Pfarrer müssen draussen bleiben: St.Galler Regierungsrat schliesst die Kirche aus dem Fach Ethik – Religionen – Gemeinschaft aus

Der Bildungsrat legt fest, dass ab August 2021 nur noch Lehrpersonen der Schule das Fach ERG unterrichten dürfen. Der Religionsunterricht bleibt als Wahlfach zwar erhalten. Für die Kirchen ist der Entscheid des Regierungsrates dennoch bedauerlich.

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Fachlehrpersonen der Kirche dürfen ab August nicht mehr im Fach Ethik-Religionen-Gemeinschaft unterrichten.

Fachlehrpersonen der Kirche dürfen ab August nicht mehr im Fach Ethik-Religionen-Gemeinschaft unterrichten.

Bild: Michel Canonica

(SK/pd/mlb) Der Entscheid des St.Galler Regierungsrates trifft die Kirchen im Kanton hart. Das Fach Ethik – Religionen – Gemeinschaft (ERG) soll ab August 2021 nur noch von Lehrpersonen der Schule unterrichtet werden. Das gilt sowohl für die Primarschule als auch für die Oberstufe. Die kirchlichen Fachlehrpersonen fallen also weg – und damit auch grosse Investitionen, die die Kirchen für den Lehrplan und die Weiterbildung ebendieser Fachkräfte getätigt hatten. Dass der Religionsunterricht als Wahlfach weiterhin besteht, ist für die Kirchen nur Trostpflaster.

Die Organisation des Faches ERG gab bei der Überprüfung der Lehrplan-Rahmenbedingungen Anlass zu Diskussionen. Das räumt der Kanton in seiner Medienmitteilung ein. Dieses Fach unterrichten seit der Einführungsphase des neuen Lehrplans (2017) sowohl die Schule als auch die Landeskirchen. Von einer «schweizweit einzigartigen Sonderlösung» ist in der Mitteilung die Rede.

Der Entscheid des Regierungsrates, das Fach künftig nur noch von schulische Lehrpersonen unterrichten zu lassen, begründe sich damit, dass die fragliche Thematik in der ganzen Klassengemeinschaft gefördert worden sei. Durch die neue Regelung soll «die spaltende Wirkung des bestehenden Modells zwischen den unterschiedlichen Anspruchsgruppen – oft entlang der Abgrenzung zwischen christlichem und nichtchristlichem Hintergrund – überwunden werden».

ERG bleibt in der Primarschule eigenständig

In der Primarschule bleibt das Fach ERG indes nicht, wie sprachnational vorgeschlagen, Bestandteil des Fachs Natur, Mensch, Gemeinschaft (NMG) wird, sondern ein eigenständiges Fach in der Lektionentafel. «Dies sichert den hohen Stellenwert der entsprechenden Inhalte und erlaubt es der Schule, ihren gesellschaftlichen Integrationsauftrag bruchlos zu erfüllen», heisst es in der Mitteilung weiter.

Die Schulträger sind weiterhin gemäss Volksschulgesetz verpflichtet, den bekenntnis-bezogenen Religionsunterricht in den Stundenplan aufzunehmen und dafür unentgeltlich Schulräumlichkeiten zur Verfügung zu stellen. Die Landeskirchen bleiben mit dem Religionsunterricht ein wichtiger Teil des Schullebens. Der Kanton betont:

«Damit bleibt ein markanter Unterschied zur Lehrplanvorlage 21 bestehen. Denn diese hatte keinen Religionsunterricht vorgesehen.»

Viele Kantone wurden dadurch dazu bewogen, die Religion in den Privatbereich auszugliedern. Von diesen Kantonen unterscheidet sich der Kanton St.Gallen weiterhin.

Die Kirchen können ab Schuljahr 2021/22 den Religionsunterricht als Wahlfach flexibel entsprechend ihren Bedürfnissen anbieten. Es sind neu Bandbreiten für die Dotation dieses Wahlfachs vorgesehen. Die Kirchen hätten insbesondere die Möglichkeit, den Religionsunterricht wieder auf die Anzahl Lektionen vor Erlass des Lehrplans Volksschule auszubauen und damit die aktuellen Unterrichtspensen ihrer Lehrpersonen fortzuführen, wie aus der Mitteilung zu entnehmen ist.

Die Kirchen sind enttäuscht, suchen aber dennoch den Zusammenhalt

Die evangelisch-reformierte Kirche, das Bistum St.Gallen und der katholische Konfessionsteil raufen sich zu einer Medienmitteilung auf, in der sie ihr Bedauern ausdrücken. «Wir hätten es begrüsst, wenn die St.Galler Schülerinnen und Schüler weiterhin die Wahl zwischen ERG Schule und ERG Kirchen gehabt hätten», schreiben sie darin.

Bedauerlich sei zudem, dass die grossen Investitionen der Kirchen umsonst gewesen seien. Doch halten die Kirchen auch fest:

«Die Enttäuschung wird uns nicht daran hindern, auch in Zukunft zu einer konstruktiven Zusammenarbeit beizutragen.»

Man wolle auch weiterhin seinen Beitrag zur ethisch-religiösen Bildung leisten. Die Kirchen nehmen gemäss Mitteilung den Entscheid der Regierung zur Zukunft des Faches ERG mit Respekt zur Kenntnis und begrüssen die Tatsache, dass die jahrelangen Diskussionen und Unsicherheiten ein Ende finden. «Es freut uns, dass ERG als eigenständiges Fach erhalten bleibt, sowohl auf der Unter-, der Mittel- als auch der Oberstufe», heisst es weiter.

Zudem würden die Kirchen anerkennen, dass der Regierungsrat das Volkschulgesetz respektiert und damit Hand bietet für den möglichen Ausbau des Religionsunterrichtes innerhalb der Lektionentafel. Dieses Angebot nehmen wir gerne an. Auch in Zukunft werde es auf eine gute Zusammenarbeit zwischen Schul- und Kirchgemeinden ankommen, um vor Ort praktikable Lösungen zu finden. Weiter schreiben die Kirchen:

«So hoffen wir sehr, dass die Schulgemeinden Hand bieten, damit der Religionsunterricht nicht nur in Randstunden stattfinden wird.»

Die Kirchen würden die bevorstehende Aufgabe ökumenisch angehen und in Kürze eine Reihe von Massnahmen treffen, die einen geordneten Übergang ermöglichen - vor allem dort, wo Lehrpersonen ein grösseres Pensum verlieren.