Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

BAUSANIERUNG: 62 von 77 Gemeinden sagen Ja zum Theater

Die St.Galler Bevölkerung stimmt dem Kredit von 48,6 Millionen Franken für die Erneuerung des Theaters St.Gallen mit 62 Prozent zu. Abgelehnt wird die Vorlage lediglich in 15 der 77 Gemeinden, die meisten davon im Sarganserland.
Marcel Elsener
Sonniger Abstimmungssonntag fürs Theater St. Gallen: Ab 2020 kann sein Bau saniert werden. (Bild: Urs Bucher)

Sonniger Abstimmungssonntag fürs Theater St. Gallen: Ab 2020 kann sein Bau saniert werden. (Bild: Urs Bucher)

Marcel Elsener

marcel.elsener@tagblatt.ch

Nachmittags ein fröhliches Kinderpublikum für «Räuber Hotzenplotz», abends volles Haus bei «La Bohème» – und dazwischen ein politisches Freudenfest im Foyer des Theaters St.Gallen. Um vier Uhr, die letzten Kinder haben gerade noch eine Hotzenplotz-Unterschrift ergattert, treffen sich Theaterangestellte, Regierungsvertreter und allerhand Befürworter der Bauvorlage zu Wurst und Bier, gesponsort vom Pro-Komitee, dem alle Parteien ausser der SVP angehören. Die Freude ist gross, am allergrössten bei Theaterdirektor Werner Signer: «Wir haben in der Stadt sogar mehr Ja-Stimmen erhalten als der Olma-Deckel», ruft er lachend Bauchef Marc Mächler zu. Und meint damit, ohne es auszudeutschen: Soll einer sagen, das Theater sei nicht populär. Die Zustimmung in Stadt (72 Prozent im Wahlkreis St.Gallen) und Land zeige, dass das Angebot des Hauses genutzt werde, freut sich Signer und erklärt dann doch: «Elitär in der Qualität, nicht aber im Programm, das war immer unser Anliegen.» Anders gesagt: Das Selbstverständnis des Theaters, «ein Haus für alle zu sein», sei bestätigt worden. Nun könne die Arbeitsplatzsituation der Mitarbeitenden verbessert und die Basis gelegt werden, um «im bisherigen Stil weiterzuarbeiten», so Signer.

Stadt-Land-Graben weniger ausgeprägt als befürchtet

Bangen mussten die Befürworter der Bausanierung bis zuletzt; zwar befürchteten die wenigsten eine Ablehnung, doch erwarteten viele ein knappes Resultat. Bauchef Mächler rechnete mit einem Ja-Anteil von 55 Prozent. Nun sei er von der 62,5-Prozent-Zustimmung «sehr positiv überrascht», sagt er. «Und dass die Vorlage in 62 der 77 Gemeinden angenommen wurde, darunter in solchen ennet dem Ricken oder in Bad Ragaz und Sargans, ist ein gutes Zeichen.» Sieben von acht Wahlkreisen haben der Vorlage zugestimmt, nur im Sarganserland wurde sie knapp mit 50,3 Prozent Nein abgelehnt. Es freue ihn, dass so viele Stimmberechtigte den Nutzen des Theaters für den Kanton und die Dringlichkeit der Renovation des 50-jährigen Baus erkannt hätten, meint Mächler. Der von den Gegnern betonte Stadt-Land-Graben sei nicht aufgebrochen, und das Argument einer Neubau-Alternative sei als «unglaubwürdig» betrachtet worden. In die gleiche Kerbe schlägt Kulturchef Martin Klöti: «Das Stimmvolk liess sich nicht beirren.» Das Theater dürfe im Kanton «getrost auf die Solidarität zählen», sagt Klöti und will auf «Drohgebärden» der Gegner nicht weiter eingehen. Er wertet das Ja zudem als Anerkennung der St.Galler Kulturpolitik mit ihrer «vernetzten Strategie» der kulturellen Schwerpunkte in jeder Region. Die «Solidarität unter der Regionen» betont auch das überparteiliche Komitee «Ja zum Theater». Die Zustimmung für die Vorlage bedeute eine Stärkung der Kantonshauptstadt als Arbeits- und Wohnstandort und sei «ein wichtiges Zeichen für die weitere Entwicklung des Kantons».

Abstimmungsresultate nach Wahlkreisen: Die St.Galler Bevölkerung stimmt dem Kredit von 48,6 Millionen Franken für die Erneuerung des Theaters St.Gallen insgesamt mit 62 Prozent zu. (Bild: pd)

Abstimmungsresultate nach Wahlkreisen: Die St.Galler Bevölkerung stimmt dem Kredit von 48,6 Millionen Franken für die Erneuerung des Theaters St.Gallen insgesamt mit 62 Prozent zu. (Bild: pd)


Entsprechend lassen sich die befürwortenden Fraktionschefs im Kantonsrat vernehmen: «Die Stimmberechtigten haben jenseits von aller Polemik bestätigt, dass das Theater einen wichtigen Beitrag zur Attraktivität unseres Kantons leistet», sagt Andreas Widmer (CVP). «Die Gegner haben versucht, die Solidarität zwischen den Regionen zu torpedieren, von der unser Kanton und gerade auch seine ländlichen Regionen leben», meint Beat Tinner (FDP). Dass dieser – auch er braucht das Wort – «Polemik» eine Absage erteilt wurde, «ist für künftige Projekte, mit denen der Kanton in seine Attraktivität investieren will, ein wichtiges Signal». Peter Hartmann (SP) deutet das Ja als Bestätigung der Entscheide von 2003 (Kulturförderung als Staatsaufgabe) und 2009 (Übernahme Stadttheater): «Die St.Gallerinnen und St.Galler haben heute zum Ausdruck gebracht, dass sie die Kulturpolitik von Regierung und Kantonsrat stützen.»

Enttäuschung bei SVP und Jungfreisinnigen

Kleinlaut geben sich die Gegner. Man nehme den Volksentscheid enttäuscht zur Kenntnis, teilt die Parteileitung der SVP mit: «Die gross angelegte Kampagne verfing anscheinend.» Nun werde man «das Sanierungsprojekt genau verfolgen und überwachen, dass der Kredit nicht überzogen wird». Das Resultat mit seinem «Nein-Stimmen-Anteil klar über dem Wähleranteil der SVP» zeige, dass es im «Kanton einen Konflikt zwischen der Stadt St.Gallen und dem restlichen, insbesondere südlichen Kantonsteil gibt». Noch einmal Öl ins eigene Feuerchen giessen auch die Jungfreisinnigen, die den Entscheid in einem Facebook-Posting bedauern und schreiben: «Weiterhin bleiben wir der Meinung, dass das Theater saniert werden muss – aber nicht durch staatliche Gelder. Ebenfalls werden wir künftig darüber diskutieren, weshalb Kultur Privatsache ist.»

Lesen Sie hierden Kommentar zur Abstimmung über die Theater-Sanierung.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.