Basteln für OhO: «Menschen zu helfen ist unser grösster Lohn»

Zwei Mädchen aus dem Rheintal basteln für ihren Weihnachtsmarkt am 7. Dezember. Den Erlös spenden die beiden an OhO.

Desirée Müller
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Nicole Rüegg und ihre Töchter Nayeli und Ayumi vor ihrem Bastelwagen.  (Bild: Benjamin Manser)

Nicole Rüegg und ihre Töchter Nayeli und Ayumi vor ihrem Bastelwagen.  (Bild: Benjamin Manser)

Für die 7-jährige Nayeli und die 6-jährige Ayumi ist es selbstverständlich, die Türe aufzuhalten, wenn jemand keine Hand frei hat, oder im Bus aufzustehen, wenn ältere Menschen einen Platz suchen. Kleine Gesten, die heute nicht mehr selbstverständlich sind. Nicole Rüegg aus der Rheintaler Gemeinde Eichberg sagt:

«Meinem Mann und mir war es schon immer wichtig, den Kindern soziale Werte weiterzugeben. Und so leben wir es ihnen Tag für Tag vor.»

Die beiden Mädchen sammelten in den letzten beiden Jahren bereits Geld für die Aktion «Jeder Rappen zählt.» 2018 kamen stolze 3700 Franken zusammen. Dieses Jahr hat sich die Familie dafür entschieden, OhO zu unterstützen und erneut ihren Familienweihnachtsmarkt zu veranstalten.

Im Bauwagen wird gebastelt

«Seit den Herbstferien basteln wir fast jeden Tag», erzählt Nayeli. Und das mit viel Freude. Gemeinsam mit ihrer Mami werkeln die kleinen Künstlerinnen im zu einem Bastelparadies umgebauten Bauwagen vor dem Haus. Aus alten Holzlatten entstehen wunderschöne Bretterchristbäume und aus Gips und WC-Rollen die Köpfe herziger Engelfiguren. «Wir versuchen, möglichst mit Materialien zu arbeiten, die andere wegwerfen würden», ist der Mutter wichtig. Wenn die Bastelfeen im Bett sind, macht sich ihre Mutter ans Werk. Sie sucht nach passenden Bastelideen und stellt einen Prototyp her. In einer Schuhschachtel legt sie danach alle Materialien parat, sodass die fleissigen Mädchen gleich loslegen können, wenn sie am nächsten Tag nach der Schule Lust zum Basteln haben. Ayumi findet:

«Es ist ein schönes Gefühl, wenn am Weihnachtsmarkt jemand einen Batzen ins Kässeli wirft.»

Die Werke können für einen freiwilligen Betrag ersteigert werden. «Wir möchten, dass sich die Besucher nach ihrem Budget richten können.» Manchmal lande ein kleinerer Batzen im Kässeli, manchmal sogar ein Zwanzgernötli. «Dann rennen die Mädchen ganz aufgeregt zu mir und erzählen von der Spende.»

Armut wird thematisiert

Der Weihnachtsmarkt ist im ganzen Dorf bekannt. «Die Besucher werden jedes Jahr mehr. Auch entsteht eine gewisse Dynamik. Immer mehr Bekannte möchten mithelfen», findet sie rührend. Sie selbst steht mit ihren Kindern am Vortag in der Küche und schnippelt Gemüse für 20 Liter Suppe. Das Thema Armut wird in der Familie immer wieder mal thematisiert. «Ich finde es schön, dass aktuell Menschen im ‹St.Galler Tagblatt› vorgestellt werden, denen dank OhO eine Freude gemacht werden konnte», so Nicole Rüegg. Auch diese Geschichten erzählt sie den Kindern. «Sie sollen wissen, dass es nicht selbstverständlich ist, dass man in einem Haus mit Garten lebt. Ich denke, unsere Kinder verstehen, dass nicht alle solch ein Glück haben. Und daher macht es ihnen wohl auch so viel Freude, Geld für die Weihnachtsaktion zu sammeln.»

Weihnachtsmarkt Familie Rüegg

Der Weihnachtsmarkt der Familie Rüegg befindet sich an der Eichbergstrasse 12, 9453 Eichberg. Öffnungszeiten: 10 bis 17 Uhr

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