeinde Niederbüren hatte einst die Idee für eine Finnenbahn auf dem Areal der ehemaligen Kiesgrube. «Über fünfzig Jahre wurde hier Kies abgebaut», erzählt er. Als Entschädigung für den jahrzehntelangen Lastwagenverkehr durch den Ort habe die Hastag St. Galler Bau AG den Bewohnern etwas zurückgeben wollen und diesen Vitaparcours finanziert. Der Parcours - die ­Nummer 541 in der Schweiz - ist mit einer Länge von 500 Metern der kürzeste Rundlauf in der Region. Und er ist der Neuste – vor knapp zwei Jahren war die Eröffnung.

Der kürzeste Vitaparcours der Ostschweiz bietet Fitness mit Ausblick. (Bild: Michel Canonica)

Der kürzeste Vitaparcours der Ostschweiz bietet Fitness mit Ausblick.
(Bild: Michel Canonica)

Mit dem Aushub des Kybunparks St. Gallen wurde die ehemalige Kiesgrube aufgefüllt. Und renaturiert: Auf dem Gelände blüht jetzt eine ökologische Magerwiese. Sie kommt ganz ohne Humus aus und darf nur nach bestimmten Vorgaben abgemäht werden. Die Magerwiese verändert sich noch. «Erst nach fünf bis zehn Jahren hat jede Pflanze ihre Nische und das ganze Ökosystem sein Gleichgewicht gefunden», sagt Beat Haller, Leiter Natur und Boden des Fachverbands der Schweizerischen Kies- und ­Betonindustrie.

Amphibienlaichgebiet von nationaler Bedeutung

Aus dem künstlichen Tümpel mit dem Schlammwasser des Kiesabbaus wurde ein natürlicher Weiher. Das gesamte Gebiet ist als Amphibienlaichgebiet von nationaler Bedeutung ausgewiesen. Bergmolche, Erdkröten, Gelbbauchunken, Geburtshelferkröten und vielerlei Arten von Fröschen kommen hierher, um zu laichen. Huber zeigt auf die grossen Steinhaufen. «Die liegen hier nicht zufällig», sagt er. «Die Haufen dienen den Amphibien als Unterschlupf und Sonnenplatz.» Auch Dachs, Fuchs, Marder, Biber, Fischreiher und Schlangen haben hier einen Lebensraum, wie Huber erklärt.

Wasserbüffel als Landschaftspfleger

Für die Landschaftspflege rund um die Weiher sorgen Wasserbüffel eines nahe gelegenen Mozzarellaproduzenten: Indem sie das Schilf abfressen, verhindern sie, dass die Weiher zuwuchern. Ihr Trampeln hilft ausserdem gegen die Austrocknung. Beim Suhlen wirbeln die Wasserbüffel den Schlamm auf und sorgen für Bewegung im Weiher und damit für eine Zirkulation des Wassers.

Die Wasserbüffel fressen das Schilf ab, damit der Weiher nicht zuwuchert.(Bild: Michel Canonica)

Die Wasserbüffel fressen das Schilf ab, damit der Weiher nicht zuwuchert.
(Bild: Michel Canonica)

Wer pflegt und unterhält den Vitaparcours?

Für die Pflege des Vitaparcours in Niederbüren ist Vinzenz Werz zuständig. Jede Woche fährt der pensionierte Bauschlosser den Parcours mit einem Quad ab, an dem ein Rechen hängt. Der Pensionär rauht die Sägemehlbahn auf und glättet sie anschliessend wieder. Wenn nötig, streut er frisches Sägemehl aus. Tierkot nimmt er auf. «Die Sauberkeit hier überrascht mich», sagt Werz. «Die Leute nehmen ihren Abfall mit. In den knapp zwei Jahren seit Eröffnung habe ich noch keine zehnmal Müll aufgesammelt.» Für das Abmähen der Magerwiese sorgen zwei benachbarte Landwirte. Die Wasserbüffel eines Mozzarellaproduzenten halten die Naturweiher instand. Der Unterhalt des Parcours kostet der Gemeinde 2000 bis 3000 Franken pro Jahr.

Ein leichter Zugwind bläst über die Anhöhe. «Wir haben uns bewusst gegen das Anpflanzen von Bäumen entschieden, da wir die schöne Aussicht nicht versperren wollten», sagt Michael Huber. «Gute Übersicht statt Wald wird vor allem von Frauen sehr geschätzt», sagt er.

An einem Platz mit Rundumblick sorgen Übungen für Kraft im Oberkörper und im Beckenboden. Die Standwaage auf dem Schwebebalken verlangt Gleichgewicht und Körperspannung. Noch zwei Klimmzüge – klappt nicht. Fünf Liegestütze vorwärts und rückwärts sorgen zum Schluss für ausreichend Gesichtsfarbe. Jetzt nur noch Nachdehnen.

Der Vitaparcours Niederbüren ist ein ideales Sportprogramm für Eilige, das gut in 30 Minuten machbar ist. Er ist täglich bis 21 Uhr beleuchtet. Man kann also auch im November nach der Arbeit hier noch seine Runden drehen.

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