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Nach Schändung in Gossau abgeblitzt

Ein 20-jähriger Schweizer hat am Kantonsgericht St. Gallen einen Freispruch vom Vorwurf der Schändung verlangt. Dieses wies den Berufungsantrag aber ab.
Claudia Schmid

Mit der Abweisung der Berufung hat das Kantonsgericht sowohl den Schuldspruch als auch die Höhe der Sanktion geschützt, die das Kreisgericht St. Gallen im Oktober 2017 ausgesprochen hatte. Die Vorinstanz hatte den Beschuldigten damals zu einer ­bedingten Freiheitsstrafe von 22 Monaten mit einer Probezeit von drei Jahren verurteilt.

Vorgeworfen wird dem Mann, dass er an einer betrunkenen und halb schlafenden Frau den Beischlaf vollzogen hat. Die Frau war mit einem Kollegen im Ausgang und trank offenbar reichlich Alkohol. Während die beiden am Bahnhof Gossau auf ein Taxi warteten, kamen der Beschuldigte und sein Cousin hinzu. Die Frau habe einen stark betrunkenen Eindruck gemacht, weshalb sie gefragt hätten, ob Hilfe benötigt werde, schilderte der Beschuldigte, wie er sein späteres Opfer kennen gelernt hatte.

Die Frau machte den Vorschlag, dass alle zusammen in die Wohnung ihres Kollegen gehen könnten, um noch etwas zu trinken. Offenbar setzten sie sich dort zu viert auf den Balkon, redeten und tranken weiter Alkohol. Als er auf die Toilette gegangen sei, sei ihm die Frau schwankend entgegengekommen und er habe ihr erneut helfen wollen. Sie habe ihn darauf umarmt und angemacht. Sie seien ins Schlafzimmer gegangen, wo er die Türe abgeschlossen habe. Danach sei es zum einvernehmlichen Sex gekommen.

Die Wehrlosigkeit ausgenutzt

Dem widersprach der Staatsanwalt. Die Frau sei eine bekennende Lesbe und habe eine feste Freundin. Vielmehr habe der Beschuldigte ihre Wehrlosigkeit schamlos ausgenutzt. Nach dem ungewollten Beischlaf habe sie es geschafft, mit dem Handy ihren Kollegen zu kontaktieren. Dieser habe schliesslich an die abgeschlossene Schlafzimmertüre geklopft. Über die Situation beunruhigt, habe er zu den Cousins gesagt, es sei besser, wenn sie nun gehen würden.

Laut dem Staatsanwalt unterscheidet sich die Schändung von sexueller Nötigung und Vergewaltigung hauptsächlich dadurch, dass der Täter ein Opfer missbraucht, welches bereits widerstandsunfähig ist. Das Opfer ist grundsätzlich nicht dazu im Stande, sich gegen ungewollte sexuelle Kontakte zu wehren. Bei der Schändung kann der Grund für die Widerstandsunfähigkeit dauernd, wie beispielsweise bei Personen mit psychischen Behinderungen, oder vorübergehend sein, wie beispielsweise beim Ausnützen einer betrunkenen oder bewusstlosen Person.

Sich in Fremdsprache unterhalten

Der Verteidiger verlangte einen Freispruch. Die Frau sei nicht so stark betrunken gewesen, wie sie glauben machen wolle. Immerhin habe sie mit dem Cousin seines Mandanten, der kein Deutsch spreche, Englisch geredet. Vorstellbar sei, dass sie sich nach dem Sex mit einem Mann geschämt habe, da sie ja ihre Freundin betrogen habe.

Detailarme Aussagen des Beschuldigten

Das Kantonsgericht St. Gallen folgte der Argumentation der Verteidigung nicht und wies die Berufung vollumfänglich ab. Das Gericht erachte die Aussagen des Opfers als glaubwürdig, erklärte der vorsitzende Kantonsrichter. Die Frau habe konstant ausgesagt und den Beschuldigten nicht übermässig belastet. Auch die Schilderungen des Kollegen stützten ihre Version der Geschehnisse. Der Beschuldigte jedoch habe sich in seinen Aussagen sehr detailarm gezeigt und sich immer wieder in Widersprüche verstrickt. Für das Kantonsgericht sei der Sachverhalt erwiesen und der Tatbestand der Schändung erfüllt.

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