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Vielen Bauern wurde vom Hagel die Obsternte zerstört. (Bild: Raphael Rohner)

Vielen Bauern wurde vom Hagel die Obsternte zerstört. (Bild: Raphael Rohner)

Erst die Trockenheit, dann Hagelkörner gross wie Golfbälle: Ein Landwirt spricht über den Ausnahme-Sommer

Dürre, Hitze und zu wenig Futter für das Vieh - die Bauern kämpfen mit der Trockenheit. Wer hingegen Obst anbaut, darf sich auf eine gute Ernte freuen. Ausser der Hagel macht einem einen Strich durch die Rechnung. Ein Rundgang auf einem Hof in Mörschwil.
Christof Krapf

Peter Schildknecht hatte Glück. Eben hat er die letzten Stützhalter für seine Hochstämmer ergattert. Die Metallteile - Bauern verwenden sie um die Äste von Obstbäumen zu stützen - sind derzeit Mangelware. Die Landi meldet ausverkauft. Zu gut gedeihen Äpfel, Birnen und Zwetschgen in diesem heissen und trockenen Sommer überall.

Das sieht man auch auf Schildknechts Hof in Mörschwil: Die Bäume lassen ihre Äste hängen, schwer tragen sie an ihren Früchten. Da und dort ist ein Ast schon unter seiner Last abgeknickt. «So viele Stützen musste ich noch nie aufstellen», sagt Schildknecht. Auch die Kirschernte dieses Sommers war die beste, die der Bauer seit der Übernahme des Betriebs 1995 hatte. Weil der Regen ausblieb, zersprangen praktisch keine Kirschen. Trockenheit: Des einen Freud, des anderen Leid.

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Mörschwiler Landwirt bangt um seine Obsternte

Schildknecht leidet weniger als andere Berufskollegen unter der Dürre. Einerseits verfügt sein Hof über eine eigene Quelle, die ihm 6000 Liter Wasser pro Tag liefert. Dieses verteilt er unter seinen Zwetschgenbäumen oder auf der Wiese. Andererseits stehen in seinem Stall nur 29 Kühe - für die Grösse seines Betriebs ist das wenig. Deshalb ist sein Heustock noch immer voll mit Futter aus dem letzten Winter. «Ich bin froh, dass ich noch Vorräte habe. Der Handel mit Heu ist tot», sagt er.

Wenn sich die aufgestaute Hitze entlädt

Dass in diesem Sommer viel zu wenig Regen gefallen ist, spürt aber auch Schildknecht. Da und dort schimmern in der Wiese braune Stellen, an Südlagen wächst praktisch kein Gras mehr nach. Das Mähen kann sich der Bauer dort schenken. Er sagt:

«Das Gras müsste eigentlich doppelt so hoch stehen.»

Bis Anfang August hatte Schildknecht dennoch kaum Probleme. Es hätte eine gutes Jahr werden können für den Bauern, der je zu einem Drittel von Obstbau, Milchwirtschaft und Schweinemast lebt. Doch dann folgte der 1. August. Die aufgestaute Hitze entlud sich am Abend des Nationalfeiertages in einem heftigen Gewitter. «Wir wollten gerade auswärts essen gehen», sagt Schildknecht. Aus dem gemütlichen Abend wurde nichts. Hagelkörner, gross wie Golfbälle, prasselten auf sein Land, der Vorplatz des Bauernhofes verwandelte sich in einen Bach, Wasser lief in den Keller.

Die dringend benötigten Niederschläge kamen zwar - jedoch in falscher Form und zu viel auf einmal. Der Hagel hat praktisch die gesamte Obsternte zerstört. «Zämägschlage», nennt Schildknecht das. Selbst sein Vater - 78 Jahre alt - hat noch nie einen solchen Hagelschlag erlebt.

90 Prozent der Ernte sind kaputt

Im Frühjahr hatte Schildknecht bei seinem Abnehmer drei Tonnen Zwetschgen angemeldet. «Nach dem Hagelschlag musste ich ihn anrufen und ihm sagen, dass es von mir dieses Jahr nichts gibt.» Der Bauer schätzt, dass der Hagel vom 1. August 90 Prozent seiner Obsternte zerstört hat. Beim Rundgang hört man immer wieder herunterfallende Äpfel. Der Hagel hat ihre Haut durchschlagen, die Früchte verfaulen und sind nicht mal mehr für Mostobst zu gebrauchen. Da und dort mögen auch die ausgetrockneten Stile die Frucht nicht mehr tragen. Die Trockenheit beginnt auch dem Obst zuzusetzen.

Wie gross der Verlust sein wird, kann und will Schildknecht nicht sagen - einen Drittel seines Einkommens kommt aber aus dem Obstanbau. Zieht man beispielsweise die aktuellen Preise für Zwetschgen zu Rate, kosten drei Tonnen davon gut 13'000 Franken. «Das fehlt jetzt im Portemonnaie», sagt Schildknecht, zuckt mit den Schultern und ergänzt:

«Jetzt hat es halt auch mich einmal erwischt mit dem Hagel.»

Der Landwirt hofft nun - wie alle seine Berufskollegen - auf Regen. «Langsam aber sicher braucht das Obst, das noch nicht vom Hagel zerstört wurde, Wasser um zu wachsen.» Täglich schaut er auf seine Wetter-App - kommende Woche soll der ersehnte Niederschlag kommen. Schildknecht hätte dann ein Problem weniger.

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