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Bauern vor Gericht: Gezänk um Gestank

Vor dem Kreisgericht Werdenberg-Sarganserland mussten sich drei Landwirte verantworten, weil sie angeblich zur Unzeit gedüngt hätten. Ein anonymer Nachbar hatte die drei angezeigt.
Reinhold Meier

Die Verhandlung setzte neben juristischer Sachkenntnis für einmal auch vertieftes Wissen über die Aggregatszustände von Kuhmist voraus. Wichtig ist etwa, Gülle nicht mit Mist zu verwechseln: Jene ist flüssig, dieser hingegen fest, und zwar je nach Einstreu-Anteil mehr oder weniger verrottungsresistent. Ebenso wichtig ist sein Stickstoffanteil, bewirkt er doch die Düngewirkung, aber auch die Intensität der Duftnote.

Über die Kunst des Mistens

Kommt hinzu, dass flüssige Gülle rascher in den Boden dringt, sich aber je nach Temperatur auch schnell verflüchtigen kann, also gleichsam verdampft, bevor sie befruchtend versickert. Das ist dann buchstäblich Mist, für die Pflanze und den Bauern. Und wohl, rein geruchsmässig, auch für die Anwohner. Darum setzt der versierte Landwirt von heute auf eine Kombinationslösung. «Mit der Gülle werden die Jungpflanzen zunächst ‹angefüttert› und mit dem Mist später kontinuierlich versorgt», erklärte einer der Beschuldigten die Kunst des zeitgenössischen Mistens.

"Die Bedingungen waren perfekt"

Mit Nachdruck betonten die Angeklagten denn auch, dass sie bei ihrer Düngeaktion anfangs Februar eben keinesfalls Gülle geführt hätten, sondern Mist mit langfristiger Wirkung. Schliesslich sei ihnen klar, dass Dung nur dann ausgebracht werden dürfe, wenn ihn die Pflanzen aufnehmen könnten, also in der Vegetationsphase. Da aber das Wetter günstig und für die nächsten Tage der Vor-Frühling ins Haus stand, hätten sie ganz arglos getan, was sie schon an der Landwirtschaftsschule gelernt hätten und den Saisonstart eingeleitet. «Ich habe nicht im Traum daran gedacht, dass das falsch sein könnte», hiess es. Der Mist habe denn auch wie geplant in den folgenden Tagen seine förderliche Wirkung nach und nach abgegeben.

Es habe an jenem 7. Februar kein Schnee gelegen, der Boden war nicht gefroren und nicht wassergesättigt, erklärten sie. «Die Bedingungen waren perfekt, wir arbeiten mit der Natur, nicht gegen sie.» Auch seien weitere Kollegen in Nachbarorten aufgebrochen und hätten das Feld gedüngt – ohne Reklamationen. «Wir sind einfach die schwarzen Schafe», beklagten sie die in ihren Augen ungleiche Behandlung.

Nachbarschaftsstreit
in der Luft?

Der Staatsanwalt beharrte aber darauf, dass an jenem Tage rund um den Gonzen noch Vegetationsruhe herrschte. Er forderte bedingte Geldstrafen in der Höhe von jeweils zehn Tagessätzen bei einer Probezeit von zwei Jahren. Die Beschuldigten erklärten sich für unschuldig und zeigten sich spürbar verärgert über den anonymen Anzeiger. «Der soll doch `herrestoah`.»


Das Gericht sprach sie schliesslich frei. Dies vor allem, weil das Gesetz keine stichfesten Angaben darüber enthält, wann denn nun im Einzelfall exakt die Vegetationsphase beginnt. Es gebe keine allgemein gültige Regelung.


Klar sei immerhin, dass es nach dem 7. Februar länger und überdurchschnittlich warm geworden sei. Auch Beweisfotos konnten keine Schuld belegen. Und Schaden sei keiner entstanden. Der Ärger über die anonyme Anzeige sei zwar nachvollziehbar. Der Gesetzgeber habe aber gute Gründe dafür, diese Möglichkeit einzuräumen. Etwa bei Delikten in der Familie oder auf der Arbeit würden sich schwächer Gestellte ohne Schutz der Anonymität kaum wehren können.

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