Begehrte Bohnen für Tofu

Der Anbau von Biosoja sei für Landwirte lukrativ, sagt Bio Suisse. Die Inlandproduktion deckt jedoch nicht einmal die Hälfte der Nachfrage ab. Andy Vogel-Kappeler ist einer der wenigen Ostschweizer Bauern, welche die Pflanze kultivieren.

Gjon David
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Biobauer Andy Vogel-Kappeler baut seit drei Jahren Biosoja an. (Bild: Reto Martin)

Biobauer Andy Vogel-Kappeler baut seit drei Jahren Biosoja an. (Bild: Reto Martin)

Seit fast 17 Jahren wird in der Schweiz Biosoja für den Handel angepflanzt. Die heutigen Produktionsflächen vermögen aber das Bedürfnis des Marktes nicht abdecken, wie Sabine Lubow, Mediensprecherin von Bio Suisse, sagt. «Wir sind generell bestrebt, Produzenten zum Anbau von Biosoja zu motivieren, und die Absatzmöglichkeiten sind hervorragend.»

St. Gallen nicht geeignet

Aktuell werde mehr als die doppelte Menge Biosoja für die Tofuproduktion nachgefragt, als durch die Inlandproduktion gedeckt werden könne, so Lubow. «Denn alternative Verpflegungsmöglichkeiten und die vegetarische Ernährung werden zunehmend beliebter.» Eine deutliche Steigerung der Anbauflächen sei somit gut möglich.

Im Kanton Thurgau hätten 2013 vier bis fünf Landwirte Biosoja kultiviert, sagt Jakob Rohrer, vom Bildungs- und Beratungszentrum Arenenberg. «St. Gallen und die beiden Appenzell sind für den Anbau kaum geeignet. Es befinden sich auch keine Sojaproduzenten in diesen Kantonen», sagt Lubow. «Der Anbau wäre klimatisch im Rheintal noch am ehesten möglich.»

Ein Landwirt aus dem Thurgau, der Biosoja anpflanzt, ist Andy Vogel-Kappeler aus Wäldi. Der Biobauer ist überzeugt, dass die Kultivierung von Biosoja auch in der Ostschweiz Zukunft hat. Seit drei Jahren baut er die gefragte Sojaknospe auf ein bis zwei Hektaren an und erzielt einen Ertrag von bis zu drei Tonnen. Die Sojabohnen liefert er dann dem Agrarhandelsunternehmen Fenaco, dem Hauptabnehmer von Biosoja in der Ostschweiz.

Die Lehre irrt

Gemäss Sabine Lubow beträgt der aktuelle Richtpreis für Biosoja 220 bis 225 Franken pro 100 Kilogramm. Der Anbau sei für Landwirte sehr lukrativ, sagt sie. Dieser Meinung ist auch Vogel-Kappeler: «Ich habe mit dem Anbau gute Erfahrungen gemacht.» Der Landwirt erzählt, dass er in der Gegend der erste gewesen sei, der Biosoja angepflanzt habe. «Letztes Jahr konnte ich zwei weitere Kollegen dafür motivieren, und dieses Jahr kommen erneut mindestens zwei Produzenten dazu.»

Die Möglichkeit der einheimischen Sojakultivierung sei jedoch noch vielen Bauern unbekannt. «Die Lehrmeinung sagt, dass der Anbau in unserer Gegend nicht möglich ist. Davor schrecken viele Bauern zurück.» Grundlegende Voraussetzungen seien ein geeignetes Klima und ein geeigneter Boden. «Ein warmes und nicht zu trockenes Klima ist also optimal.»

Experten gehen davon aus, dass ein Anbaugebiet nicht über 550 Meter über Meer liegen sollte. «Wäldi liegt aber etwa 600 Meter über Meer, und trotzdem klappt es hervorragend», sagt Vogel-Kappeler mit einem breiten Grinsen. Er hofft nun, dass viele Landwirte ebenfalls den Schritt wagen und Biosoja anpflanzen.

Jakob Rohrer ist zuversichtlich: «Es ist zu erwarten, dass die Anbaufläche 2014 gegenüber dem Vorjahr zunehmen wird.» Lubow ist ebenfalls optimistisch: «Im vergangenen Jahr bauten Landwirte in der Ostschweiz auf etwa 22 Hektaren Biosoja an.» 2012 seien es noch neun Hektaren gewesen.

Unkraut macht Soja zu schaffen

Der Saatzeitpunkt sei ab Anfang Mai, sagt Vogel-Kappeler. «Frühere Zeitpunkte sind nicht zu empfehlen, weil die Pflanzen langsamer auflaufen und die Felder stärker verunkrauten.» Ausserdem müsse der Boden eine Temperatur von über zehn Grad haben. Unabdingbar sei zudem eine Impfung des Saatguts oder des Bodens mit Knöllchenbakterien. Je nach Vorfrucht und allgemeiner Bodenbeschaffenheit könne der Unkrautdruck hoch sein. «Jedoch lässt sich das Feld mit technisch-maschinellen Mitteln weitgehend unkrautfrei halten», sagt der Landwirt. Vor der Saat empfiehlt er eine Unkrautkur mit dem Striegel. Nach der Saat könne vor dem Auflaufen «blind» gestriegelt werden. «Dazu muss aber die Saattiefe mindestens drei bis vier Zentimeter betragen.»

Die Erntezeit beginnt Ende September, wenn alle Blätter abgefallen sind. Anschliessend werden die harten Körner zu Ostschweizer Biotofu verarbeitet. Der Prozess ähnelt dem der Käseherstellung: Zuerst werden die Bohnen gemahlen und mit Wasser gekocht. Die Masse wird gepresst, geschnitten und ins kalte Wasser eingelegt. Das in der Schweiz angebaute Biosoja ist ausschliesslich für die menschliche Ernährung bestimmt.