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Risse in Nebengebäuden, Lärm und logistische Höchstleistungen: Die Baustelle am Kantonsspital St.Gallen fordert den Betrieb heraus

Die Bauarbeiten auf dem Areal des Kantonsspitals sind in vollem Gange. Im Haus 01 sind dadurch Risse in den Wänden entstanden. Auch für Mitarbeiter und Patienten ist die Baustelle eine Herausforderung.
Noemi Heule
Die Baustelle dominiert das Areal des Kantonsspitals. Zwischen Haus 01 (links) und dem Hochhaus entsteht eine Tiefgarage. (Bild: Ralph Ribi /St.Gallen, 2. Juli 2019)

Die Baustelle dominiert das Areal des Kantonsspitals. Zwischen Haus 01 (links) und dem Hochhaus entsteht eine Tiefgarage. (Bild: Ralph Ribi /St.Gallen, 2. Juli 2019)

Wie eine offene Wunde klafft eine Baustelle zwischen dem markanten Hochhaus und dem hautfarbenen Haus 01. Fünf Meter haben sich die Maschinen beim Kantonsspital St.Gallen in den Untergrund gegraben. Hier, im Zentrum des Spitalareals, soll dereinst eine Tiefgarage 25 Meter unter die Erde führen. Die Bauarbeiten an heikler Stelle fordern den Betrieb heraus. Und nicht nur ihn. Auch die bestehenden Gebäude sind teils buchstäblich in Bewegung geraten. Minim zwar, nicht wahrnehmbar, und doch haben sie vereinzelt Schäden davongetragen.

Im Haus 01 ziehen sich Risse durch Gipswände. Vergangene Woche hat sich eine Deckenplatte einseitig gelöst. Die Schäden seien unbedenklich, heisst es in einem Informationsschreiben an die Patienten. Und weiter: «Das Gebäude wird laufend durch Statiker und weitere Fachingenieure überprüft.»

Erdbeben in Italien statt Erschütterungen in St.Gallen

Philipp Lutz

Philipp Lutz

Mittlerweile seien fast alle Deckenelemente geprüft und wo nötig zusätzlich fixiert worden, sagt Philipp Lutz, Sprecher des Kantonsspitals. Der Aushub und die damit verbundene Entwässerung des Baugrundes führten erwartungsgemäss zu Bewegungen von Gebäuden – und damit zu Rissbildungen, präzisiert er. Betroffen seien vor allem ältere Gebäude, etwa das Haus 01. Neuere, wie das Hochhaus 04, seien dagegen sehr stabil, weil sie mit Pfählen in der tragenden Felsschicht fixiert wurden. Lutz betont: Für Patienten und Personal bestehe keinerlei Gefahr, die Schäden seien rein kosmetischer Natur. Ihr Ausmass wird stetig dokumentiert. Rund 60 Messpunkte auf dem gesamten Areal zeichnen jede Verschiebung auf. Geofone messen zudem jede noch so keine Erschütterung. Lutz sagt:

«Die Messungen sind so sensibel, dass selbst kleine Erdbeben in Italien hier zu Ausschlägen führen.»

Kritische Werte für die Gebäudestabilität seien aber nicht annähernd erreicht worden. Für den Menschen sind die Erschütterungen nur in Ausnahmefällen spürbar, beispielsweise als kürzlich Betonelemente an den bestehenden Gebäuden abgebrochen wurden. Medizinische Geräte – Röntgenapparate, Herzkatheter oder Operationsmikroskope – reagieren dagegen sensibler auf Erschütterungen. Die Bauarbeiten mussten deshalb auch schon unterbrochen werden. Eine interne Schaltstelle koordiniert Spital- und Baustellenbetrieb.

Für die Verantwortlichen ist die Baustelle im Zentrum des Spitalareals denn auch vor allem eines: eine logistische Herausforderung. Es ist eine Operation am offenen Herzen. Es herrscht Ausnahmezustand, aber der Alltag geht reibungslos weiter. Die Mitarbeiter müssen sich an neue Wege gewöhnen. Die Grünfläche inmitten des Areals ist einer braunen Brache gewichen, hellgrüne Bauwände leiten Passanten daran vorbei. Unterirdisch gehen die Angestellten neue Wege: Das Kanalsystem, das die Häuser miteinander verbindet, ist ebenfalls in Umbau. Kabel werden bündelweise umgelegt, dennoch muss der Durchgang stets offen bleiben. Die Mitarbeiter hätten sich mit dem andauernden Ausnahmezustand arrangiert, sagt Lutz. Einzig der Zeithorizont mache einigen zu schaffen. Wird sie der Bau doch noch fast zehn Jahre lang begleiten.

Mit Oropax gegen das Baustellengetöse

Für die Patienten bedeutet die Baustelle in erster Linie Lärm. «Die Lärmemissionen gehören zu den grössten Herausforderungen», sagt der Mediensprecher. Patienten erhalten Oropax, teilweise bleiben die Fenster zu, um das Baustellengetöse auszusperren. Einige Patienten beobachten das Geschehen durch die Zimmerfenster – es sei eine willkommene Abwechslung, sagen sie. «Aber es gibt sicher auch Patienten, die sensibel auf Lärm reagieren», ergänzt Philipp Lutz. Der Lärm bleibt unbestritten.

«Bauen verursacht nun mal Lärm.»

Dennoch versuche man diesen, wo immer möglich, zu verringern. Die Baustelle am Kantonsspital sei keine normale, sagt Lutz. Nicht nur wegen ihrer Dimensionen, sondern auch wegen der Techniken, die zum Einsatz kommen. «Es wird immer die schonendere, oft die kompliziertere Variante gewählt.» Spezielle Prototypen kommen teils erstmals zum Einsatz, weil sie ruhiger sind als ihr herkömmliches Pendant. Auch die Tiefgarage mit ihren 450 Parkplätzen und elf Zwischengeschossen, wird nicht einfach so in den Untergrund gegraben. Tiefer als die jetzigen fünf Meter wird die Grube von aussen nicht. Auf dieser Höhe wird das erste Geschoss eingebaut. Danach geht die Grabung unterirdisch weiter. Der Aushub, insgesamt 277'000 Kubikmeter, wird von Kränen an die Oberfläche befördert.

Weniger Lärm, weniger Vibrationen sind die Folge. Sobald die erste Bodenplatte steht, bildet sich wiederum eine stabile Schicht – fester Grund auch für die Gebäude nebenan. 2020 erreicht die Tiefgarage ihre endgültige Tiefe. Zeitgleich beginnt der Bau des Bettenhochhauses, das dereinst 52 Meter in die Höhe ragen wird. Sobald es bezogen ist, wird das Haus 01 abgerissen, das nun am meisten von Schäden betroffen ist. 2028, zwölf Jahre nach Start, sollen die Bauarbeiten zu Ende sein. Bis dahin gehören Baukräne und orange Westen genauso zum Ortsbild wie Rettungswagen und weisse Kittel.

Eine Erneuerung in Etappen

2014 bewilligte das St.Galler Stimmvolk 805 Millionen Franken für die Erneuerung der Spitäler St.Gallen, Altstätten, Grabs, Wattwil und Linth. Davon 400 Millionen für den Standort St.Gallen. Zusätzlich sprach es ein Darlehen von 125 Millionen für das Kinderspital. Während in Wattwil derzeit Baustopp herrscht und die Bagger in Altstätten gar nicht erst auffuhren, begannen die Arbeiten in St.Gallen Ende 2015.

Das Projekt «Come together» umfasst eine etappierte Erneuerung des Kantonsspitals St. Gallen und ein Neubau des Ostschweizer Kinderspitals auf demselben Areal. Geplant ist unter anderem eine Tiefgarage mit 450 Plätzen und ein Bettenhochhaus mit 96 Zimmern. Das Ende der Bauarbeiten ist auf das Jahr 2028 terminiert. (nh)

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