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BEGEGNUNG: Der Star, der Fan und die Kirche

Piotr Galus will den ehemaligen Fussballstar Jerzy Gorgon kennen lernen. Doch 780 Kilometer Luft­linie trennen den polnischen Buben von seinem Idol. Dank der katholischen Kirche kommt es trotzdem zum Treffen.
Fredi Kurth
Der 14-Jährige Pole Piotr Galus trifft in der Schutzengelkapelle in St. Gallen sein Vorbild Jerzy Gorgon. (Bild: Michel Canonica)

Der 14-Jährige Pole Piotr Galus trifft in der Schutzengelkapelle in St. Gallen sein Vorbild Jerzy Gorgon. (Bild: Michel Canonica)

Fredi Kurth

nachrichten@ostschweiz-am-sonntag.ch

Auf dem Klosterplatz in St. Gallen wird am Donnerstag in der Mittagshitze geprobt. Im Sommer­tenue üben die Akteure Passagen zur Märchenoper «Loreley». Niemand ahnt, dass nebenan in der Schutzengelkapelle ebenfalls Ungewöhnliches geschieht: Ein ehemaliger Fussballstar und ein Bewunderer von ihm sehen sich dort zum ersten Mal.

Jerzy Gorgon, der frühere Spieler des FC St. Gallen, ist 53 Jahre älter als Piotr Galus, sein grosser Verehrer. Das passt nicht ins Schema. Denn junge Fans himmeln in der Regel aktuelle Stars an, nicht jene aus den vergilbten Alben ihrer Väter. Doch der 14-jährige Gymnasiast aus Katowice ist tief beeindruckt von Jerzy Gorgon. Er hat gelesen, dass der Internationale aus der gloriosen Zeit des polnischen Fussballs auch den christlichen Glauben pflegt und zwar als Hilfsmesmer für die polnische Mission in St. Gallen. Piotr, selber Minis­trant, ist fasziniert, dass sich ein erfolgreicher Fussballprofi auch für die Kirche engagiert. Das kommt selbst im streng katholische Polen selten vor. Pjotr schreibt einen Brief. Das Couvert ist adressiert mit «Jerzy Gorgon, Herz-Jesu-Kapelle, St. Gallen, Schweiz».

Samt Familie nach St. Gallen eingeladen

Dort ist Gorgon an jedem vierten Sonntag im Monat im Einsatz. «Ich habe diese Aufgabe vor wenigen Jahren als Ersatz von einem polnischen Landsmann übernommen.» Doch beim Dom­pfarramt, wo der Brief ankommt, kennt den ehemaligen Fussballprofi zunächst niemand. Dom-pfarrer Beat Grögli gesteht: «Von Fussball habe ich keine Ahnung.» So droht der Brief des Buben irgendwo in einem Aktenberg zu verschwinden. Schliesslich gerät er bei Stabsmitarbeiter Christof Eberle doch noch in die richtigen Hände: Das ehemalige Mitglied der Schweizergarde kennt sich etwas aus im Fussball – der Vatikan stellt schliesslich eine eigene Mannschaft.

Also wird Jerzy Gorgon, der seit 1980 in Abtwil wohnt, zusammen mit seiner Frau Beata zur Mittagsmesse aufgeboten. Bereits zuvor hat das Dompfarr-amt Piotr Galus samt Familienanhang für ein paar Tage nach St. Gallen eingeladen. So ist die Schutzengelkapelle mit rund 40 Personen gut besetzt. «Wir haben polnische Gäste unter uns», sagt Beat Grögli und erläutert kurz den Zusammenhang. ­Piotr Galus ministriert zusammen mit einem hier lebenden polnischstämmigen Kind, das ebenfalls Pjotr heisst, und später gekonnt dolmetscht. Jerzy Gorgon sitzt derweil in einer der hinteren Reihe, singt die Lieder mit klarer Stimme und beherrscht die Rituale des katholischen Gottesdienstes. Das Abendmahl verabreicht der Dompfarrer zusammen mit Alojz Tomiszek, einem ebenfalls polnischen Kollegen.

Das Leibchen, das einst Gorgon trug

Ja, alles passt zusammen. Auch dass der junge Hauptakteur zum Geschlecht Galus heisst. Nach der Messe geniesst Pjotr im privaten Hinterhof des Klosterbezirks zusammen mit den Begleitern eine St. Galler Bratwurst. Er ist nicht nur überwältigt vom Augenblick der Begegnung und der 1,92 Meter grossen Gestalt von Jerzy Gorgon, sondern auch vom Geschenk: einem Originalleibchen der polnischen Nationalmannschaft, das Gorgon einst getragen hat. Piotr spielt in der Freizeit selber Fussball, ist Fan vom lokalen Verein FC Katowice und von Celtic Glasgow, dem katholischen Spitzenverein Schottlands. Später möchte er einmal Journalist werden.

Nach ausgiebigem Programm, unter anderem einem Alpstein-Weekend mit Wanderung, kehren die polnischen Gäste morgen nach Polen zurück. ­Piotr wird bemerkt haben, dass Jerzy Gorgon so gar nicht dem gängigen Bild eines Fussballstars entspricht. Pendants seiner Zeit waren Franz Beckenbauer oder Johan Cruyff. Gorgon, Olympiasieger 1972 und WM-Dritter 1974 mit Polen, sowie Europacupfinalist mit seinem Heimatverein Gornik Zabrze, lebt in einer Wohnung unweit des Kybunparks und war nach seiner Karriere als Hubstaplerfahrer bei einem Grossverteiler tätig.

Dompfarrer Beat Grögli stellt nach der gelungenen Begegnung fest: «Nicht nur Fussball, auch die Kirche verbindet.»

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