Bauer will Hanf an Kamele verfüttern

Seit bald drei Jahren kämpft ein Landwirt aus dem Bezirk Weinfelden um seine Hanfernte aus dem Jahr 2008. Weil er den Hanf nicht an seine Kühe verfüttern darf, hofft er nun auf Kamele.

Urs-Peter Inderbitzin
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Der Landwirt hatte dem kantonalen Landwirtschaftsamt im Juni 2008 mitgeteilt, er habe auf einer Fläche von 50 Aren im Freudenberg Nord Hanf der Sorte sativa non-indica angebaut. Da der Anbau dieser Hanfsorte nicht im Ka-talog des Bundesamts für Landwirtschaft figurierte, meldete das kantonale Amt den Anbau den Strafverfolgungsbehörden.

Die Staatsanwaltschaft des Kantons Thurgau wies daraufhin das Bezirksamt Weinfelden an, ein Untersuchungsverfahren gegen den Landwirt durchzuführen. Erste Amtshandlung: Ende August 2008 stellte das Bezirksamt den Hanf vorläufig sicher. Im Juli 2009 folgte der zweite Streich: Das Bezirksamt bestrafte den Landwirt wegen Widerhandlung gegen das Landwirtschaftsgesetz zu einer Busse von 300 Franken und ordnete gleichzeitig die Vernichtung des Hanfs an.

Keine Bestrafung

Der Landwirt erhob gegen die Verurteilung und gegen die Hanfvernichtung Einsprache, blitzte aber bei der Bezirksgerichtlichen Kommission Weinfelden ab. Anders sah es das Thurgauer Obergericht. Das Gericht sprach den Landwirt von Schuld und Strafe frei, weil es davon ausging, der Landwirt habe die Hanfwürfel an seine eigenen Kühe verfüttern wollen. Diesen Entscheid wiederum akzeptierte die Thurgauer Staatsanwaltschaft nur teilweise: In ihrer Beschwerde ans Bundesgericht zeigte sie sich zwar mit dem Freispruch des Landwirts einverstanden, verlangte aber die Vernichtung der sichergestellten Hanfernte.

In ihrem Urteil weisen die Richter in Lausanne darauf hin, dass durch das Verfüttern von Hanf an Nutztiere THC in die Milch gelangen kann. Selbst geringe THC-Mengen in der Milch könnten je nach Umständen eine Gefährdung der Gesundheit von Menschen, insbesondere von Kleinkindern, darstellen. Es sei deshalb grundsätzlich verboten, Hanf an Nutztiere zu verfüttern. Dies gelte auch für den in einem Betrieb für den Eigenbedarf produzierten Hanf. So gesehen müsste der Hanf vernichtet werden.

Zurück an das Obergericht

So weit ist es aber noch nicht. Der hartnäckige Landwirt hatte nämlich vor Bundesgericht geltend gemacht, er beabsichtige, da er die Hanfwürfel nicht an seine Kühe verfüttern dürfe, aus diesen einen Absud zur Pflanzenstärkung herzustellen oder sie seinen beiden Kamelen zu verfüttern. Da aufgrund dieser Aussagen nicht hinreichend klar ist, dass der Mann das beschlagnahmte Hanf nicht auch zu anderen Zwecken als zur Verfütterung an Nutztiere verwenden könnte, geht der Fall zu weiteren Abklärungen an das Thurgauer Obergericht zurück.

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