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Bedarf an Spitex im Kanton St.Gallen
ist gestiegen

Die neue Spitex-Statistik zeigt: Die Zahl der Pflegestunden pro Person und Jahr im Kanton St.Gallen ist innert fünf Jahren von 42 auf 53 gestiegen. Und sie wird weiter zunehmen. Mit Folgen für das Personal.
Katharina Brenner
Jede fünfte Frau und jeder sechste Mann ab 80 Jahren bezieht im Kanton St.Gallen Pflegeleistungen der Spitex. (Bild: Gaetan Bally/Keystone)

Jede fünfte Frau und jeder sechste Mann ab 80 Jahren bezieht im Kanton St.Gallen Pflegeleistungen der Spitex. (Bild: Gaetan Bally/Keystone)

Die Spitex ist gefragt: Die Zahl der Personen im Kanton St. Gallen, die ihre Pflegeleistungen in Anspruch nimmt, ist von 2015 auf 2016 um rund sechs Prozent gestiegen. Im Bereich Grundpflege erbrachten die Spitex-Organisationen bei 10000 Klientinnen und Klienten 553000 Stunden Pflegeleistungen. Und sie unterstützten 8600 Personen mit 560000 Stunden im hauswirtschaftlichen und sozialbetreuerischen Bereich. Das geht aus der Spitex-Statistik der St. Galler Fachstelle für Statistik hervor, welche die Jahre 2011 bis 2016 beleuchtet.

Demnach bezieht jede fünfte Frau und jeder sechste Mann ab 80 Jahren Pflegeleistungen der Spitex. Dieser Unterschied bei den Geschlechtern sei auf die höhere Lebenserwartung von Frauen zurückzuführen. Zudem werden Männer zu Hause oft von ihren Partnerinnen betreut und gepflegt. Im Jahr 2016 waren gut 23800 Personen in St. Gallen 80 oder älter. Im Jahr 2025 sollen es rund 32500 sein.

Regelmässige Betreuung für 80 bis 90 Kinder

Nicht nur die Zahl der Klienten, auch die der Pflegestunden hat zugenommen – in allen Altersgruppen. Sie ist im Durchschnitt von 42 auf 53 Stunden gestiegen. Am grössten war der Anstieg bei der Gruppe ab 80 Jahren: von 51 auf 68 Stunden pro Person und Jahr. Die Spitex betreut aber auch jüngere Erwachsene und Kinder. Seit 2014 bieten drei Kinderspitex-Organisationen regelmässig Spitex-Leistungen im Kanton an. Sie betreuen zusammen zwischen 80 und 90 Kinder pro Jahr.

Mit durchschnittlich 53 Pflegestunden pro Person und Jahr liegt St.Gallen knapp über dem schweizerischen Mittel von 52 Stunden. Warum ist diese Zahl im Kanton deutlich angestiegen? «Man wird heute früher aus dem Spital entlassen», sagt Dominik Weber, Geschäftsleiter Spitex Verband St. Gallen und der beiden Appenzell. Er wertet die Zunahme der Pflegestunden als positiv:

«Wir kommen damit auch dem Wunsch der Klienten entgegen, so lange wie möglich zu Hause zu leben.»

Damit würden aber auch anspruchsvollere Aufgaben auf die Spitex abfallen. Kann das Pflegepersonal diese zusätzliche Arbeit auffangen? Die Bedeutung an hoch qualifiziertem Personal nehme zu, sagt ­Weber. Als Beispiele nennt er die Bereiche Wundmanagement und Palliative Care.

Fast 100 Leistungserbringer für ambulante Pflege

Gemäss Statistik machen Angestellte ohne spezifische Ausbildung im Pflegebereich, mit Pflegekurs oder Praktikanten 60 Prozent der Spitex-Beschäftigten aus. Sie arbeiten im Schnitt mit 20 Stellenprozenten. 2016 erbrachten im Kanton 97 Leistungserbringer ambulante Pflege. Die Zahl der öffentlich-rechtlichen und privat-gemeinnützigen Spitex-Leistungserbringer sank von 67 im Jahr 2011 auf 60 im Jahr 2016; die der privat-erwerbswirtschaftlichen Spitex-Organisationen stieg seit 2011 von 10 auf 16 an. In dieser Zeit haben zwischen 15 und 21 selbstständige Pflegefachpersonen im Kanton über 250 Stunden KLV-Leistungen pro Jahr abgerechnet.

Die Statistik erwähnt auch den Ertrag der Spitex: 2016 erwirtschafteten die allgemeinen ­Spitex-Organisationen einen ­Gesamtertrag von 88 Millionen Franken. Gut 33 Millionen Franken wurden von den Versicherungen bezahlt, die Klienten trugen 27,6 Millionen Franken bei. Von den Gemeinden stammten 24 Millionen Franken inklusive Defizitgarantie oder Deckungsbeitrag. Der Anteil der Gemeinden ging nach der Anpassung
des Pflegefinanzierungsgesetzes 2014 leicht zurück, der von Klienten stieg leicht an.

Massnahmen mit Blick auf demografischen Wandel

Jigme Shitsetsang ist Amtsleiter Soziales in der Stadt Gossau und war als Kantonsrat Mitglied der Kommission, die sich 2017 mit Umsetzung und Auswirkungen der Pflegefinanzierung im Kanton beschäftigt hat. Den FDP-Politiker überrascht der Anstieg an Pflegestunden und Klienten nicht. Erste Massnahmen mit Blick auf den demografischen Wandel hätte der Kanton bereits getroffen: «Er hat mittels Planungskorridor das künftige, maximale Pflegeplatzangebot zur stationären Betreuung und Pflege von Betagten festgelegt. Die ambulanten Angebote müssen bis 2035 auf mindestens 50 Prozent ausgebaut werden.» Dafür sei das entsprechende Personal notwendig.

Auch wenn das Thema unbeliebt sei, könnte es bald darum gehen, ob nicht die Beiträge der Krankenkassenversicherungen und Leistungsbezügerinnen und -Bezüger an den Pflegekosten angehoben werden müssen – zur Entlastung der Gemeinden, sagt Shitsetsang. «Zudem sollte geprüft werden, ob nicht eine gesamtschweizerische Pflegeversicherung eine Antwort wäre.»

Der demografische Wandel hört eben nicht hinter der Kantonsgrenze auf. Er betrifft die ganze Schweiz.

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