Behörden und Private sind bei der Vorsorge vor Unwettern gefordert

ST.GALLEN. Die Unwetter werden heftiger, die Schäden grösser. Gegensteuer geben die Behörden mit millionenteuren Projekten für die Hochwassersicherheit, wie sie für die Bäche zwischen Wil, Wilen und Rickenbach geplant sind, die letzten Sonntag zum Problem wurden. Zunehmend werden Hausbesitzer in die Pflicht genommen.

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Verwüstung nach dem Unwetter in Kradolf. (Bild: Nana do Carmo)

Verwüstung nach dem Unwetter in Kradolf. (Bild: Nana do Carmo)

Nach dem Unwetter vom letzten Sonntagabend mit starken Regenfällen in den Regionen um Wil und um Kradolf-Schönenberg trafen in den Notrufzentralen die Anrufe im Minutentakt ein, innert weniger Stunden kamen 900 Schadensmeldungen zusammen. Fast immer ging es dabei um Keller oder Garagen voller Wasser.

Solche Ereignisse wie am Sonntagabend oder wie letzten Sommer in Altstätten, als nach extremen Regenfällen kleine Bäche plötzlich anschwollen, häuften sich, stellt Renato Resegatti, Direktor der Gebäudeversicherungsanstalt des Kantons St.Gallen (GVA) fest. "Das ist ein Trend, der nach oben zeigt", erklärte er.

Teure Massnahmen
Gibt es Rezepte dagegen? Resegatti verweist auf Gefahrenkarten, die für den ganzen Kanton St.Gallen vorliegen. Sie zeigen auf, welche Regionen bei Unwetter oder Hochwasser besonders bedroht sind. Eine Konsequenz daraus: Es sollten keine gefährdeten Gebiete mehr eingezont werden, fordert der GVA-Direktor.

Mehr Sicherheit kostet viel Geld: Quer durch die Schweiz wird in Hochwassersicherheit investiert. Bisher seien die Massnahmen auf Schadensereignisse ausgelegt, die alle hundert Jahre vorkommen könnten. Die Tendenz sei allerdings, dass sich solche Unwetter inzwischen eher alle 50 Jahre ereigneten.

Projekt in Planung
In den vom Unwetter besonders betroffenen Gemeinden Rickenbach, Wilen und Wil waren bereits Massnahmen geplant. Marco Baumann, Leiter der Abteilung Wasserbau und Hydrometrie im Thurgauer Amt für Umwelt, bestätigt einen Bericht des Regionaljournals Ostschweiz vom Dienstagmorgen. Es handelt sich um ein Projekt der Kantone St.Gallen und Thurgau.

Seit 2010 wird an einem Massnahmenpaket für den Alp-, Krebs− und Huebbach gearbeitet. Inzwischen steht es vor der Realisierung. Die Kosten von 28 Millionen Franken verteilen sich auf den Bund, die beiden Kantone sowie die betroffenen Gemeinden. Solche und ähnliche Vorhaben gibt es quer durch die Ostschweiz. Auch in Kradolf-Schönenberg arbeite man an Massnahmen für die Hochwassersicherheit, weiss Marco Baumann.

Hauseigentümer in die Pflicht nehmen
Neben den Behörden sind allerdings auch Private gefordert. In der Junisession des St.Galler Kantonsrats wurde in erster Lesung ein Gesetz beraten, das der GVA die Möglichkeit einräumt, Hausbesitzern, die sich um eigene Massnahmen für den Schutz vor Unwetter oder Hochwasser foutieren, die Zahlungen nach Schäden zu kürzen.

Das sei allerdings nur bei Grobfahrlässigkeit vorgesehen, präzisiert Resegatti. Oft reichten zudem wenige Massnahmen, um sich zu schützen. Dazu gehören Erhöhungen von Schwellen oder Lichtschächten, der Einsatz von Panzerglas, damit Kellerfenster von den Wassermassen nicht eingedrückt werden können oder mobile Sperren, die Türen dicht machen.

Hochwasserschutz ist auch Thema der Revisionen der kantonalen Baugesetze, die sowohl im Thurgau als auch im Kanton St.Gallen am Laufen sind. Konkret geht es dabei um die Verpflichtung der Hauseigentümer zum Schutz eines Objekts, wenn es in einer gefährdeten Zone liegt. (sda)