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Bei Bise starten sie nach Süden

Das Bundesamt für Zivilluftfahrt will die Sicherheit des Flughafens Zürich bei Bise durch Südstarts verbessern. Die Region Osten wird entlastet. Doch eine Pistenverlängerung bereitet Sorgen.
Thomas Wunderlin

Zwei gleichzeitig startende Passagierflugzeuge wären am 15. März 2011 fast zusammengestossen. Eine Expertengruppe stellte fest, dass sich die geographische Lage des Flughafens Kloten, das Pistenkreuz und lärmpolitische Vorgaben negativ auf die Sicherheit auswirken. Seither ist der Bundesrat daran, den Sachplan Infrastruktur Luftfahrt (SIL) des Flughafens Kloten zu überarbeiten. Nach einem ersten Schritt 2013 hat er das SIL-Objektblatt erneut angepasst. Der sogenannte SIL 2 geht nun in die Anhörung. Unter anderem kann der Kanton Thurgau Stellung nehmen. Jahre wird es dauern, bis er umgesetzt wird. Wahrscheinlich ist eine Volksabstimmung im Kanton Zürich nötig.

Zu den wichtigsten Elementen des SIL 2 gehört der Südstart geradeaus oder rechts bei Bise oder Nebel, wie bereits Ende August an die Öffentlichkeit durchsickerte. Das Bundesamt für Zivilluftfahrt (Bazl) rechnet bis 2030 mit rund 13 000 Südstarts geradeaus. Fluglärmgegner im Osten des Flughafens, insbesondere im Hinterthurgau, würden sich Südstarts den ganzen Tag durch wünschen. Davon will das Bazl nichts wissen – aus Rücksicht auf die Lärmbelastung im dichtbesiedelten Süden.

Um die Komplexität des Flughafenbetriebs zu verringern. soll die Piste 28 von 2500 auf 2900 Meter, die Piste 32 von 3300 auf 3700 Meter verlängert werden. Vorgesehen sind ausserdem Routenanpassungen bei West-Starts und bei der Linkskurve nach dem jetzigen Südstart.

Kein Ausbau der Flüge am späten Abend

Seit 2013 ist die Nachfrage nach Langstreckenflügen spätabends gestiegen. Mit dem SIL 2 wird das Gebiet mit Lärmauswirkungen festgelegt. Eine weitere Bewegungszunahme nach 22 Uhr ist nicht mehr möglich.

In Kloten landen Flugzeuge tagsüber grundsätzlich von Norden und starten gegen Westen, wie Bazl-Mediensprecher Urs Holderegger erklärt. Bei Bise (Ostwind) können sie nicht gegen Westen starten; sie starten dann gegen Osten. Auch der Start gegen Süden ist möglich. Allerdings müssen die Flugzeuge dann sofort links abbiegen. Liegt ihr Ziel im Westen, steigen sie in einer Schraubenbewegung empor und überfliegen den Flughafen. Dabei kreuzen sie allenfalls durchstartende Flugzeuge. Der Südstart geradeaus würde dieses Sicherheitsrisiko eliminieren.

In den deutschen Sperrzeiten von 21 bis 23 Uhr (am Wochenende ab 20 Uhr) wird heute von Osten auf der Piste 28 gelandet und nach Norden gestartet. Da die Piste 28 relativ kurz ist, können schwere Langstreckenflugzeuge bei Nässe oder Bise nicht darauf landen. In solchen Fällen kann der Flugkapitän entscheiden, dass er von Süden landet. Dadurch kreuzt er andere Flugwege, die angepasst werden müssen. Für den Osten bedeutet Bise somit tagsüber Belastung, abends Entlastung.

Zu den Auswirkungen des SIL 2 sagt Bazl-Sprecher Holderegger: «Der Kanton Thurgau muss seinen Richtplan nicht anpassen, im Unterschied zu Zürich und dem Aargau.» Die Abflüge nach Süden bei Bise brächten dem Thurgau «eher eine Entlastung». Denn die Flieger starteten dann nicht mehr gegen Osten. Eine Verlängerung der Piste 28 bedeute hingegen eine gewisse Mehrbelastung in den deutschen Sperrzeiten.

Regierungsrätin Haag sieht positives Zeichen

Die meisten Anpassungen des SIL-Objektblatts beträfen Sicherheitsmassnahmen, sagt die Thurgauer Regierungsrätin Carmen Haag. «Sie sind gut begründet und nachvollziehbar.» Dabei handle es sich um eine «erste grobe Einschätzung». Der Kanton Thurgau erhalte die Unterlagen erst in ein paar Tagen. «Die Verlängerung der Piste 28 werden wir genauer anschauen.» Momentan scheine sie keine Auswirkungen auf den Thurgau zu haben. Es gebe Befürchtungen, dass darauf längerfristig ein Ostkonzept aufgebaut werde. Die vermehrten Südstarts wertet die CVP-Politikerin als «gutes Zeichen in die richtige Richtung». Statt 1000 wie bisher sollen es 13 000 werden. Der Bund gebe der Sicherheit Priorität vor politischen Überlegungen.

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