Beamtinnen strassennah im Kulturbüro

Die St. Galler Kultur bewegt! Und wie. Gestern zum Beispiel einige Twitterer, die einen kleinen Kulturskandal witterten. Der St. Galler Autor Stephan Sigg hatte in einem Tweet den Kopf Richtung Kanton St. Gallen geschüttelt: «10 Fr. Eintritt für Infoabend Werkbeiträge – hallo?!»

Marcel Elsener
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Die St. Galler Kultur bewegt! Und wie. Gestern zum Beispiel einige Twitterer, die einen kleinen Kulturskandal witterten. Der St. Galler Autor Stephan Sigg hatte in einem Tweet den Kopf Richtung Kanton St. Gallen geschüttelt: «10 Fr. Eintritt für Infoabend Werkbeiträge – hallo?!»

Damit meinte er die Veranstaltung «Alle Jahre wieder: Werkbeiträge» vom 15. Januar im Kulturbüro am St. Galler Blumenbergplatz. Warum sollte ein Infoabend über Kultursubventionen zehn Stutz kosten, wo man doch für den Vortrag über Nierensteine am Kantonsspital oder den Infoabend der PHS keinen Rappen blechen muss? Berechtigte Frage. Und Sigg, sollte man wissen, ist ein Theologe und Autor, der mit 30 schon mehr Bücher publiziert hat als die meisten Schriftsteller in ihrem ganzen Leben. Er hat dabei über Zivilcourage und Franz von Assisi geschrieben und für ein Jugendbuch über fairen Handel einen fetten Preis gewonnen. Kein dauerempörter Wirrkopf also, sondern ein Experte für Gerechtigkeit und einer, den man ernst nehmen sollte. Und so waren die kantonalen Twitterer flugs um Aufklärung bemüht: Erstens werde der Abend nicht vom Kanton, sondern vom Kulturbüro durchgeführt. Zweitens deckten die zehn Franken «Organisation, Info-Unterlagen, Raummiete und Getränke». Und drittens bezögen die Referentinnen kein Honorar, selbstverständlich.

Bei letzteren handelt es sich um Esther Hungerbühler vom kantonalen Amt für Kultur sowie Kristin Schmidt und Barbara Affolter von der städtischen Fachstelle Kultur. Ehrenwerte Damen mit einem ehrenwerten Anliegen: Der 2014 erstmals durchgeführte Infoabend soll eine Dienstleistung attraktiver machen, die von den Kulturbeamtinnen ohnehin das ganze Jahr kostenlos angeboten wird. Aber eben, vermutlich weil die Schwelle zum Verwaltungsbüro zu hoch ist, wenig genützt wird. Dagegen ist das Kulturbüro strassennah, nicht verbeamtet. Und der Eintritt zwar etwas peinlich, aber verständlich, weil er die Angebote des Kulturbüros bezahlt. Nach drei Jahren Aufbaukredit erhält die Migros für ihr Büro – das es nebst St. Gallen nur in Basel, Bern, Genf, Zürich gibt – von Stadt und Kanton nämlich kein Geld mehr.

Der Infoabend mit Eintritt erscheint damit in einem anderen Licht. 13 Kulturschaffende sind bereits angemeldet – Sigg könnte ja morgen twittern, ob er auch unter ihnen ist. Und ein Inklusive-Glas mittrinkt, für eine bewegte St. Galler Kultur.