BAUVERZÖGERUNG: Altstadtbrand hinterlässt Lücken

Nach dem Brand in Steckborn 2015 hat der Wiederaufbau der vier zerstörten Liegenschaften noch immer nicht begonnen. Unter anderem wegen der Kosten.

Rahel Haag
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Beim Brand wurden vier Gebäude zerstört. (Bild: Reto Martin)

Beim Brand wurden vier Gebäude zerstört. (Bild: Reto Martin)

In der Nacht auf den 21. Dezember 2015 wütet in der Altstadt eine Feuersbrunst. Die Bilanz: Über 160 Feuerwehrleute stehen im Einsatz, vier Liegenschaften werden teilweise oder vollständig zerstört, 30 Personen verlieren ihr Zuhause, ihr Hab und Gut, der Sachschaden beläuft sich insgesamt auf 6 Millionen Franken. An der Seestrasse klafft bis heute ein grosses Loch.

Drogist Matthias Brunnschweiler hat damals alles verloren. Nicht nur seine Wohnung, auch sein Geschäft fiel dem Brand zum Opfer. Im Januar 2016, nur fünf Wochen nach dem Feuer, konnte er seine Drogerie gemeinsam mit seiner Tochter Stéphanie in der ehemaligen ­Migros wiedereröffnen. Der neue Standort biete viel Platz. «Heute sind wir glücklich», sagt er.

Langsamer geht es dagegen mit dem Wiederaufbau der zerstörten Liegenschaften voran. Nach wie vor lebt Brunnschweiler in einer Wohnung an der Ackerstrasse. Zwar wurde vor rund einem Jahr im Rahmen eines Architekturwettbewerbs ein Siegerprojekt zum geplanten Wiederaufbau gekürt, doch noch sind keine Bagger aufgefahren. «Aktuell sind wir noch in der Planungs- und Projektierungsphase», sagt Cornelia Bein. Die Architektin sitzt in der Stiftung Ortsbild und vertritt die drei Eigentümer. «Für ihre Unterstützung bin ich dankbar», sagt Brunnschweiler. Auch der Kanton helfe, wo er könne. «Das Hochbauamt und die Gemeinde haben immer ein offenes Ohr», sagt Cornelia Bein.

Doch: «Es geht langsamer ­voran als erhofft», sagt Bein. Das hänge unter anderem mit den vielen Vorschriften, beispielsweise betreffend Brandschutz, zusammen. Diesbezüglich seien zahlreiche Abklärungen nötig. «Wir wollen möglichst früh möglichst alle Komponenten einplanen.»

Ein Haus ohne «Schnickschnack»

Ein weiterer wichtiger Punkt sind die Kosten. Deren Planung übernehme ein Büro in Kreuzlingen, Mitte Januar sollen sie vorliegen. «Ein Teil der Kosten wird von der Gebäudeversicherung übernommen», sagt Bein, «doch der Beitrag wird nicht reichen.» Dementsprechend müssten die Eigentümer für den Rest aufkommen. Liegt der Plan vor, wird geschaut, worauf verzichtet werden kann. Brunnschweiler macht deutlich: «Ich brauche keinen Palast.» Er wolle ein Haus ohne «Schnickschnack». Gleichzeitig freue er sich über geplante Verbesserungen wie beispielsweise den Lift.

Für die Zukunft wünschen sich Bein wie Brunnschweiler, dass das Projekt bald angegangen wird. Im kommenden Jahr soll das Baugesuch eingereicht werden. Läuft alles glatt, beginnen die Arbeiten im Sommer 2018.

Rahel Haag

rahel.haag@thurgauerzeitung.ch

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